KI-Technik: Pentagon droht Anthropic mit weitreichenden Sanktionen

Das Pentagon und Anthropic verhandeln gegenwärtig, wie Claude beim US-Militär eingesetzt werden kann. Wegen der roten Linien der KI-Firma droht das Pentagon.

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Pete Hegseth im US-Kongress

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth

(Bild: Zhongxinyashi_Photo/Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Das US-Verteidigungsministerium droht Anthropic damit, das KI-Unternehmen als „Risiko für die Lieferketten“ einzustufen und damit allen Firmen, die mit dem Pentagon kooperieren, die Nutzung von Anthropics Technik zu untersagen. Eine solche Sanktion ist normalerweise ausländischen Gegnern vorbehalten. Das berichtet das US-Magazin Axios unter Berufung auf eine hochrangige Quelle im Pentagon. Die Drohung soll wohl den Druck auf Anthropic in Verhandlungen über die Nutzung der KI-Technik Claude erhöhen. Die KI-Firma will es dem Verteidigungsministerium angeblich nicht gestatten, die KI-Technik für die Massenüberwachung der US-Bevölkerung zu nutzen. Zudem dürften damit keine Waffen entwickelt werden, die ohne menschliche Beteiligung feuern. Das Pentagon halte das für „übermäßig restriktiv“.

Laut Axios ist Claude von Anthropic gegenwärtig das einzige KI-Modell, das in den geheimen und abgeschirmten Systemen des Pentagon benutzt werden darf. Die Angestellten dort würden die Leistungsfähigkeit der Technik „in höchsten Tönen“ loben. Erst am Wochenende hat das Wall Street Journal berichtet, dass Claude sogar bei der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro eine Rolle gespielt hat, ohne dazu aber Details zu nennen. Claude sei den Modellen der Konkurrenz weit voraus, schreibt Axios noch. Anthropic sieht sich deshalb offenbar in einer guten Verhandlungsposition, wenn es darum geht, wie das Militär insgesamt die KI benutzen kann. Anthropics CEO Dario Amodei nehme die Angelegenheit „sehr ernst“, sei aber ein Pragmatiker.

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Anthropic ist eines von vier KI-Unternehmen, denen das Pentagon im Sommer jeweils bis zu 200 Millionen US-Dollar für die Entwicklung agentischer KI-Arbeitsabläufe zugesagt hat. Diesen Vertrag drohe das US-Verteidigungsministerium nun zu kippen, schreibt Axios. Das wäre für Anthropic deutlich weniger problematisch als die angedrohte Sanktionierung. Sollte das Pentagon Unternehmen tatsächlich vor die Wahl stellen, entweder mit dem US-Militär oder mit Anthropic Geschäfte machen zu können, wäre die Entscheidung wahrscheinlich nicht schwer. Gleichzeitig gesteht die Quelle von Axios aber ein, dass es enorm mühsam sein würde, Anthropics Technik aus den Systemen zu entfernen: „Wir werden sie dafür bezahlen lassen, dass sie uns so unter Druck setzen“.

(mho)