Cisco: Neuer 102,4-Tbit/s-Switching-Chip Silicon One G300 für KI-Rechenzentren
Cisco stellt den Silicon One G300 vor – einen Ethernet-Switch-Chip mit 102,4 Tbit/s Bandbreite, der speziell für KI-Cluster im Gigawatt-Maßstab ausgelegt ist.
Cisco-Manager Jeetu Patel präsentiert den neuen Switching-Chip
(Bild: Cisco)
- Marco Brinkmann
- Jens Söldner
Zum Auftakt der Cisco Live EMEA in Amsterdam hat Cisco am Dienstag seinen neuen eigenentwickelten Netzwerk-Chip Silicon One G300 vorgestellt. Der Chip liefert 102,4 Terabit pro Sekunde Ethernet-Switching-Kapazität und unterstützt 1,6-Tbit/s-Ethernet-Ports über integrierte SerDes (Serializer/Deserializer) mit 200 Gbit/s.
Mit bis zu 512 Ports soll er KI-Cluster mit bis zu 128.000 GPUs versorgen können – bei nur 750 Switches statt bisher 2500. Das soll ein „flacheres“ Netz ermöglichen, mit dem Betreiber mehr KI-Compute-Ressourcen ins Zentrum des Netzwerks rücken können, um Latenz zu reduzieren, den Netzwerkaufbau zu vereinfachen und die Effizienz von KI-Trainings- und Inferenz-Aufgaben zu erhöhen.
Intelligent Collective Networking
Cisco positioniert den G300 ausdrücklich jenseits reiner Geschwindigkeitsrekorde. Unter dem Begriff „Intelligent Collective Networking“ fasst der Hersteller drei Funktionen zusammen: einen 252 MByte großen, vollständig geteilten Paketpuffer, pfadbasiertes Load Balancing, das 100.000-mal schneller als softwarebasierte Optimierung reagieren soll, sowie integrierte Netzwerktelemetrie auf Session-Ebene.
In Simulationen will Cisco damit eine um 33 Prozent höhere Netzwerkauslastung und eine um 28 Prozent kürzere Job Completion Time gegenüber herkömmlicher Paketverteilung erreicht haben. Damit generiere jede GPU-Stunde mehr Tokens – ein für die Profitabilität relevanter Faktor für Betreiber von KI-Rechenzentren.
Der G300 nutzt P4-Programmierbarkeit („Programming Protocol-Independent Packet Processors“ – eine Programmiersprache für die Steuerung der Paketweiterleitungsfunktionen von Routern und Switches), die Cisco als „Adaptive Packet Processing“ vermarktet. Damit lassen sich neue Netzwerkfunktionen auch nach der Inbetriebnahme nachrüsten, ohne Hardware tauschen zu müssen. Cisco verweist auf den Vorgänger G200, bei dem nachträglich die Unterstützung des Ultra Ethernet Consortium (UEC) 1.0 implementiert wurde – obwohl der Chip Jahre vor Finalisierung der Spezifikation designt worden war.
Neue Systeme, Liquid Cooling und Optik
Auf Basis des G300 bringt Cisco neue Nexus-9000- und Cisco-8000-Systeme, jeweils mit 64 OSFP-Cages für 1,6-Tbit/s-Optik. Die Systeme gibt es in luft- und vollständig flüssigkeitsgekühlten Varianten. Letztere sollen die Energieeffizienz um rund 70 Prozent verbessern und die Bandbreite liefern, für die zuvor sechs Systeme nötig waren. Dazu kommen neue 1,6-Tbit/s-Transceiver sowie Linear Package Optics (LPO), bei denen die Signalverarbeitung vollständig im Switch-Chip stattfindet. Das halbiere den Stromverbrauch der Optik-Module.
Darüber hinaus erweitert Cisco das P200-Portfolio: Der im Oktober 2025 angekündigte 51,2-Tbit/s-Routing-Chip erhält neue Fixed- und Modular-Systeme für Cisco 8000 und Nexus 9000 – ausgelegt auf DCI (Data Center Interconnect) und Core-Routing, inklusive 800G-ZR/ZR+-Optik für Langstreckenverbindungen.
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Nexus One als einheitliche Managementebene
Sämtliche Data-Center-Netzwerktechnologien – von Nexus über SONiC-basierte Hyperscale-Systeme bis ACI – fasst Cisco unter der Plattform „Nexus One“ zusammen. Diese bietet On-Premises-, Cloud- und API-gesteuerte Betriebsmodelle und integriert Splunk-basierte Observability sowie die neuen „Agentic Ops“-Fähigkeiten, bei denen KI-Agenten kontinuierlich Netzwerkzustand, Sicherheit und Konfigurationen überwachen und optimieren sollen.
Das SDK für den G300 steht laut Cisco bereits zur Verfügung. Erste Systeme sollen im zweiten Halbjahr 2026 ausgeliefert werden. Die erweiterten P200-Systeme und die neuen Optik-Module werden ebenfalls in diesem Jahr erwartet. Cisco konkurriert mit dem Chip direkt gegen Broadcoms Tomahawk 6 und Nvidias Spectrum-X Ethernet Photonics.
(axk)