Neue durch tektonische Aktivitäten entstandene Strukturen auf dem Mond entdeckt

Forscher haben Strukturen in den Mondmaren untersucht, die auf Erdbeben hinweisen. Diese könnten auch bemannte Missionen treffen.

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Vollmond

(Bild: Werner Pluta / heise medien)

Lesezeit: 2 Min.

Der Mond hat keine Plattentektonik wie die Erde. Dennoch bebt es auf dem Mond, wie auch Messungen der Apollo-Missionen zeigten. Wissenschaftler vom Center for Earth and Planetary Studies der Smithsonian Institution haben die erste Karte von Strukturen auf dem Mond erstellt, die durch tektonische Aktivität entstanden sind. Das kann auch Auswirkungen auf künftige bemannte Mondmissionen haben.

Der Grund für die tektonischen Aktivitäten auf dem Mond ist, dass dieser abkühlt und deshalb schrumpft. Das wurde erst 2010 entdeckt. Das Schrumpfen führt zu Spannungen in der Mondkruste, durch die bestimmte charakteristische Landschaftsformen entstehen.

Das sind im lunaren Hochland gelappte Steilhänge, die entstehen, wenn die Kruste komprimiert und dabei Gestein entlang einer Verwerfung nach oben gedrückt wird. In den Maren weisen kleine Rücken, sogenannte Small Mare Ridges (SMRs), auf die tektonischen Aktivitäten hin. Sie entstehen auf die gleiche Weise wie die Steilhänge im Hochland.

Auch die SMRs sind eine relativ neue Entdeckung. Das Smithsonian-Team um Cole Nypaver hat auf der sichtbaren Seite des Mondes nach SMRs gesucht und dabei 1.114 neue entdeckt. Insgesamt sind jetzt 2.634 bekannt, wie das Team in der Fachzeitschrift The Planetary Science Journal schreibt. Diese sind im Schnitt 124 Millionen Jahre alt und gehören damit zusammen mit den Steilhängen, die im Schnitt 105 Millionen Jahre alt sind, zu den jüngsten geologischen Merkmalen auf dem Mond.

Die Steilhänge im lunaren Hochland seien seit der Apollo-Ära bekannt, sagte Erstautor Nypaver_blank. Die neue Arbeit dokumentiere erstmals, dass ähnliche Merkmale auch in den Maren weit verbreitet seien. „Mit dieser Arbeit gewinnen wir eine vollständige Perspektive auf die jüngste tektonische Aktivität auf dem Mond, was zu einem besseren Verständnis seines Inneren und seiner thermischen und seismischen Geschichte sowie des Potenzials für zukünftige Mondbeben führt.“

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Ein besseres Verständnis für die Tektonik auf dem Mond sei auch für bemannte Missionen und eine mögliche Besiedelung relevant, sagt Nypaver: „Anstehende Monderkundungsprogramme wie Artemis werden eine Fülle neuer Informationen über unseren Mond liefern. Ein besseres Verständnis der Mondtektonik und der seismischen Aktivität wird sich direkt auf die Sicherheit und den wissenschaftlichen Erfolg dieser und zukünftiger Missionen auswirken.“

(wpl)