FPV-Drohnen bei Olympia – so werden die TV-Bilder gemacht

Speziell angefertigte FPV-Drohnen zeigen immersive Bilder der Wintersportarten bei den Olympischen Winterspielen. Die Anforderungen an die Piloten sind hoch.

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FPV-Drohne

Unscheinbar: Die speziell fĂĽr die Olympischen Winterspiele angefertigte FPV-Drohne liefert fantastische Aufnahmen von Wintersportarten.

(Bild: DWS News)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Bei den XXV. Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo haben FPV-Drohnen (First Person View) die Sicht auf viele Highspeed-Sportarten wie etwa Alpinski, Skeleton und Eisschnelllauf verändert. Sie liefern den Zuschauern immersive Bilder von den Wettkämpfen. Die Drohnenpiloten müssen dabei besondere Anforderungen erfüllen, um die bis zu 160 km/h schnellen Drohnen so zu steuern, dass sie die Athleten nicht stören, zugleich aber dicht am Geschehen dranbleiben und keine Unfälle verursachen.

Bei den Olympischen Winterspielen 2026 werden 25 Drohnen eingesetzt, davon 15 FPV-Drohnen, die extra für die Olympischen Spiele angefertigt worden sind und hohe Geschwindigkeiten bis etwa 160 km/h erreichen können. Ihr Preis liegt bei etwa 15.000 Euro pro Stück. Die FPV-Drohnen sind mit zwei Frontkameras ausgestattet. Eine liefert hochaufgelöste Bilder zur Fernsehübertragung, das Bild und der Abgleich des Bildes werden über einen Übertragungswagen gesteuert. Eine zweite, niedriger aufgelöste Kamera liefert das Bild für den Piloten.

Gesteuert werden die FPV-Drohnen über Funkfernsteuerungen mit zwei Knüppeln. Die Live-Bilder der Kamera werden an Goggles der Piloten gefunkt und liefern dem Piloten ein Bild aus Sicht der Drohne. Dieser sitzt meist in einem abgeschirmten Raum, um sich voll auf seine Aufgabe konzentrieren zu können, ohne abgelenkt zu werden. Blinzeln ist im Einsatz so gut wie gar nicht erlaubt. Die Piloten sind auch angewiesen, gegebenenfalls einen Verfolgungsflug abzubrechen, sofern sie Zweifel an der Sicherheit bekommen. Künstliche Intelligenz (KI) bei der Steuerung oder Hilfsmittel wie Systeme zur Crash-Vermeidung werden nicht genutzt. Sie würden nur die Reaktionsfähigkeit der Drohne verringern. Die Piloten fliegen deshalb ausschließlich manuell.

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Je nach Einsatz- und Sportart werden unterschiedliche Drohnen verwendet. Bei Highspeed-Sportarten wie Skiabfahrtslauf, Eisschnelllaufdisziplinen sowie Skeleton und Bobabfahrten, die in der Halle oder im engen Eiskanal stattfinden, sind die zum Einsatz kommenden FPV-Quadkopter klein und wiegen 243 g. Etwas größere Quadkopter werden dagegen für „langsamere“ Disziplinen eingesetzt. Große Drohnen liefern ausschließlich Luftaufnahmen der Wettkampfstätten aus der Draufsicht und zwischen den Läufen.

Die FPV-Drohnenpiloten der Olympischen Spiele, die sich teilweise aus FPV-Wettkampfpiloten und professionellen Kameradrohnenpiloten zusammensetzen, haben sich in einem ausgiebigen Trainingsprogramm auf ihren Einsatz vorbereitet. Mehrere Wochen lang übten sie die Flüge vorab auf den jeweiligen Wettkampfstätten zusammen mit Athleten. Das erfüllt gleich zwei Anforderungen: Zum einen erhöht es die Sicherheit durch die gewonnene Flugroutine, zum anderen werden die Drohnen so geflogen, dass die Athleten beim Wettkampf nicht gestört werden. Deshalb dürfen die Drohnen auch nicht vor den Athleten fliegen, müssen je nach Sportart einen definierten Sicherheitsabstand einhalten und dürfen die Sportler mitunter auch nur einen Teil der Strecke begleiten.

Die meisten Athleten fühlen sich deshalb durch die Drohnen auch nicht gestört. Lediglich das laute Surren der kompakten Drohnen, das durch die hochdrehenden kleinen Rotorblätter verursacht wird, ist deutlich wahrnehmbar.

Gestartet werden die Drohnen an zugewiesenen Plätzen an den Wettkampfstätten. Beim Eisschnelllauf etwa im Innenbereich des Ovals. Dort kehren sie nach ihrem Einsatz auch wieder zurück. Eine Technik-Crew ist dafür zuständig, die Drohnen dann wieder schnellstmöglich für den nächsten Einsatz flottzumachen, indem etwa die Akkus ausgetauscht werden, die bei der winterlichen Kälte in Wärmeboxen aufbewahrt werden. Denn die FPV-Drohnen haben nur eine Laufzeit pro Akkuladung von etwa fünf Minuten.

Die Drohnen liefern beeindruckende Bilder und zeigen beim alpinen Skifahren oder im Eiskanal schön, welche Herausforderungen die Athleten meistern müssen. Bei der Strecke für Slalom und Riesenslalom gibt es etwa vor dem Zielhang eine kleine Mulde (Kompression), bei der die Fahrer das nächste Tor quasi blind so anfahren müssen, dass der anschließende Schwung nicht neben die Strecke führt.

Auch wie genau dosiert einzelne Schwünge ausgeführt werden, sieht man bei allen alpinen Disziplinen: mal länger, mal kürzer auf der Kante stehen, immer „auf Zug“ fahren, ist das, was die Spitzenfahrer beherrschen. Wie viel Kraft das benötigt, ist auch deutlich zu beobachten.

Gute Studien gibt es ebenso beim Skisprung, wenn die Drohne die Sportler in der Draufsicht verfolgt. Wie sehr da während des Fluges mit den Armen, auch den Händen, gearbeitet wird, fiel vorher kaum auf. Andere Perspektiven, etwa frontal vor dem Athleten fliegend, wären noch wünschenswert – aber das scheidet aus Gründen der Sicherheit aus.

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Beim Skeleton dagegen ist die Verfolgerkamera ideal. Durch sie ist beim Start genau zu sehen, wie die winzigen Schlitten per Gewichtsverlagerung und im Notfall mit den Füßen auf dem Eis gesteuert werden. In der üblichen Sicht der Streckenkameras von oben oder von vorn fällt das weit weniger auf. Unter anderem schubsen die Fahrer das Skeleton mit den Schultern passgenau in die Spur.

All diese Aufnahmen gehen über das hinaus, was noch vor einigen Jahren mit großen TV-Kameras in den Händen – und dann natürlich ohne Skistöcke – bei einer Demonstration der Strecke vor dem Start präsentiert wurde. Das zeigte zwar den Kurs aus der Sicht des Fahrers, aber eben nicht, was er leisten muss, um schnell ins Ziel zu kommen.

Die nun möglichen Bilder direkt aus dem Eiskanal sind im Übrigen per se nichts Neues. Schon 1969 fuhr der Skirennfahrer und Modeunternehmer Willy Bogner für den James-Bond-Film „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ die stillgelegte Bobbahn im Schweizer Mürren auf Ski herunter. Dabei musste er noch eine schwere 35-Millimeter-Filmkamera balancieren – kein Vergleich mit den winzigen Drohnen heute. Bogner wirkte für Ski-Szenen danach noch an drei weiteren Bond-Filmen mit, auch als Regisseur dieser Sequenzen.

(olb)