Trusted Tech Alliance: Echte Transparenz oder Souveränitäts-Washing?

Mit der Trusted Tech Alliance wollen 16 internationale Technologiekonzerne vertrauenswürdige Standards etablieren. Jedoch dominieren auch hier US-Konzerne.

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Wolke mit US-Flagge, Wolke mit Servern, EU-Sterne im Hintergrund, Lupe, zwei Personen, grüner Hintergrund

(Bild: heise medien)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

16 Technologieunternehmen aus vier Kontinenten haben die Trusted Tech Alliance (TTA) gegründet. In der Selbstdarstellung wollen die Mitglieder gemeinsame Prinzipien für einen vertrauenswürdigen Technologie-Stack etablieren – von der Netzwerkanbindung über Cloud-Infrastruktur und Halbleiter bis hin zu Software und künstlicher Intelligenz.

Zu den Gründungsmitgliedern zählen neben Microsoft auch Amazon Web Services, Google Cloud, SAP, Anthropic, Cohere, Ericsson, Nokia, NTT, ASML, Rapidus, Hanwha, Jio Platforms, Cassava Technologies, Saab und Nscale. Die Allianz deckt damit Nordamerika, Europa, Asien und Afrika ab. Allerdings ist SAP das einzige deutsche Unternehmen unter den Gründern. ASML wurde nach ursprünglich 15 Mitgliedern am 16. Februar per Update zur Liste hinzugefügt.

Die Mitglieder der TTA haben sich auf fünf zentrale Grundsätze verständigt. Erstens sollen transparente Unternehmensführung und ethisches Verhalten gewährleistet werden. Zweitens verpflichten sich die Teilnehmer zu operativer Transparenz, sicherer Entwicklung über den gesamten Produktlebenszyklus und unabhängiger Überprüfung. Drittens wird eine robuste Überwachung der Lieferkette gefordert, bei der Zulieferer vertraglich zu Sicherheits- und Qualitätsstandards verpflichtet werden.

Viertens wolle man ein offenes, kooperatives und widerstandsfähiges digitales Ökosystem fördern, das Innovation ermöglicht. Fünftens verpflichten sich die Mitglieder zur Achtung der Rechtsstaatlichkeit und des Datenschutzes. Diese Prinzipien sollen unabhängig von der Nationalität des Anbieters gelten. Ein Überblick dieser Grundsätze findet sich in der Ankündigung der TTA bei Microsoft.

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Brad Smith, Vice Chair und President von Microsoft, betonte in der Ankündigung: „In der aktuellen geopolitischen Lage ist es entscheidend, dass gleichgesinnte Unternehmen zusammenarbeiten, um Sicherheit zu schützen und hohe globale Standards voranzutreiben, die Vertrauen in Technologie über Grenzen hinweg erhalten. Basierend nicht auf der Nationalität des Anbieters, sondern auf gemeinsamen Verpflichtungen gegenüber Kunden.“ Auch SAP-Vorstand Dominik Asam äußerte sich: „Vertrauen und globale Technologie-Kooperation bleiben wesentlich. Bei SAP sind wir verpflichtet, eine vertrauenswürdige und verlässliche Umgebung durch offene Ökosysteme, transparente Sicherheitsstandards und verantwortungsvolle Innovation zu fördern.“

Die Allianz plant, ihre Community zu erweitern und weitere „gleichgesinnte Anbieter“ aufzunehmen, die sich an überprüfbare Prinzipien halten. Ziel sei es, nationale und internationale Bemühungen um digitale Souveränität und Resilienz zu unterstützen. Die TTA verspricht außerdem, Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze durch vertrauenswürdige Technologie voranzutreiben.

Bei aller verkündeten Offenheit bleibt eine kritische Betrachtung angebracht. Ein erheblicher Teil der Gründungsmitglieder – darunter Microsoft, Amazon, Google und Anthropic – stammt aus den USA. Diese Konzerne unterliegen dem US Cloud Act, der amerikanischen Behörden weitreichende Zugriffsmöglichkeiten auf Daten ermöglicht, unabhängig davon, wo diese gespeichert sind. Die Trusted Tech Alliance mag zwar versprechen, Prinzipien „unabhängig von der Nationalität“ anzuwenden, doch rechtliche Rahmenbedingungen lassen sich nicht durch freiwillige Selbstverpflichtungen umgehen.

Europäische Initiativen wie die EuroStack Foundation oder Projekte zur digitalen Souveränität wie die Kooperation von BSI und Schwarz Digits verfolgen einen anderen Ansatz: Sie setzen auf Unabhängigkeit von US-Hyperscalern. Das EU-Parlament fordert seit Längerem eine Loslösung von amerikanischen Tech-Riesen, und die OSB Alliance warnt vor „Souveränitäts-Washing“ bei staatlichen Plattformen. Vor diesem Hintergrund wirkt die TTA eher wie eine Reaktion auf wachsenden Druck – auch angesichts der Forderung des US-Cyberchefs nach einer Tech-Allianz zwischen USA und Europa.

(fo)