Angst vor Vertrauensverlust: Perplexity verzichtet auf Werbung

Während der Konkurrent OpenAI in ChatGPT Werbung testet, schafft Perplexity in seinem Chatbot Anzeigen wieder ab. Diese untergrüben das Vertrauen der Nutzer.

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Verschiedene Icons von Chatbot-Anwendungen auf einem iOS-Gerät

(Bild: Tada Images/Shutterstock)

Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Andreas Knobloch

Aus Angst vor einem Vertrauensverlust der Nutzer hat das KI-Start-up Perplexity auf Werbung verzichtet, während Konkurrenten wie OpenAI mit seinem KI-Chatbot ChatGPT den umgekehrten Weg einschlagen und Werbung testen. Das berichtet die Tageszeitung Financial Times.

Perplexity war dem Bericht zufolge eines der ersten Unternehmen auf dem Gebiet der generativen künstlichen Intelligenz (KI), das 2024 Werbung einführte und testweise gesponserte Antworten unter den Antworten seines Chatbots anzeigte. Die Werbeanzeigen waren gekennzeichnet, und Perplexity erklärte, dass sie keinen Einfluss auf die Antworten des Chatbots hätten. Das im Jahr 2022 gegründete Unternehmen mit Sitz in San Francisco begann jedoch Ende vergangenen Jahres, die Werbung schrittweise wieder abzuschaffen.

Am Dienstag erklärten Führungskräfte von Perplexity gegenüber der Financial Times, dass es keine Pläne gebe, den Einsatz von Werbung weiter zu verfolgen. „Ein Nutzer muss davon überzeugt sein, dass dies die bestmögliche Antwort ist, damit er das Produkt weiterhin nutzt und bereit ist, dafür zu bezahlen“, so eine nicht namentlich genannte Führungskraft des Unternehmens. „Die Herausforderung bei Anzeigen besteht darin, dass ein Nutzer anfängt, alles anzuzweifeln … Deshalb halten wir es derzeit nicht für sinnvoll, uns darauf zu konzentrieren.“ Man arbeitete in erster Linie daran, die Richtigkeit der Antworten des hauseigenen Chatbots sicherzustellen.

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Laut Financial Times erzielt Perplexity den Großteil seiner Einnahmen aus kostenpflichtigen Abonnements. Das Unternehmen bietet sowohl kostenlose Funktionen als auch Bezahldienste an, die sich zwischen 20 und 200 US-Dollar pro Monat bewegen. Nach eigenen Angaben nutzen mehr als 100 Millionen Menschen PerplexityAI; das mit 18 Milliarden US-Dollar bewertete Unternehmen erzielt einen Jahresumsatz von 200 Millionen US-Dollar.

Einige Konkurrenten von Perplexity wählen derzeit eine entgegengesetzte Strategie. So führte OpenAI in den Vereinigten Staaten erstmals Werbung in ChatGPT ein. In einer Testphase beschränken sich die Anzeigen auf die Gratisversion von ChatGPT sowie die günstigste Bezahlvariante ChatGPT Go, die im Januar weltweit eingeführt wurde. Das Unternehmen betont, dass die Antworten von ChatGPT nicht von den Sponsoren beeinflusst werden. Der Druck aufgrund wachsender Konkurrenz und von Verlusten in Milliardenhöhe scheinen den Schritt begünstigt zu haben. OpenAI selbst führt wirtschaftliche Notwendigkeit ins Feld und argumentiert, dass der stabile Betrieb von Gratis- und Go-Version immense Summen für die Infrastruktur verschlinge.

Auch Google schaltet im KI-Modus sowie in seinen KI-Übersichten, die Zusammenfassungen der traditionellen Suche enthalten, Werbeanzeigen. Doch Googles DeepMind-CEO Demis Hassabis erklärte erst in der vergangenen Woche in einem Interview, dass in Googles KI-Chatbot und -Assistent Gemini keine Werbung einziehen wird. Anthropic wiederum betätigte kürzlich, seinen Chatbot Claude werbefrei zu halten.

(akn)