Tiny Core Linux 17.0: Eine moderne Distribution in wenigen Megabyte

Die minimalistische Linux-Distribution aktualisiert ihre Basis auf Kernel 6.18.2 und GCC 15.2.0. Tiny Core bleibt dabei systemd-frei.

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(Bild: J0hnTV/Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Das Team hinter Tiny Core Linux hat Version 17.0 der minimalistischen Distribution veröffentlicht. Die neue Ausgabe aktualisiert die technische Basis auf einen aktuellen Stand: Linux 6.18.2 und den GCC-Compiler auf 15.2.0. Wie Team Tiny Core im Forum mitteilt, umfasst die Aktualisierung der Toolchain auch glibc 2.42, Binutils 2.45.1, util-linux 2.41.2 und e2fsprogs 1.47.3. Die kleinsten verfügbaren Editionen Core und CorePure64 bringen es lediglich auf rund 20 beziehungsweise 24 MByte – die Distribution zählt damit zu den kompaktesten verfügbaren Linux-Systemen.

Der neue Kernel 6.18.2 bringt Unterstützung für neuere Hardware mit. Dazu gehören Apples M2-Serie, Billigprozessoren aus Intels Core-Ultra-300-Serie (Wildcat Lake) sowie haptische Touchpads. Mit GCC 15.2.0 umfasst die Distribution einen modernen Compiler mit erweiterten Sprachfunktionen: Die neue Version unterstützt OpenMP 5.2 und 6.0 mit Funktionen wie metadirective und declare variant. C23-Funktionen wie das #embed-Direktiv und Unsequenced-Attribute gehören ebenso dazu wie C++-Verbesserungen – darunter constexpr placement new sowie flat_map und flat_set aus der Standardbibliothek.

An den Mindestanforderungen ändert sich wenig: TinyCore benötigt laut aktueller FAQ mindestens 46 MByte RAM, MicroCore kommt mit 28 MByte aus. Empfohlen werden 128 MByte RAM plus Swap-Speicher sowie ein Prozessor der Pentium-II-Klasse oder neuer. Als absolutes Minimum genügt ein i486DX aus dem Jahr 1989. Die Distribution verzichtet weiterhin auf systemd und setzt stattdessen auf BusyBox sowie traditionelle SysV-ähnliche Init-Skripte.

Das Update von glibc auf Version 2.42 kann Auswirkungen auf bestehende Erweiterungen haben. Ältere TCZ-Pakete müssen möglicherweise neu kompiliert werden, um mit der aktualisierten C-Bibliothek zu funktionieren. Historisch erforderten solche Versionssprünge bereits Anpassungen, etwa beim Wechsel von glibc 2.28 auf 2.30 in früheren Tiny-Core-Versionen.

Die neue util-linux-Version 2.41.2 erweitert die Partitionsverwaltung um neue Optionen. Die Werkzeuge cfdisk, sfdisk und fdisk unterstützen nun Parameter wie --sector-size und --discard-free. Ein neuer T-Befehl ermöglicht das gezielte Verwerfen von Sektoren. Die Partitionstools bieten außerdem eine verbesserte Integration lokaler Konfigurationsdateien.

Das e2fsprogs-Update auf 1.47.3 behebt mehrere sicherheitsrelevante Probleme. tune2fs schützt jetzt besser vor MMP-Session-Diebstahl, e2fsck prüft Journal-Inodes auf das Encrypt-Flag. FUSE2fs erhält Korrekturen für O_APPEND, O_TRUNC, POSIX-ACLs und das immutable-Flag. Eine neue udev-Regel verhindert das automatische Mounten von ext4-Dateisystemen über udisks, um potenzielle Sicherheitslücken zu vermeiden.

Das Projekt hat ebenfalls die Skript-Sammlung aktualisiert: provides.sh, tce-update und tc-functions bieten eine verbesserte Unterstützung für HTTPS-Mirrors. Das update-everything-Skript erweitert nun automatisch den PATH um /usr/local/bin. shutdown.sh behandelt leere Zeilen in /opt/.xfiletool.lst korrekt. Die udev-Regeln 50-udev-default.rules erweitern die Berechtigungen für Eingabegeräte.

Tiny Core Linux bleibt seinem Konzept des On-Demand-Ladens treu. Erweiterungen werden über das TCZ-System bei Bedarf nachgeladen. Die Mirrors lassen sich über /opt/tcemirror oder mirrors.lst auswählen, wobei Version 17.0 die HTTPS-Unterstützung in den relevanten Verwaltungsskripten verbessert hat.

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Für x86_64-Systeme stehen drei Editionen bereit: CorePure64 als reine Kommandozeilen-Variante mit 24 MByte, TinyCorePure64 mit minimaler grafischer Oberfläche bei 41 MByte sowie CorePlus als erweiterte Version mit 275 MByte. Die Installation erfolgt entweder vom USB-Stick oder persistent mit tce=UUID-Parametern für dauerhafte Erweiterungen und Einstellungen.

Im Vergleich zu anderen minimalen Distributionen sticht Tiny Core vor allem durch seine extrem geringe Größe und RAM-Nutzung heraus. Alpine Linux setzt auf musl libc und Container, Void Linux auf runit und das XBPS-Paketsystem. Tiny Core punktet besonders bei Embedded-Systemen und älterer Hardware, wo absolut minimaler Ressourcenverbrauch gefragt ist.

Tiny Core Linux 17.0 steht auf der Projektwebseite zum Download bereit.

Siehe auch:

(fo)