Studien: Homeoffice macht produktiver und Büropräsenz kein Innovationsgarant

Forschungsergebnisse zeigen: Mit der richtigen Balance kann Homeoffice für mehr Produktivität sorgen. Und Büropräsenz allein macht nicht innovativ.

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Mann im Home Office mit Kleinkind auf dem Schoß

(Bild: Jelena Zelen/shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, kann die Produktivität im Vergleich zur reinen Büropräsenz um rund 20 Prozent steigern, wie eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO sowie der Techniker Krankenkasse (TK) nahelegt. Allerdings kommt es auf die richtige Balance zwischen Homeoffice und Präsenz an: Bei zu viel Homeoffice werde ein Kipp-Punkt erreicht, der die Produktivität sinken lasse. Dieser Kipp-Punkt beginnt laut der Studie ab einem Homeoffice-Anteil von etwa 60 Prozent.

„Wir konnten sehen, dass die Produktivitätsvorteile durch das Homeoffice nur bis zu einem bestimmten Punkt bestehen“, erklärte Studienleiterin Josephine Hofmann. Über den Kipp-Punkt hinaus werde einfach zu wenig Zeit gemeinsam in Präsenz verbracht, womit dann der notwendige fachliche und soziale Austausch verloren gehe. Außerdem fehlten so oft Informationen, die für die produktive Arbeit im Homeoffice benötigt werden. Je weniger Mitarbeitende ins Büro kommen, desto mehr verstärke sich der Effekt. Präsenzzeit sollte entsprechend genutzt werden, um „soziale Erosionsprozesse“ zwischen den räumlich getrennt Arbeitenden zu verhindern.

Für die Studie wurden den Angaben nach über einen Zeitraum von zwei Jahren alle Teams in der TK mit Sachbearbeitertätigkeit und Kundenkontakt betrachtet, was rund 11.000 Angestellte umfasste. Maßstab der Produktivität war die Anzahl der bearbeiteten Kundenanliegen und der Kundentelefonate. „Wir sehen, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für konzentrierte Arbeiten das Homeoffice bevorzugen, fachlicher Austausch und Zusammenarbeit funktionieren aber nach wie vor im persönlichen Kontakt am besten“, kommentierte TK-Vorstandsmitglied Karen Walkenhorst das Ergebnis. Für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Minimierung von Stress sei Homeoffice laut Mitarbeiterbefragungen ebenfalls von Vorteil.

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Eine weitere Studie des Fraunhofer IAO entkräftet das häufig in der Debatte um Homeoffice zu vernehmende Argument, schiere Büropräsenz sei ein zentraler Faktor für die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens. Innovation könne sehr wohl ortsunabhängig entstehen, zwischen Präsenz und Innovationsfähigkeit bestehe vielmehr kein direkter linearer Zusammenhang, lauten Ergebnisse des Forschungsteams.

Die Studie fußt auf Erhebungen mit 2000 Personen, bei denen die Forscher Angestellte mit Innovationsanforderung in Untergruppen unterteilt haben – je nach Innovationsleistung sowie höherer oder geringerer Büropräsenz. Dabei hätten sowohl Gruppen mit höherer als auch mit geringerer Büropräsenz unterschiedliche Kreativität und Innovationswerte gezeigt.

Die besten Werte erreichte eine Gruppe mit durchschnittlicher Büropräsenz von 36 Prozent sowie 49 Prozent im Homeoffice und 15 Prozent von unterwegs. Die niedrigsten Werte habe eine Gruppe mit hoher Büropräsenz von 71 Prozent erzielt. Zugleich habe aber auch eine Gruppe mit Büropräsenz von im Schnitt 82 Prozent hohe Innovationswerte erzielt.

Der Unterschied bei den Gruppen mit viel Präsenz: Die Gruppe mit hoher Leistung bewertete die Büroflächen als besonders förderlich für kreative Zusammenarbeit und bereichsübergreifende Treffen; die Gruppe mit niedriger Leistung habe die Büros für diese Zwecke allenfalls „moderat positiv“ eingestuft. Daraus folgert das Forschungsteam, dass Unternehmen, die Innovationsgeist vor Ort wollen, auch den Arbeitsort entsprechend gestalten müssen. Einfach nur ins Büro zurückrufen, reicht nicht. Ebenfalls spielten laut der Studie noch klassisch weiche Faktoren wie abwechslungsreiche Tätigkeiten und Spaß an der Arbeit eine Rolle für Innovationsfähigkeit.

(axk)