Cyborg-Tauben: Russisches Startup testet Fernsteuerung per Gehirn-Chip

Das russische Startup Neiry will Tauben ĂĽber ein Gehirnimplantat fernsteuern. Die Firma sieht zivile Anwendungen, Experten warnen vor anderen Einsatzfeldern.

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Mit einem Gehirn-Chip ausgestattet Tiere, die sich durch Impulse fernsteuern lassen, sind in der Forschung nicht neu.

(Bild: Neiry Group)

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Eine kleine Solarzelle auf dem Rücken, eine Kamera vor der Brust, ein kleiner Controller und ein Stimulator auf dem Kopf – das ist die besondere Ausstattung der Tauben des russischen Start-ups Neiry Group. Was nicht sichtbar ist, ist ein Gehirnimplantat, das mit dem Stimulator verbunden ist. Nach dem Plan von Neiry lassen sich die Tiere somit durch „sanfte Anregung“ bestimmter Gehirnareale gezielt in eine Flugrichtung steuern.

Erste Flugtests habe man laut einer Firmenmitteilung bereits durchgefĂĽhrt. Den Einsatz dieser fernsteuerbaren Cyborg-Tauben unter dem Projektnamen PJN-1 sieht die Firma nach Eigendarstellung ausschlieĂźlich in zivilen Anwendungen, etwa zur Inspektion von Infrastruktur oder zur Ăśberwachung von KĂĽsten und Landschaften.

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Die Cyborg-Tauben sollen die Nachteile herkömmlicher Drohnen wettmachen. So können Tauben beispielsweise bis zu 400 Kilometer ohne Stopp pro Tag zurücklegen. Ihnen machen auch raue Wetterlagen nichts aus. Zudem können sie problemlos auch auf uneinsichtbarem Terrain navigieren.

Nach dem Einsetzen der Elektroden ins Gehirn seien die Tiere schnell einsatzfähig und abgesehen von der Richtungssteuerung verhielten sich die Tauben natürlich, lässt das Unternehmen wissen. Inwiefern das System bioethisch vertretbar ist, steht auf einem anderen Blatt. Externe Experten haben die Entwicklung mit ihren ethischen Implikationen noch nicht begutachtet.

Mit einem Gehirn-Chip ausgestattete Tiere, die sich durch Impulse fernsteuern lassen, sind in der Forschung nicht neu. So hatten etwa chinesische Wissenschaftler Ratten mit Elektroden im Hirn per Computer gesteuert durch ein Labyrinth geschickt. Aber auch Untersuchungen mit Käfern gab es bereits. Wissenschaftler in Singapur hatten 2024 gleich eine Gruppe von 20 Cyborg-Kakerlaken als einheitliche Gruppe über sandiges Terrain geschickt.

Getoppt wurde die Entwicklung von einem Roboter, der ferngesteuerte Schaben gewissermaßen am Fließband „bauen“ kann. So ausgestattete Krabbeltiere können nach Naturkatastrophen helfen, verschüttete Menschen zu finden.

Bei Neiry sind zunächst noch Einzeltiere im Test. Doch der CEO Alexander Panov denkt bereits weiter. Demnach könnten auch andere Tiere in Betracht kommen, die größere Lasten tragen können. So wird Panov in einem Bericht in The Telegraph mit den Optionen Raben und Möwen zitiert. Das Unternehmen ist aber breiter aufgestellt und arbeitet an verschiedenen invasiven und non-invasiven neurologischen Entwicklungen.

Auch wenn Neiry die zivilen Anwendungen im Blick hat, warnen Experten, dass solche Systeme auch für andere Zwecke, etwa zur Überwachung oder für militärische Einsätze, genutzt werden könnten. Der Bericht in The Telegraph macht außerdem auf Investmentfirmen bei Neiry aufmerksam, die mit russischen Staatsfonds verbunden sind.

Dieser Beitrag ist zuerst auf t3n.de erschienen.

(jle)