Gitarre neu gedacht: „Schwebende“ Gitarrensaiten von 250-kg-Magnet gehalten

Ein Musiker und YouTuber hat mithilfe eines starken Magneten eine Gitarre gebaut, bei der die Saiten anstelle der üblichen Befestigung am Korpus frei schweben.

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(Bild: Matthias Krantz / Youtube)

Lesezeit: 3 Min.

Es sieht verrückt aus, doch wer genauer hinschaut, erkennt: Die Saiten dieser Gitarre, die normalerweise am Korpus befestigt werden, schweben frei in der Luft – und trotzdem lässt sich darauf wie auf einer ganz normalen Gitarre spielen. Mit extrem starken Magneten hält der schwedische YouTuber und Musiker Matthias Krantz die Saiten unten am Klangkörper fest, ohne dass sie dabei den Korpus berühren. Der Effekt wirkt wie aus einem Sci-Fi-Film, zusätzlich betont durch eine geschwungene, luftige Gitarre, die in der zweiten Hälfte seines Ende Januar 2026 veröffentlichten Videos zu sehen ist.

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Normalerweise werden Gitarrensaiten über einen Steg am Korpus geführt. Krantz ersetzt diesen durch einen aus einem Eisenblock gefertigten Steg, der von einem starken Magneten freischwebend gehalten wird. Der Magnet erzeugt gleichzeitig die nötige Spannung, sodass die Saiten spielbar bleiben, trotz eines rund zwei Zentimeter breiten Luftspalts.

Magnet mit 250 kg Zugkraft

Das Projekt begann mit kleinen Magneten, die die Saiten zwar gerade hielten, aber beim Spielen zu schwach waren – sie flogen bei leichtem Zug mit lautem Surren davon. Erst ein 100 × 50 × 25 mm großer Magnetblock der Klasse N52 und mit fast 250 kg Zugkraft erwies sich als stark genug, um die Saiten auch beim Spielen stabil zu halten. Der Magnet erzeugt an seiner Oberfläche eine magnetische Flussdichte von 4174 Gauss (≈0,42 Tesla), was ihn zu einem der stärksten handelsüblichen Neodym-Magnete macht.

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Solche Magneten sind jedoch nicht ungefährlich: Quetschgefahr und enorme Kräfte sind deutlich im Video zu sehen. Krantz testete den Magneten sogar auf einem Amboss und musste feststellen, dass er ihn nicht mehr freibekam – ein zweiter Magnet musste nachbestellt werden. Durch die gewaltigen Kräfte des Magneten hat der Schöpfer der Gitarre auch spürbar Angst vor der eigenen Erfindung.

(Bild: Matthias Krantz / Youtube)

Die Mühe hat sich gelohnt: Am Ende funktioniert die Gitarre, auch wenn sie nur vier statt sechs Saiten hat. Der Magnetaufbau eröffnet zudem neue musikalische Möglichkeiten. Beim Spielen hat Krantz festgestellt, dass der freischwebende Stahlblock, an dem die Saiten befestigt sind, in verschiedene Richtungen leicht verschoben werden kann. Je nachdem, wie die Magnete bewegt werden, entsteht ein Vibrato-Effekt, und sogar die Lautstärke der Gitarre lässt sich so beeinflussen.

Für Krantz ist das Projekt kein Einzelfall – auf seinem YouTube-Kanal dreht sich alles um ungewöhnliche Umbauten von Musikinstrumenten. In den letzten Jahren baute er unter anderem eine Gitarre mit einem kreisrunden, rotierenden Griffbrett und mit insgesamt 18 Saiten, ersetzte in einem alten Klavier die Filz-Klavierhämmer durch kleine Zimmermannshämmer aus Stahl und versuchte sogar, Gitarrensaiten aus Spinnenseide herzustellen, indem er Spinnen „gemolken“ hat.

Im November 2025 veröffentlichte er zudem ein Video, in dem er einem Oktopus das Klavierspielen beibringt – inklusive selbst gebautem Unterwasser-Klavier und verschiedenen Belohnungsmethoden mit Krabbenfleisch. Die Tausenden Kommentare zeigen, dass auch Forschende und Verhaltensforscher sein Vorgehen lobten.

Das Magnet-Gitarren-Projekt scheint vorerst abgeschlossen: Am Ende des Videos reißt der Magnet zwei Saiten ab, woraufhin Krantz das Instrument an der Wand aufhängt. Über seinen Discord-Server lassen sich die Vorbereitungen für seine nächsten Projekte verfolgen. (mch)