GVG Glasfaser erhält frisches Geld für neue FTTH-Netze

Einst in Schieflage geraten, hat sich die Unternehmensgruppe GVG Glasfaser inzwischen erholt. Die Investoren honorieren das mit frischem Geld.

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(Bild: SHARKstock/Shutterstock.com)

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Von
  • Marc Hankmann
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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Die Krise der deutschen Glasfaserbranche hat auch die GVG Glasfaser nicht verschont. Vor rund zwei Jahren musste sich die Unternehmensgruppe aus Kiel von rund einem Viertel ihrer Belegschaft trennen. Hohe Baukosten und gestiegene Kreditzinsen zerrten am finanziellen Polster der GVG. Nach einer strategischen Neuausrichtung warten die Kieler nun mit positiven Nachrichten auf.

Nachdem die GVG im vergangenen Jahr einige Ausbauprojekte abschließen und die Kundenzahl steigern konnte, erhält der Netzbetreiber nun für neue Projekte frisches Geld. Ein internationales Konsortium bestehend aus der Hamburg Commercial Bank (HCOB), der KfW, der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich sowie einem nicht näher genannten institutionellen Anleger investiert 135 Millionen Euro in die Unternehmensgruppe. Der bisherige Investor Palladio Partners bleibt alleiniger Gesellschafter der Kieler.

Die Summe übersteige die eigenen Erwartungen, teilt die GVG mit. „Angesichts der aktuellen Situation an den Finanzmärkten sehe ich das als großen Vertrauensbeweis in unser nachhaltig wachsendes Unternehmen“, freut sich GVG-CEO Thorsten Fellmann über das frische Geld. „Wir haben eine Entwicklung vollzogen, vor deren Herausforderungen inzwischen immer mehr Marktteilnehmer stehen.“

Die gestiegenen Kosten führten bei der GVG nicht nur zu Entlassungen. Im Spätsommer 2024 halfen die ING, die KfW und die Norddeutsche Landesbank Girozentrale der GVG mit einem Kredit über 85 Millionen Euro aus, der um weitere 80 Millionen Euro aufgestockt werden konnte.

Darüber hinaus gab es Kritik an der Bauqualität und am Kundenservice der GVG. Es kam in Ausbauprojekten zu erheblichen Verzögerungen. Kunden mussten nach dem Vertragsabschluss monatelang auf ihren Glasfaseranschluss warten und beschwerten sich über die mangelnde Kommunikation seitens der GVG. Um für Abhilfe zu sorgen, konzentrierten sich die Kieler zunächst darauf, begonnene Ausbauprojekte fertigzustellen, bevor sie neue Projekte in Angriff nahmen.

Die GVG ist kein Einzelfall. Fehlende Kapazitäten im Kabeltiefbau ließen in den vergangenen Jahren die Preise in die Höhe schnellen. Dadurch geraten die Kostenkalkulationen der Netzbetreiber ins Wanken. Geht ein Bauunternehmen sogar in die Insolvenz, wird es angesichts der Kostensteigerung schwer, einen Ersatz zu finden, der für die einstmals kalkulierten Preise arbeitet.

Hinzu kommt, dass viele Glasfasernetze nicht genügend ausgelastet sind, um die steigenden Kosten durch Einnahmen aufzufangen. Viele Netzbetreiber haben die Glasfaser lediglich bis zur Grundstücksgrenze verlegt (Homes Passed). Die letzten Meter zum Haus müssen vielerorts noch gebaut werden (Homes Connected), um an Kunden (Homes Activated) zu kommen. Deshalb geraten insbesondere kleinere Glasfasernetzbetreiber mit geringen Reichweiten in finanzielle Nöte.

Das hat die GVG nach eigenen Angaben hinter sich. „Im vergangenen Jahr haben wir eine Vielzahl unserer eigenwirtschaftlich realisierten Ausbauprojekte erfolgreich abschließen können“, blickt GVG-COO Michael Hegemann zurück; darunter Glasfasernetze im bayerischen Schöngeising, den hessischen Kommunen Liederbach, Rockenberg und Münzenberg sowie in diversen Kommunen in den niedersächsischen Landkreisen Osnabrück und Diepholz.

Inzwischen hat die GVG nach eigenen Angaben für 180.000 Haushalte in über 260 Kommunen FTTH-Anschlüsse gebaut. Im Vergleich zu 2024 konnte die Unternehmensgruppe im vergangenen Jahr die Zahl ihrer aktiven Kunden um 70 Prozent steigern. „Seit Anfang 2025 sind wir operativ positiv“, resümiert GVG-CFO Susanne Küppers.

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Unternehmenschef Fellmann sieht den Grund für die Entwicklung im Strategieschwenk, den das Unternehmen ab 2024 vornahm und der sich nun auszahle. Die Unternehmensgruppe besteht aus 17 Gesellschaften, zu denen mit der Firma „2locate“ eine eigene Vertriebstochter zählt.

Seit Anfang 2025 liegt darüber hinaus die technische Betreuung sämtlicher GVG-Kunden beim firmeneigenen Internet Service Provider (ISP) „2provide“. Dadurch kann die GVG Glasfaser Privat- und Geschäftskundenangebote mit den Marken teranet und nordischnet technisch eigenständig und ohne Vorleistungslieferanten realisieren.

Der Glasfasermarkt ist in einer schwierigen Phase. GVG Glasfaser sieht sich „gegen den Branchentrend auf einem klaren Wachstumspfad“. Die Kieler kündigen an, in diesem Jahr neue eigenwirtschaftlich finanzierte FTTH-Ausbauprojekte in Angriff nehmen zu wollen. Dafür will auch Palladio Partners weiter in den Kieler Glasfaserspezialisten investieren, teilt die GVG mit.

(vbr)