Russland erhöht Druck auf Telegram: Weitere Einschränkungen und Strafen drohen

In Russland wird Telegram zunehmend eingeschränkt. Dem Messenger drohen auch Strafzahlungen. Doch der Telegram-Chef will sich dem erhöhten Druck nicht fügen.

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Pawel Durow und Telegram-Logo auf einem Smartphone

Telegram-Chef Pavel Durov

(Bild: Thrive Studios/Shutterstock.com)

Lesezeit: 3 Min.
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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

In Russland bemerken Telegram-Nutzer offenbar zunehmend Probleme mit dem dort weitverbreiteten Messenger-Dienst. Das wird mit von der russischen Telekommunikationsaufsicht Roskomnadzor auferlegten Einschränkungen in Verbindung gebracht. Die Behörde verlangt Maßnahmen seitens Telegram gegen Betrug und die Verbreitung von Terrorismus, aber der Messenger pocht weiter auf Meinungsfreiheit und Privatsphäre.

Schon im August 2025 hatte Russland Anrufe auf WhatsApp und Telegram eingeschränkt und dies mit dem Schutz vor betrügerischen Anrufen begründet. Die nächste Stufe der Internet-Zensur erfolgte nur zwei Monate später. WhatsApp und Telegram wurden in Russland erneut eingeschränkt, um nach offiziellen Angaben Kriminellen entgegenzuwirken. Die Messenger seien wichtige Dienste für Erpressung, Betrug und Verwicklung russischer Bürger in Sabotageakte, hieß es.

Jetzt berichten staatliche Medien wie RBC von der Einführung „konsequenter Einschränkungen“ Telegrams durch russische Behörden, denn der Messenger-Dienst ergreife keine wirksamen Maßnahmen zur Betrugsbekämpfung, schütze die persönlichen Daten nicht ausreichend und verstoße gegen russisches Recht. „In diesem Zusammenhang wird Roskomnadzor auf Beschluss der zuständigen Behörden weiterhin sukzessive Einschränkungen einführen, um die Einhaltung der russischen Gesetzgebung und den Schutz der Bürger zu gewährleisten“, heißt es in der Erklärung.

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„Diese Regeln sind offen und für alle gleich: das Betreiben von Servern innerhalb Russlands, die Gewährleistung des Schutzes personenbezogener Daten, der Schutz der Bürger vor Betrug und die Schaffung von Bedingungen zur Verhinderung von Extremismus und Terrorismus“, betonte Roskomnadzor. Laut Reuters hätten einige Bürger Moskaus dies bereits bemerkt. Telegram würde jetzt nicht mehr so gut funktionieren, bestätigen Nutzer.

Die Betreiber Telegrams sehen sich und ihren Dienst dagegen angegriffen. „Russland schränkt den Zugang zu Telegram ein, um seine Bürger zum Wechsel zu einer staatlich kontrollierten App zu zwingen, die für Überwachung und politische Zensur entwickelt wurde“, erklärte Telegram-Chef Pavel Durov laut Bloomberg auf seiner Plattform. „Die Freiheit der Bürger einzuschränken, ist niemals der richtige Weg. Telegram steht für Meinungsfreiheit und Privatsphäre, ungeachtet des Drucks.“

Bei der von Durov erwähnten staatlich kontrollierten App handelt es sich um MAX, ein vom russischen Staat geförderter Messenger. Im August 2025 hieß es bereits, dass Russlands WhatsApp-Alternative bald auf Mobilgeräten vorinstalliert sein muss. Damit soll die russische Bevölkerung dazu gebracht werden, nicht mehr über WhatsApp oder Telegram zu kommunizieren. Letzten Dezember gingen die Behörden einen Schritt weiter und haben Roblox, FaceTime und Snapchat in Russland blockiert.

Telegram drohen neben dem eingeschränkten Dienst auch Strafzahlungen. Im Rahmen verschiedener Gerichtsverfahren, weil der Messenger laut russischem Gesetz unerlaubte Informationen nicht entfernt hat, könnte Telegram zu 64 Millionen Rubel (umgerechnet 694.670 Euro) verpflichtet werden. Gerichtsvollzieher versuchen zudem, weitere 9 Millionen Rubel (97.686 Euro) aus früheren Bußgeldern von Telegram einzutreiben.

(fds)