„Kriminalität auf Null reduzieren“: Ring-Kameras sollten nie nur Hunde finden

KI-gestützt sollen Ring-Kameras in der Nachbarschaft nach verlorenen Hunden suchen. Eine interne E-Mail scheint nun zu bestätigen, dass das nur der Anfang ist.

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Foto aus der Perspektive einer Türklingel, mit grünem Rahmen ist ein vorbeilaufender Hund markiert

Ausschnitt aus der Super-Bowl-Werbung

(Bild: Amazon Ring)

Lesezeit: 3 Min.

Die beim Super Bowl beworbene und danach heftig kritisierte Funktion „Search Party“ für Türkameras von Ring sollte tatsächlich nicht auf die KI-gestützte Suche nach verloren gegangenen Hunden beschränkt bleiben. Darauf weist eine E-Mail von Ring-Chef Jamie Siminoff hin, die das US-Technikmagazin 404 Media jetzt öffentlich gemacht hat. Schon Anfang Oktober hat der umstrittene Firmenchef darin geschrieben, mit Search Party – „zunächst für Hunde“ – schaffe die Firma die Grundlage für eine der wichtigsten Technologien, deren Wirkung deutlich darüber hinaus gehen werde: „Man kann sich jetzt eine Zukunft vorstellen, in der wir die Kriminalität in Nachbarschaften auf Null reduzieren können.“ Die Echtheit des Texts hat Ring bereits bestätigt.

Bei „Search Party“ (Englisch für „Suchtrupp“) können Hundebesitzer und -besitzerinnen ihre verloren gegangenen Haustiere melden und eine KI-gestützte Suche über alle Ring-Kameras in der Nachbarschaft veranlassen. Läuft das gesuchte Tier durch das Sichtfeld eines dieser Geräte, soll man automatisch darauf hingewiesen werden, um es zurückholen zu können. In den USA wurde die Werbung dafür von vielen Menschen als dystopisch bezeichnet. 404 Media hatte darauf verwiesen, dass es keine besondere Vorstellungskraft bräuchte, um sich vorzustellen, dass die Funktion „gegen mutmaßliche Straftäter, Einwanderer ohne Papiere oder Personen, die Anwohner als ‚verdächtig’ einstufen, eingesetzt werden könnte“. Genau das scheint Siminoffs schon vorher geschriebene E-Mail zu bestätigen.

Gegenüber The Verge hat Ring die Echtheit der E-Mail inzwischen bestätigt und erklärt, das Unternehmen würde sich darauf konzentrieren, den Besitzern und Besitzerinnen der Kamera „wichtige Informationen über kritische Ereignisse in ihrer Nachbarschaft“ zu liefern. Damit könnten diese entscheiden, ob und wie sie ihrer Gemeinschaft helfen. Als Beispiele hat sie demnach eben jene verlorenen Haustiere und „einen Brand in der Nähe“ genannt. Von Kriminalität ist in ihrer Antwort aber keine Rede. Stattdessen verweist sie noch auf die ebenfalls umstrittene Funktion „Community Request“, bei der Strafverfolgungsbehörden Aufnahmen aus einem bestimmten Gebiet einfordern können.

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Wegen solcher Kooperationen mit Strafverfolgungsbehörden stand Ring schon öfter in der Kritik. Die hängen eng mit der Person Jamie Siminoff zusammen, der Ring gegründet hat. Unter seiner Regie wurde der Polizei erstmals ermöglicht, einen direkten Zugriff auf Kameraaufnahmen zu bekommen. Während einer zweijährigen Abwesenheit Siminoffs wurde das zurückgefahren. Nach seiner Rückkehr im vergangenen Jahr folgte die Kehrtwende. Seit Einheiten der US-Bundesregierung aber anscheinend wahllos Menschen festnehmen und dafür auch auf moderne Überwachungstechnik zurückgreifen, hat sich die Stimmung in den USA gedreht. Ring wurde vor acht Jahren von Amazon übernommen und ist seitdem eine 100-prozentige Tochter des Onlinehändlers.

(mho)