Post zum Freitag: Wie KI (endlich?) Social Media kaputtmacht

Social Media wird bedroht – ausgerechnet von KI. Ist das vielleicht sogar eine gute Nachricht? Dies und weitere Themen in der Post zum Freitag.

vorlesen Druckansicht 105 Kommentare lesen
heise+ Update
Lesezeit: 5 Min.

Viele von uns hängen seit vielen Jahren am Social-Media-Tropf, angefangen mit StudiVZ und Facebook über Twitter aka X, Instagram, Tiktok und Co. Das Endlos-Scrollen ist eine eingeübte Routine geworden, sei es nach dem Aufstehen, im Bad, auf dem Weg zur Arbeit oder kurz vorm Schlafen. Wirklich gesund ist das nicht, das war jedem von uns schon immer klar, aber irgendwie war der Drang, etwas zu verpassen, häufig doch zu stark.

Doch seit einiger Zeit hat sich etwas geändert: KI-generierte Inhalte fluten Social Media. Keinem Bild lässt sich mehr trauen, selbst generierte Videos sind mittlerweile so gut, dass ein Realitätscheck schwer fällt. Dazu kommen überall generierte Texte – insbesondere nervig auf LinkedIn, wo gefühlt nur noch Businesskasper-Prompts für die gleichströmigen Texte verantwortlich sind. Da staunt man (nur kurz) über das plötzlich "perfekte" Deutsch der Bekannten oder die über Nacht herbeigezauberten Oxford-Englisch-Kenntnisse des Arbeitskollegen. Schnell wird klar: Das hat mir der jeweiligen, geschätzten Person nicht mehr viel zu tun, der Text wird wertlos. Führt ausgerechnet KI vielleicht zum Untergang von Social Media, wie wir es kennen?

Mit eben jenem Phänomen, nämlich dem KI-Müll ("KI-Slop"), beschäftigt sich ein aktueller Schwerpunkt. Er beleuchtet, wie Plattformen das Geschäft mit der Müllproduktion anheizen, wie (auch) KI-Müll die Glaubwürdigkeit von Journalismus bedroht und wie man ihn erkennen kann. Guter Lesestoff, und zwar nicht nur für unsere ohnehin technikaffinen Leser, sondern auch für Mutti, Opa und die Nachbarn.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein(e) Umfrage/Quiz (Drid GmbH) geladen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen (Drid GmbH) übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

KI taugt bekanntlich nicht nur zum Erstellen von Inhalten "gut", sondern kann auch beim Steuern und Verwalten der Tagesaufgaben helfen. Das ist faszinierend und gruselig zugleich, wie seit kurzem OpenClaw eindrucksvoll beweist. Der KI-Agent kann Mails versenden, Skripte schreiben und allerlei Aktionen am PC ausführen – eine Art persönlicher Sekretär. Doch damit OpenClaw sein volles Potenzial ausspielen kann, muss man ihm den vollen Lese-/Schreibzugriff aufs System und die eigenen Zugänge geben. Seien Sie sicher, auch ich habe da direkt die Nase gerümpft und gedanklich "No way!" geschrien. Schließlich ist die Angriffsfläche für Sicherheitslücken immens, und außerdem, wer will sich schon auf ein KI-Modell tatsächlich verlassen, wenn es um die eigenen Daten geht? Technisch fanden wir das aber allesamt äußerst interessant, sodass ein Kollege OpenClaw auf einem Testsystem ausgiebig ausprobiert hat. Lesen Sie ruhig mal rein, er war jedenfalls ziemlich beeindruckt, was schon möglich ist. Und vielleicht haben wir in nicht allzuferner Zukunft ja alle einen persönlichen KI-Assistenten? Wer will das schon ausschließen.

Noch kann man der persönlichen KI im Normalfall den "Stecker ziehen", es geht auch noch gut ohne; wie etwa dieser völlig KI-frei geschriebene Text beweist, den Sie gerade lesen. Schwieriger als den Stecker zu ziehen ist es häufig, das passende Kabel zu finden. Nun müsste man meinen, dass das spätestens seit USB-C kein Problem mehr darstellt. Doch weit gefehlt, wie jüngst die Kollegen der Mac and i erklären. Sie bezeichnen das Finden des richtigen USB-C-Kabels als reines Glücksspiel. Zwar ist der Stecker gleich, doch die die Kabel unterscheiden sich stark bei Ladeleistung und Datenübertragung. Die gute Nachricht: Mit ein bisschen Hintergrundwissen sind Sie schlauer und greifen (hoffentlich) zum richtigen Kabel.

Schön bunt und mit Kurbel: Notfallradios. Wenn gerade mal kein Ernstfall ist, auch gut fürs Camping geeignet.

(Bild: Jan Wöbbeking / heise medien)

Ganz ohne Kabel kommen die Notfallradios aus, die auch bei längerem Stromausfall noch funktionieren. Geht der eingebaute Akku zur Neige, lässt er sich durch Kurbeln und mithilfe der eingebauten Solarpanels aufladen. Noch vor wenigen Jahren war das Interesse an solchen Geräten gering, mittlerweile ist es einerseits aufgrund der weltpolitischen Lage und andererseits auch aufgrund inländischer Infrastruktur-Anschläge wie jüngst in Berlin deutlich gestiegen. Entsprechend haben wir uns fünf Notfallradios zwischen 20 und 180 Euro in die Redaktion geholt und ihre Brauchbarkeit getestet.

Apropos Radios: Ich kann mich noch gut daran erinnern, als Kind mit Omas Plattenspieler herumgespielt zu haben. Das Knarzen der Nadel beim Aufsetzen auf die Platte, der wohlig warme Klang, das Analoge ... Viele werden ähnliche Erinnerungen haben. Entsprechend wundert die wachsende Beliebtheit von Plattenspielern nicht, was sich in der großen Anzahl verschiedener Modelle widerspiegelt. Bevor Sie sich einen zulegen, sollten Sie unsere große Kaufberatung zum Thema lesen. Die ist übrigens auch dann spannend, wenn Sie keinen Kauf vorhaben – ich hab jedenfalls viel über die doch überraschend komplexe Technik gelernt.

In dem Sinne: Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und eine gute Lesezeit.

Ihr

Martin Fischer, Stellv. Chefredakteur heise medien (mfi)