So arbeitet Deutschland im Homeoffice wirklich

Eine Studie zeigt: Über die Hälfte der Homeoffice-Beschäftigten nimmt während der Arbeitszeit zum Beispiel Pakete an. Trotzdem steigt die Produktivität.

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Ein Laptop, auf dessen Tastatur ein kleiner Einkaufswagen mit einem Paket platziert ist. Drumherum liegen auf der Tastatur vier weitere Pakete.

(Bild: Pla2na/Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Mehr als die Hälfte der Beschäftigten im Homeoffice nimmt während der Arbeitszeit Pakete an. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts Appinio und des Anbieters von Zeiterfassungssoftware Timo24. 58,8 Prozent gaben an, regelmäßig den „Paket-Check“ zu übernehmen. Weitere häufige private Tätigkeiten während der Arbeitszeit: 46,2 Prozent beantworten private Nachrichten, 42,8 Prozent erledigen Wäsche oder andere Haushaltsaufgaben.

Bemerkenswert ist die Häufigkeit solcher Unterbrechungen: 16,9 Prozent der Befragten kümmern sich mehrmals täglich um private Angelegenheiten. Allerdings bleibt der Zeitaufwand überschaubar – 74 Prozent verbringen weniger als 30 Minuten pro Tag mit solchen Tätigkeiten.

Trotz dieser Unterbrechungen berichten 75,9 Prozent der Befragten von einer höheren oder viel höheren Produktivität im Homeoffice im Vergleich zum Büro. Als Gründe dafür nennen 31,3 Prozent, dass kleine Tätigkeiten als Entspannung wirken, 25 Prozent, dass sie bei der Stressbewältigung helfen. 30,7 Prozent vertrauen ihrer eigenen Zeiteinteilung, 41,1 Prozent sind überzeugt, alle Aufgaben zu erledigen.

Die Einschätzung deckt sich mit Daten des ifo-Instituts, wonach hybride Arbeitsmodelle im Regelfall die Produktivität nicht beeinträchtigen. Die Homeoffice-Quote lag laut einer weiteren ifo-Studie im August 2025 stabil bei 24,4 Prozent – ein Wert, der sich seit April 2022 kaum verändert hat. Bei Dienstleistern arbeiten 35,1 Prozent teilweise zu Hause, im verarbeitenden Gewerbe 15,7 Prozent.

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Die Mehrheit der Befragten sieht private Tätigkeiten gelassen: 83 Prozent finden sie in Ordnung, solange die Arbeitsergebnisse stimmen. 31,4 Prozent sind völlig frei von Schuldgefühlen. Gleichzeitig beobachten 40 Prozent bei Kollegen gedehnte Pausen, 28,4 Prozent das Erledigen anderer Arbeiten und 28,2 Prozent die private Nutzung von Firmengeräten. Nur 25,9 Prozent glauben an eine „weiße Weste“ im Team.

Bei der Zeiterfassung zeigt sich ein unterschiedliches Verhalten: 26,3 Prozent dokumentieren ihre Stunden akribisch, doch 11,8 Prozent „vergessen“ Überstunden außerhalb der Kernzeit. Als Gründe für Falschangaben nennen 27,3 Prozent hohe Belastung, 21,1 Prozent wollen unbezahlte Überstunden ausgleichen. Seit den Urteilen des EuGH 2019 und des BAG 2022 müssen Arbeitgeber die täglichen Arbeitszeiten systematisch erfassen – auch im Homeoffice. Ab 2026 soll die elektronische Erfassung Pflicht werden.

Die Studie zeigt deutliche regionale Unterschiede in der Work-Life-Balance: In Berlin akzeptieren 62,5 Prozent private Tätigkeiten während der Arbeitszeit, in Sachsen-Anhalt 61,5 Prozent. Brandenburg ist mit 22,2 Prozent restriktiver. In Mecklenburg-Vorpommern erledigen 30,8 Prozent mehrmals täglich Privates – 42,3 Prozent davon ohne schlechtes Gewissen. Im Saarland erfassen 25 Prozent Überstunden nicht.

Bei der Umfrage wurden von den Marktforschern insgesamt 1.001 berufstätige Personen in Deutschland befragt, die das Homeoffice nutzen können. Die Studie ist repräsentativ hinsichtlich Alter, Geschlecht und Region. Details zu den Zahlen finden sich hier.

(fo)