Zu viel fĂĽr nicht biologische Quelle: Auf Mars gefundene Stoffe weisen auf Leben

Vor einem Jahr hat die NASA erklärt, dass ihr Mars-Rover Curiosity lange organische Verbindungen entdeckt hat. Deren Menge weist auf eine biologische Herkunft.

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Ein verstaubter Mars-Rover in einer roten Felslandschaft

Curiosity auf dem Mars

(Bild: NASA/JPL-Caltech/MSSS)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Die Menge der bislang längsten organischen Verbindungen, die auf dem Mars entdeckt wurden, kann ohne eine biologische Quelle „nicht vollständig erklärt werden“. Das hat eine jetzt vorgestellte Analyse ergeben, die unterstreicht, dass es sich hier tatsächlich um die ersten Spuren von außerirdischen Lebenswesen handeln könnte. Gleichzeitig verweist die Forschungsgruppe aber auf die bekannte Feststellung des US-Astrophysikers Carl Sagan, der einst meinte: „Außergewöhnliche Behauptungen benötigen außergewöhnliche Beweise“. Auch deshalb sei weitere Forschung dazu nötig, wie schnell organische Moleküle in marsartigem Gestein unter den Bedingungen des Roten Planeten tatsächlich auseinanderbrechen. Erst dann könne man wirkliche Schlussfolgerungen ziehen.

Die Entdeckung der Verbindungen wurde im Frühjahr 2025 publik gemacht. Nachgewiesen haben sie Forscher in einer Probe, die der Mars-Rover Curiosity schon vor fast 13 Jahren gesammelt hat. Bei den Stoffen handelt es sich um Decan, Undecan und Dodecan, die als Überreste der Fettsäuren Undecansäure, Dodecansäure und Tridecansäure eingeordnet wurden. Lebewesen können sie produzieren, allerdings ist auch eine anorganische Entstehung möglich. Schon zur Vorstellung der potenziell weltbewegenden Entdeckung wies die verantwortliche Forschungsgruppe darauf hin, dass nicht biologische Prozesse üblicherweise Fettsäuren mit kürzeren Kohlenstoffketten produzieren als jene, die damals auf dem Mars nachgewiesen wurden.

Das Forschungsteam um Alexander Pavlov vom Goddard Space Flight Center der NASA hat jetzt unter Rückgriff auf Experimente, mathematische Modelle und Messdaten vom Mars versucht, „die Uhr um 80 Millionen Jahre zurückzudrehen“. So lange sei der Fels, in dem die Verbindungen gefunden wurden, den Bedingungen auf der Marsoberfläche und dabei primär der kosmischen Strahlung ausgesetzt gewesen. Am Ende hätten sie ermitteln können, wie viel Material ursprünglich vorhanden sein musste, damit die jetzt gefundene Menge übrig bleiben konnte. „Viel mehr, als typische nicht biologische Prozesse produzieren können“, lautet ihre kurze Zusammenfassung. Das weist deshalb auf Lebewesen. Die Studie ist im Fachmagazin Astrobiology erschienen.

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Trotzdem sieht das Team seinen Fund nicht als den Beweis für einstiges Leben auf dem Mars. Dafür sei noch weitere Forschung nötig. Seit Jahren weisen Forschungsteams immer wieder darauf hin, dass wir solch einen Beweis nur durch die Analyse von Gesteinsproben mit Mitteln finden können, die nur auf der Erde zur Verfügung stehen. Deshalb gilt es als so wichtig, Proben vom Mars zur Erde zu bringen. Daran hat die NASA eigentlich gearbeitet; für die ambitionierte Mission „Mars Sample Return“ von NASA und ESA hat der Mars-Rover Perseverance bereits Proben gesammelt. Vor wenigen Wochen strich der US-Kongress dafür aber die Finanzierung, womit die Mission vor dem Aus steht. Gegenwärtig bereitet China eine ähnliche Mission mit dem gleichen Ziel vor.

(mho)