Mercedes-Chef fordert höhere Leistungsbereitschaft, um Rechtsruck zu verhindern
Mercedes-Chef Källenius warnt vor wirtschaftlichem Abstieg, dem ein Rechtsruck folgen könnte. Wie Merz und Söder fordert er mehr Einsatz von den Arbeitnehmern.
Ola Källenius vor einem Mercedes-Benz EQS
(Bild: Mercedes-Benz)
Mercedes-Chef Ola Källenius warnt, ein fortgesetzter wirtschaftlicher Niedergang Deutschlands könne zu einem politischen Rechtsruck führen. Dem Magazin „Spiegel“ sagte der Mercedes-Chef in einem Interview: „Deutschland entwickelt sich wirtschaftlich seit etwa 10 bis 15 Jahren in eine falsche Richtung“. Wenn jetzt nicht gegengesteuert werde, „dann kommen die Populisten von rechts, die für nichts eine Lösung haben“.
Källenius sieht mangelnde Leistungsbereitschaft als möglichen Grund für ökonomische Schwäche. Ganz so, „als ob man vor einer Fußball-WM sagt, wir trainieren genug, obwohl alle anderen doppelt so viel trainieren“. So werde man aber bekanntermaßen nicht Weltmeister. Mit diesem Bild aus der Welt des Sports schwenkt der Mercedes-Chef dann auf die Linie von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der im Januar geäußert hat: „Mit Work-Life-Balance und Viertagewoche lässt sich der Wohlstand unseres Landes, den wir heute haben, in Zukunft nicht erhalten, und deswegen müssen wir mehr arbeiten“. Sekundiert vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), welcher vergangene Woche der Bild-Zeitung sagte, es müsse wieder „länger gearbeitet“ werden.
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Arbeitskosten und Regulierung gefährden Standort
An seine Schilderung der Gefahr durch den Rechtspopulismus schloss Källenius dann die für diese Argumentation übliche Drohung mit dem Standort an. So habe Deutschland global die höchsten Arbeitskosten, und wenn sich „Unternehmertum und Investitionen in Deutschland nicht mehr lohnen“, fließe das Kapital eben in andere Standorte. Teilzeitarbeit findet Källenius „ein wunderbares Instrument“, bei Gründen wie Kindererziehung oder Pflege. Dank Teilzeit konnten „viele Menschen von ihren Arbeitgebern gehalten oder in den Arbeitsmarkt zurückgeführt werden.“ Davon abgesehen müssten die Deutschen insgesamt wieder mehr arbeiten, damit „unsere einzigartige Produktivitätsmaschine nicht noch stärker ins Stocken“ gerate.
Von einer europäischen Industriepolitik wünscht sich der Mercedes-Chef: „Wir müssen weg von Verpflichtungen und Strafen und hin zu marktbasierten Anreizen sowie massiven Investitionen in die Infrastruktur. Egal, ob es um die Chemie, den Stahl oder Autos geht – wir machen überall die gleichen methodischen Fehler.“ Seiner Meinung nach gehe Europa durch eine zu starke Regulation seiner Wirtschaftskraft verlustig.
(fpi)