Discord führt weltweit Altersprüfung ein

Ab dem kommenden Monat verlangt Discord einen Gesichtsscan oder einen Ausweis für vollständigen Zugriff auf alle Inhalte der Plattform.

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Smartphone mit Discord-App darauf, im Hintergrund Controller und Tastatur

(Bild: Shutterstock.com)

Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Andreas Knobloch
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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Der Social-Media-Dienst Discord gibt bekannt, dass er im März auf seiner Plattform Altersüberprüfung einführt. Dann werden alle neuen und bestehenden Benutzerkonten weltweit automatisch auf „jugendgerechte Erfahrung mit aktualisierten Kommunikationseinstellungen, eingeschränktem Zugang zu altersbeschränkten Bereichen und Inhaltsfiltern“ eingestellt, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Um bestimmte Einstellungen zu ändern oder auf sensible Inhalte wie altersbeschränkte Kanäle, Server oder Befehle sowie ausgewählte Nachrichtenanfragen zuzugreifen, müssen Nutzer demnach möglicherweise einen Prozess der Altersüberprüfung durchlaufen.

Discord-Nutzer können wählen, ob sie zur Altersschätzung die Gesichtserkennung nutzen oder einen Ausweis als Identitätsnachweis vorlegen möchten. In Zukunft würden weitere Optionen hinzukommen, kündigte das Unternehmen an. Ferner werde es ein Altersschätzungsmodell implementieren, das im Hintergrund läuft und dabei hilft, festzustellen, ob ein Benutzerkonto einem Erwachsenen gehört, ohne dass die Nutzer immer ihr Alter nachweisen müssen. Wenn weitere Informationen zur Zuordnung zu einer Altersgruppe erforderlich sind, werden Nutzer möglicherweise aufgefordert, mehrere Methoden zur Altersprüfung zu verwenden.

Nicht als volljährig verifizierte Nutzer bleibt der Zugriff auf altersbegrenzte Server und Kanäle verwehrt und von Discord als sensibel eingestufte Inhalte werden gefiltert. Außerdem erhalten sie Warnmeldungen bei Freundschaftsanfragen von möglicherweise unbekannten Nutzern; und Direktnachrichten von potenziell unbekannten Nutzern werden automatisch in einen separaten Posteingang gefiltert.

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Discord hat im vergangenen Jahr bereits in Großbritannien und Australien Altersüberprüfungen eingeführt. Die nunmehrige globale Implementierung dieser Schutzfunktion basiert auf den dabei gemachten Erfahrungen. „Die weltweite Einführung von Standardeinstellungen für Jugendliche baut auf der bestehenden Sicherheitsarchitektur Discords auf und bietet Jugendlichen starken Schutz, während verifizierte Erwachsene Flexibilität genießen“, wird Savannah Badalich, Leiterin der Produktpolitik bei Discord, in der Unternehmensmitteilung zitiert.

Neben den erweiterten Sicherheitsfunktionen für jugendliche Nutzer kündigt Discord die Schaffung eines Jugendlichbeirats, bestehend aus zehn bis zwölf Teenagern. Dieses Beratungsgremium namens Teen Council soll der Perspektive Jugendlicher in der Entscheidungsfindung bei Discord mehr Gewicht verleihen. „Der Teen Council wird (…) dazu beitragen, dass Discord versteht – und nicht nur annimmt –, was Teenager brauchen, wie sie sinnvolle Beziehungen aufbauen und was ihnen das Gefühl gibt, online sicher und unterstützt zu sein“, schreibt Discord. Die Beiträge des Gremiums sollen in zukünftige Produktfunktionen, Richtlinien und Bildungsressourcen einfließen, heißt es weiter. Interessierte im Alter von 13 bis 17 Jahren können sich demnach ab sofort bis zum 1. Mai 2026 für die Teilnahme am Teen Council bewerben.

Um Kinder und Jugendliche stärker vor negativen Auswirkungen Sozialer Netze und digitaler Angeboten zu schützen, werden immer öfter Altersverifikationen oder Altersgrenzen für Nutzer diskutiert. In Australien ist Anfang Dezember das weltweit erste umfassende Verbot von Social Media für unter 16-Jährige in Kraft getreten. Die britische Regierung hat erklärt, dass sie Australiens Ansatz „genau“ beobachte. Andere Länder haben dagegen bereits angekündigt, ähnliche Verbote einzuführen, darunter Malaysia, Dänemark und Norwegen. Dänemarks hat sich Anfang November auf ein Mindestalter von 15 Jahren beim Zugang zu Social Media verständigt, wobei Eltern ihren Kindern bereits mit 13 Jahren die Anmeldung zu diesen Netzwerken erlauben können. Das EU-Parlament hat Ende November eine Resolutionn verabschiedet, die sich für ein EU-weites Mindestalter von 16 Jahren für Social Media ausspricht.

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(akn)