Projektmanagement: Hat Dein Kalender ein Memory Leak?
Wo bleibt eigentlich die ganze Arbeitszeit, die in einer Woche steckt?
(Bild: TippaPatt / Shutterstock)
- Stefan Mintert
Wenn ein Team seine Sprint-Commitments regelmäßig nicht einhält, kann das eine Vielzahl von Gründen haben. Einer davon ist, dass neben der Arbeit an Sprint-Tickets noch weitere Dinge parallel laufen. Das können unerwartete Aufgaben sein, die man nicht in einem Ticket abbildet oder – wenn es ein Ticket gibt – es nicht in den Sprint zieht. Eine andere beliebte Quelle sind ausufernde Besprechungen mit bestenfalls geringem, schlimmstenfalls keinem Bezug zum Sprintziel.
Der schädlichste Fall sind Regelmeetings, die irgendwann vor vielen Jahren begonnen wurden. Damals waren sie vielleicht sinnvoll und produktiv. Doch heute sind sie oft nur „da“. Ohne Agenda, ohne klare Ergebnisse, mit einer „historisch gewachsenen“ Liste von eingeladenen Personen. Da es an Themen nicht mangelt, reicht die Zeit nie. Manchmal wird dann die Timebox vergrößert, ohne dass die Qualität steigt.
Wenn ich so etwas beobachte, frage ich die genervten Teilnehmer manchmal, weshalb sie dort hingehen. Einen echten Grund, der über „das machen wir immer so“ hinausgeht, höre ich nicht oft. Meine Vorschläge, die Teilnahme einfach mal abzusagen, sind offensichtlich irritierend radikal; mit anderen Worten: Man geht weiterhin zu diesen Besprechungen.
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Zuletzt habe ich es mit folgender Analogie versucht: Der Kalender hat ein Memory Leak und diese Besprechungen sind belegter und nicht genutzter Speicher. Und welcher anständige Entwickler würde schon ein Memory Leak akzeptieren? Ungenutzten Speicher sollte man freigeben.
Diese Analogie hat tatsächlich Wirkung gezeigt, und es kam ein Dialog über die Frage auf, ob die Zeit, die die Meetings belegen, tatsächlich dem nicht genutzten Speicher entspricht. Ist es also sinnvoll investierte Zeit? Die Frage muss man natürlich im konkreten Fall entscheiden. Eine pauschale Antwort in diesem Beitrag kann es nicht geben.
Im Fall meines Kunden haben wir die Frage so geklärt, dass wir für die Besprechungen Tickets im Sprint angelegt haben. Damit haben wir zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Erstens war die früher unsichtbare Arbeitszeit jetzt sichtbar. Und zweitens kamen die Besprechungen im Review auf die Tagesordnung. Dort kann man zumindest gemeinsam über den Wert und den Nutzen der Besprechungen reden.
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(rme)