Bitcoin als Zahlungsmittel für Touristen: Kein Interesse im Königreich Bhutan
Wer das abgelegene Königreich Bhutan besucht, kann zumeist in Bitcoin bezahlen. Das Interesse daran ist aber minimal, zeigen Beobachtungen nach fast einem Jahr.
(Bild: Khanthachai C/Shutterstock,com)
Neun Monate nachdem das Königreich Bhutan im Himalaja ein System eingeführt hat, über das Touristen und Touristinnen in Bitcoin und anderen Kryptowährungen bezahlen können, ist das Interesse weiterhin minimal. Das hat das Onlinemagazin Rest of World ermittelt, das dafür mit Menschen in dem abgelegenen Land gesprochen hat. In einem Geschäft in der Hauptstadt Thimphu wurde seitdem nicht ein einziger Einkauf mit Kryptogeld bezahlt, in einem Café habe man einige wenige Bezahlvorgänge abgewickelt. Ähnliche Beobachtungen wurden auch schon vorher gemacht. Ursprünglich vorgestellte Pläne, die Bezahlmöglichkeit auch auf andere Wirtschaftssektoren auszuweiten, seien nicht signifikant vorangetrieben worden, zitiert das Magazin einen Experten.
Auszahlung in lokaler Währung
Bhutan hatte die Bezahlmöglichkeit, die auf Technik der Kryptogeldbörse Binance basiert, voriges Jahr im Mai eingeführt. Mit Bitcoin oder mehr als 100 anderen Kryptowährungen können seitdem Flüge, Hotels, Restaurantbesuche, Handarbeiten und Souvenirs sowie sogar das Visum bezahlt werden, erklärt Rest of World. Dafür gibt es jeweils einen QR-Code, über den die Bezahlung beauftragt werden kann. Das Kryptogeld soll die Transaktionen hauptsächlich für ausländische Besucher und Besucherinnen vereinfachen, die Händler bekommen den Betrag direkt in der Landeswährung Ngultrum gutgeschrieben. Das soll das Risiko, etwa durch die teils massiven Wertschwankungen, verringern.
Touristen wüssten aber oft nicht einmal, dass die Bezahlung in Bitcoin & Co. überhaupt eine Option ist, zitiert das Magazin Menschen vor Ort. Es ist aber unklar, wie viele Gäste überhaupt selbst über Kryptogeld verfügen – und damit bezahlen würden. Bhutans Führung investiert derweil schon seit Jahren in Kryptogeld: Das Land erzeugt viel Wasserkraft, mit der Mining-Farmen betrieben werden. Zuletzt hat das Land Bitcoin im Wert von mehr als 100 Millionen US-Dollar verkauft, die verbleibende Reserve ist fast 400 Millionen US-Dollar wert. Gleichzeitig hat das abgelegene Land mit rund 800.000 Einwohnern und einem Bruttoinlandsprodukt von etwa drei Milliarden US-Dollar laut der Tagesschau nur etwa 300.000 Besucher pro Jahr. Die hätten früher oft darüber geklagt, dass es schwierig sei, dort zu bezahlen. Diese vormalige Unzufriedenheit hat der Bezahloption per Bitcoin aber auch nicht geholfen.
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Dass Bhutans Führung Kryptowährungen vorantreiben will, sei angesichts der großen eigenen Reserven nicht überraschend, zitiert Rest of World Experten und Menschen vor Ort. Dabei würde aber ignoriert, dass die häufigen Stromausfälle und die geringe Alphabetisierungsrate große Hindernisse seien. Wer nicht lesen kann, kann auch nicht digital bezahlen. Um eine wirklich breite Akzeptanz zu erreichen, müsste das Kryptogeld auch in viel mehr Geschäften akzeptiert werden, also nicht nur dort, wo Touristen einkaufen. Weil das Land selbst Bitcoin schürft und kein Risiko für die Händler und Händlerinnen besteht, dürfte das Experiment aber zumindest nicht so enden wie in El Salvador oder in der Zentralafrikanischen Republik. Dort ist der Bitcoin kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr.
(mho)