Dienstag: Discord mit AltersprĂĽfung, Kritik an geplanter Vorratsdatenspeicherung

Gesichtsscan oder Ausweis zur Altersbestimmung + Widerspruch zu Regierungsplänen + Sorge um deutschen Einzelhandel + ChatGPT als Arzt-Ersatz + Irrtum in Bayern

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Vorratsdatenspeicherung, dazu Text: DIENSTAG Discord, Vorratsdatenspeicherung, Online-Handel, KI-Sprachmodelle & AOK Bayern

(Bild: asharkyu / Shutterstock.com / heise online)

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Von
  • Andreas Knobloch

Der Social-Media-Dienst Discord führt ab kommenden Monat weltweit Altersverifikationen ein. Nutzer können dann zwischen Gesichtserkennung oder Vorlage eines Ausweises zur Bestimmung des Alters wählen. Nicht verifizierten Usern bleiben bestimmte Funktionen verwehrt. In Deutschland wächst die Kritik von Verbänden und Experten an der vom Bundesjustizministerium geplanten monatelangen Vorratsdatenspeicherung. Zu rechtsstaatlichen Bedenken kommt die Sorge um den Betrieb offener WLAN-Strukturen. Und der Handelsverband HDE schlägt einen Importstopp für chinesische Online-Händler wie Temu oder Shein vor – die wichtigsten Meldungen im kurzen Überblick.

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Immer öfter werden Altersverifikationen oder Altersgrenzen diskutiert, um Kinder und Jugendliche stärker vor den negativen Auswirkungen von sozialen Medien und digitalen Angeboten zu schützen. Anfang Dezember trat in Australien das weltweit erste umfassende Verbot von Social Media für unter 16-Jährige in Kraft. Andere Länder diskutieren die Einführung ähnlicher Verbote. Die Social-Media-Plattform Discord hat nun angekündigt, ab nächsten Monat weltweit Altersverifikationen ihrer Nutzer vorzunehmen – per Gesichtsscan oder Ausweis. Nicht als volljährig verifizierte Nutzer erhalten nur eingeschränkten Zugang zu bestimmten Inhalten. Discord führt weltweit Altersprüfung ein

Mit dem Referentenentwurf zur Einführung einer IP-Adressspeicherung, der sogenannten Vorratsdatenspeicherung, hat das Bundesjustizministerium Ende des Jahres eine Debatte wieder entfacht, die viele bereits für beendet erachteten. Kern des Vorhabens ist die Pflicht für alle Internetprovider, die an Anschlussinhaber vergebenen IP-Adressen und Portnummern minutiös zu protokollieren und drei Monate lang zu speichern. Das Ministerium spricht von einem modernen Instrumentenkasten für die Strafverfolgung. Doch die Kritik von Verbänden und Experten reißt nicht ab und ist teilweise vernichtend. Die Bedenken sind vielfältig. Vorratsdatenspeicherung: Massive Kritik an Regierungsplänen

Die Popularität chinesischer Internethändler wie Temu oder Shein hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Laut einer Mitte vergangenen Jahres veröffentlichten Studie zum E-Commerce-Markt gehören beide Konzerne mittlerweile zu den sieben größten Onlineshops in Deutschland. Zum Teil haben sie ihr Bruttohandelsvolumen vervierfacht. Beide Unternehmen sind schon länger im Fokus europäischer Verbraucherschützer wegen Verstoßes gegen EU-Regeln und europäisches Verbraucherrecht. Jetzt schrieb der deutsche Handelsverband HDE einen Brandbrief an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und beklagte darin ungleiche Wettbewerbsbedingungen. In Deutschland ansässige Händler seien deshalb nicht mehr konkurrenzfähig. Temu und Shein: Handelsverband HDE bringt Importstopp ins Spiel

Bei medizinischen Wissenstests erreichen große KI-Sprachmodelle wie GPT-4o inzwischen nahezu perfekte Ergebnisse. Sie bestehen die US-Ärzte-Zulassungsprüfung, fassen Patientenakten zusammen und können Symptome einordnen. Gesundheitsbehörden in aller Welt prüfen deshalb, ob KI-Chatbots als erste Anlaufstelle für Patienten dienen könnten. Doch eine Studie von Forschern der Universität Oxford dämpft solche Überlegungen erheblich. Denn wenn echte Menschen die Modelle um Rat fragen, versagt die Zusammenarbeit. ChatGPT als Arzt-Ersatz? Studie zeigt ernüchternde Ergebnisse

In der Vergangenheit hat es immer wieder datenschutzrechtliche Bedenken im Zusammenhang mit der elektronischen Patientenakte (ePA) gegeben – unter anderem wegen unbefugter oder fehlerhaft ermöglichter Widersprüche gegen ePAs, die zur Schließung oder Löschung von Akten führten. Jetzt hat eine geplante Systemumstellung der AOK Bayern zu erheblichen Problemen mit der elektronischen Patientenakte geführt. Rund 6.400 Akten wurden "aufgrund [...] eingereichten Widerspruchs" vorübergehend geschlossen. Die Krankenkasse spricht von einem Fehler bei den beteiligten IT-Dienstleistern. AOK Bayern löscht versehentlich tausende elektronische Patientenakten

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(akn)