Speicherkrise: Phison-Chef sieht Hersteller noch 2026 vor dem Aus

Sollte die aktuelle Entwicklung anhalten, könnte sich die Speicherkrise bis ins Jahr 2030 oder sogar darüber hinaus ziehen.

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Schwarze RAM-Riegel in einem Mainboard

(Bild: heise medien)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Immer mehr Hersteller stellen sich offenbar auf eine anhaltende Speicherknappheit ein. Der Phison-Chef Khein-Seng Pua glaubt, dass dadurch schon 2026 diverse kleine Hersteller zusammenbrechen könnten.

Phison ist ein Schwergewicht in der SSD-Branche mit guten Kontakten: Die Firma stellt zum einen Controller her, zum anderen aber auch ganze SSDs, die Unternehmen unter eigener Marke verkaufen. Die Aussagen des Chefs in einem gut einstündigen Video haben daher Substanz. Das Gespräch ist auf Chinesisch; ein X-Account hat zahlreiche Stellen geteilt. Die maschinellen Übersetzungen in dieser Meldung haben wir uns von einem Muttersprachler bestätigen lassen.

Demnach könnte das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bei Speicherchips laut Phisons internen Prognosen bis mindestens 2030 anhalten. Das würde bedeuten: Speicher bleibt noch einige Jahre knapp und Hersteller können Preise diktieren. Bei Arbeitsspeicher (DRAM) konzentriert sich die Marktmacht auf drei Hersteller: Samsung, SK Hynix und Micron. Sie machen über 90 Prozent der weltweiten DRAM-Produktion aus. Bei NAND-Flash, unter anderem für SSDs, gibt es ein paar weitere Hersteller wie Kioxia und Sandisk.

Die Speicherkrise hat inzwischen fast alle Speichertypen erreicht: von DDR5-Riegeln in Desktop-PCs über LPDDR5X für Notebooks und Smartphones bis hin zu SSDs und HDDs.

Insbesondere kleine Hersteller haben zwei Probleme. Zum einen kommen sie immer schwieriger überhaupt an Speicher. Zum anderen haben sich laut Phison-Chef die Bezahlmodelle gewandelt. Früher konnten Abnehmer zum Beispiel Speicherbausteine bezahlen, nachdem sie diese auf SSDs gelötet und dann verkauft haben. Jetzt sollen Abnehmer die Chips im Voraus bezahlen, teilweise mit dreijährigen Rahmenverträgen. Hat ein Hersteller dafür kein Eigenkapital, geht er vermutlich pleite.

Die Diskrepanz zwischen SSD-Herstellern mit und ohne eigene Speicherproduktion zeigt sich bereits im deutschen Handel. Bei Samsung sind Preissteigerungen von etwa 50 Prozent bei Modellen mit bis zu 2 TByte Kapazität zu beobachten. Bei Kingston, Lexar und Patriot ohne eigene Speicherbausteine sind die Preise dagegen teilweise um den Faktor 3 hochgeschossen.

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Die Engpässe treffen früher oder später alle Geräte. Pua rechnet vor, dass 8 GByte eingebetteter Flash-Speicher (eMMC) im Jahr 2025 noch 1,50 US-Dollar kostete. Inzwischen soll so ein Baustein bei 20 US-Dollar angekommen sein. Speziell zertifizierte Typen sind noch teurer; Autohersteller etwa zahlen demnach 30 US-Dollar.

Pua erwartet, dass Elektronikhersteller die Produktion vieler Gerätetypen reduzieren werden. Konkret geht er von jährlich 200 Millionen bis 250 Millionen weniger Smartphones aus, was rund 15 bis 20 Prozent der weltweiten Produktion entspräche. Auch bei PCs (einschließlich Notebooks) und Fernsehern erwartet der Phison-Chef erhebliche Einbußen.

Grund für die Speicherkrise ist die gewaltige Nachfrage durch Hyperscaler für ihre KI-Rechenzentren. Das Konzept Angebot und Nachfrage funktioniert nicht mehr: Normalerweise würde durch die hohen Preise die Nachfrage sinken, wodurch sich die Preise wieder einpendeln müssten. Jetzt kaufen Hyperscaler jedoch alles auf, was verfügbar ist, unabhängig von den Kosten.

Aufgrund bisheriger sogenannter Schweinezyklen sind Speicherhersteller beim Produktionsausbau zögerlich. Zuletzt zeigte sich so ein Umschwung im Jahr 2023: Die hohe Nachfrage durch die Coronapandemie brach schlagartig ein, was zu Milliardenverlusten führte. Samsung, SK Hynix und Micron haben mit der DRAM-Produktion Verluste erwirtschaftet.

Die Speicherproduktion in neuen Halbleiterwerken soll gegen Ende 2027 anlaufen. Allerdings ist fraglich, ob die Kapazitätssteigerung reicht, um die aktuelle Situation nennenswert zu verbessern. Diverse Chipfertiger und Hardware-Hersteller glauben nicht, dass die KI-Blase in den nächsten Jahren platzen wird.

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