China wettet im großen Stil auf humanoide Roboter
China sieht in Robotern den nächsten großen Entwicklungsschritt für KI und will durch Investitionen und heimische Vorteile einen globalen Vorsprung sichern.
Der A2-Roboter des chinesischen Start-ups Agibot ist über 100 Kilometer am Stück gelaufen. Ein Weltrekord.
(Bild: Agibot/Screenshot)
China möchte innerhalb der nächsten fünf Jahre zum Weltmarktführer für humanoide Roboter aufsteigen, schreibt das Wall Street Journal in einem Bericht. Dabei setzt Peking auf massive Investitionen in die heimische Industrie. Eine Strategie, die bereits den Erfolg Chinas im Bereich der Elektromobilität ebnete.
Peking unterstützt die Branche mit einem Maßnahmenpaket, das weit über Finanzspritzen hinausgeht: Lokale Regierungen stellen Unternehmen kostenlose oder stark vergünstigte Büroflächen und Grundstücke zur Verfügung und gewähren Zugang zu günstigen Bankkrediten sowie subventionierten Uni-Fachkräften, berichtet das Wall Street Journal.
In neu entstehenden Zentren wie dem „Robot Valley“ in Shenzhen fließen Milliarden in die Entwicklung von KI-Modellen und Robotik-Hardware. Zusätzlich fungiert der Staat als wichtiger Erstabnehmer, indem Behörden und staatliche Unternehmen humanoide Roboter in Museen oder zur Verkehrsüberwachung einsetzen.
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Um den Markteintritt weiter zu beschleunigen, bekommen Käufer teilweise bis zu 10 Prozent des Anschaffungspreises zurückerstattet. Dies ermöglicht es Start-ups, Prototypen schnell unter realen Bedingungen zu testen und wertvolle Daten für die Weiterentwicklung zu sammeln.
Die US-Regierung plant Gegenmaßnahmen
Im Zuge der staatlichen Förderung sind in China mehr als 140 Start-ups entstanden, die sich auf die Entwicklung humanoider Roboter spezialisiert haben. Die Unternehmen haben den Vorteil, kritische Komponenten wie Sensoren, Batterien und Motoren für Roboterhände fast vollständig lokal zu beziehen, wodurch sie Änderungen kosteneffizient und schnell umsetzen können.
Für jüngste Schlagzeilen sorgte das chinesische Unternehmen UBTech, seine humanoiden Roboter an Airbus verkauft, sowie das chinesische Start-up Unitree, das medienwirksam demonstrierte, wie sein humanoider Roboter „G1“ unter extremen Kältebedingungen autonom über weite Strecken durch Schnee und Eis stapft.
In den USA betrachtet man die chinesische Robotik-Offensive derweil mit wachsender Sorge. Um einen drohenden Rückstand abzuwenden, bereitet das Weiße Haus laut dem Wall Street Journal ein präsidiales Dekret vor, welches die US-Robotikindustrie gezielt fördern soll.
Auch wenn die humanoide Robotik derzeit noch am Anfang ihrer kommerziellen Entwicklung steht, unterstreichen die jüngsten technologischen Sprünge das Potenzial der Branche. Der Weg zur flächendeckenden industriellen Reife erfordert zwar noch weitere Entwicklungsschritte, doch das wachsende Interesse zahlreicher Branchen lässt bereits jetzt erahnen, wie groß die tatsächliche Marktnachfrage künftig ausfallen könnte. Laut einer Schätzung von Morgan Stanley könnten im Jahr 2026 weltweit bis zu 100.000 humanoide Roboter ausgeliefert werden.
(tobe)