ADAC kritisiert unnötig hohe Reparaturkosten

Nach einer Untersuchung des ADAC sind Reparaturkosten für Karosserieschäden stark gestiegen. Dafür gibt es Gründe, doch einiges ist schlicht zu teuer.

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ADAC Crashtest

Beim ADAC Crashtest gehen Scheinwerfer real kaputt. Bei der Reparaturkostenuntersuchung hat sich der Klub auf Papierarbeit beschränkt.

(Bild: ADAC)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Autofahren wird immer weniger erschwinglich, auch für jene, die die finanzielle Hürde „Führerschein“ schon umschifft haben oder diesbezüglich mit der Gnade einer frühen Geburt gesegnet sind. Der ADAC stellt fest, dass einige Kosten nicht so hoch zu sein bräuchten, etwa die für Reparaturen. Selbst kleine Schäden an modernen Autos werden immer teurer. Die Behebung kleiner Parkschäden kann inzwischen bereits mehrere tausend Euro kosten, weil die moderne Bauweise und eingebaute Technik solche Reparaturen schwierig machen.

Letztlich zahlt die Gemeinschaft der Versicherten für diese Verteuerung durch immer weiter steigende Versicherungsprämien. Innerhalb der vergangenen drei Jahre seien die Kosten für Neukunden um durchschnittlich etwa 50 Prozent gestiegen. Autohersteller haben eher Interesse an einem lukrativen Ersatzteilmarkt als an einer reparaturfreundlichen Konstruktion ihrer Produkte.

Für einen Vergleich hat der ADAC für 21 Modelle drei der häufigsten Reparaturen von einem Sachverständigen berechnen lassen: einen leichten Anfahrschaden vorn links und hinten rechts sowie einen Tausch der Windschutzscheibe, wie er beispielsweise nach einem Steinschlag nötig werden kann.

Am teuersten ist in der Regel ein Schaden an einer der vorderen Ecken, vor allem, wenn dabei Stoßfänger und Scheinwerfer getauscht werden müssen. Das belief sich im Vergleich auf maximal 7800 Euro, günstigstenfalls waren es knapp 3100. Am teuersten ist ein Scheinwerfer, mit bis zu 3300 Euro, wie der Klub feststellte. Die angenommene Preisspanne erstreckt sich von über 2100 bis mehr als 5100 Euro, wenn der hintere Stoßfänger getauscht werden muss.

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Häufig muss hier selbst bei einem eigentlich billig reparierbaren Schaden wegen der Herstellervorschriften bezüglich der Parksensoren das gesamte Teil getauscht werden. Die Argumentation in diesem Fall lautet, dass eine Nachlackierung durch den möglicherweise dickeren Farbauftrag die Funktion der Sensoren hinter dem Plastik stören könnte. Das bezweifelt der ADAC allerdings, denn auch Ersatzteile müssten in Wagenfarbe nachlackiert werden. Dabei kommt es also nur darauf an, dass der Farbauftrag fachgerecht ausgeführt wird, und nicht, ob nachlackiert wird.

Die höheren Kosten wären hier durch eine einfachere Reparatur vermeidbar, wie der Verein argumentiert. Eine Werkstatt ist indes verpflichtet, Herstellervorschriften einzuhalten, es sei denn, der Kunde wünscht ausdrücklich, davon abzuweichen. Geschädigte, denen die Versicherung den Schaden ersetzt, werden das mehrheitlich nicht tun.

Beim potenziellen Ersatz einer Windschutzscheibe blieb der günstigste im Testfeld des ADAC unter 1000 Euro, beim teuersten hätte sich die Rechnung auf 2500 Euro belaufen. Dabei ist heute nicht nur an Glas und Montage zu denken, sondern auch an die Arbeitskosten, um die Kamera für Fernlichtautomatik und Spurhaltesystem nach dem Wechsel der Scheibe neu zu kalibrieren, zumindest in zeitgemäßen Fahrzeugen.

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Der Schluss, den der Autoclub aus seiner Untersuchung zieht, ist eine Forderung nach besserer Reparaturfreundlichkeit im Sinne der Versicherungsprämien und der Nachhaltigkeit. Als Beispiel nennt der ADAC die Möglichkeit, einen Scheinwerfer mit einem neuen Deckglas reparieren zu können. Diese Forderung nach einem modularen Aufbau zeigt, dass das Problem nicht ganz neu ist. Sie reicht Jahrzehnte zurück in Zeiten, in denen die Zulieferer begannen, die gläsernen Streuscheiben der Scheinwerfer mit den Reflektoren unlösbar zu verkleben.

Der ADAC plädiert für Vernunft statt Prestige und bittet, darüber nachzudenken, was eigentlich wirklich nötig ist. Der Klub empfiehlt simple Mechanik statt komplizierter Elektronik, etwa Außenspiegel statt Kameras. Er schlussfolgert: „Empfindliche Mechanik und Elektronik ist dafür prädestiniert, irgendwann einen technischen Defekt zu erleiden. Hier sind elektrisch ausfahrbare Türgriffe ein klares Beispiel. Ein stabiler Bügeltürgriff hat viele Vorteile gegenüber seinem elektrischen Pendant, ist technisch ausgereift und hält dadurch praktisch ewig.“

(fpi)