Deutsche Laser-Drohnenabwehr: Inleap Photonics setzt auf Präzision und Mobilität

Inleap Photonics adaptiert seine industrielle Laserstrahllenkung für Verteidigungszwecke und sieht darin technische Vorteile gegenüber bestehenden Ansätzen.

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Kompaktes Laserabwehrmodul mit mehreren Sensoroptiken und großer Strahlaustrittsöffnung.

Der Prototyp des „Inleap Fastlight Shield“ genannten Laser-Drohnenabwehrsystems.

(Bild: Inleap Photonics.)

Lesezeit: 4 Min.

Das deutsche Start-up Inleap Photonics hat einen Prototyp seines „Inleap Fastlight Shield“ genannten Systems zur laserbasierten Drohnenabwehr erfolgreich getestet und eine Pre-Seed-Finanzierung bekannt gegeben. Die Finanzierungsrunde erfolgte unter Führung des High-Tech Gründerfonds (HTGF) sowie weiterer Investoren. Zur Höhe der Investition machte das Unternehmen keine Angaben.

Das Inleap Photonics spezialisierte sich ursprünglich auf industrielle Laser-Anwendungen. Es entwickelte eine Laserstrahlführung, die um ein Vielfaches schneller als bestehende Systeme sein soll und damit Fertigungsprozesse, etwa in der Batteriezellenproduktion, effizienter macht.

Angesichts der wachsenden Bedrohung durch Drohnen hat das Unternehmen sein Portfolio in Richtung Verteidigung erweitert und entwickelt ein System zur laserbasierten Abwehr von Kleindrohnen der Klassen UAS Typ 1 und 2 (UAS steht für „Unmanned Aircraft System“). Diese haben im Ukraine-Krieg eine zentrale Rolle entwickelt, da sie eine permanente Aufklärung des Gefechtsfelds ermöglichen und die Zeit zwischen Zielerfassung und Bekämpfung erheblich verkürzen.

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Darüber hinaus stellen diese Kleindrohnen ein wachsendes Risiko für zivile und kritische Infrastruktur dar, da sie kostengünstig verfügbar und mit geringem Aufwand einsetzbar sind. Energieanlagen, Flughäfen oder Industriekomplexe lassen sich aus der Distanz ausspähen oder mit improvisierten Sprengladungen angreifen. Der geringe Preis, die kleine Baugröße und die niedrige Flughöhe erschweren die Abwehr mit konventionellen Mitteln oder machen diese wirtschaftlich ineffizient.

Laserbasierte Systeme gelten als mögliche Alternative, da sie lediglich Strom statt ballistischer Munition verbrauchen, niedrige Kosten pro Abschuss versprechen und sich präzise auf kleine Flugobjekte richten lassen. In dicht bebauten urbanen Räumen könnten sie damit eine Ergänzung zu klassischen Flugabwehrsystemen sein – sofern freie Sicht besteht und das System ausreichend Wirkzeit hat.

Inleap Photonics wurde 2023 aus dem Laser Zentrum Hannover e. V. heraus gegründet. Das Start-up entwickelt eine Drohnenabwehr auf Basis seiner in der Industrie erprobten Technologie. Deren Kerninnovation liege in einer schnellen und präzisen Laserstrahllenkung mit extrem kleinem Fokusdurchmesser, sagt Mitgründer und CEO Marius Lammers. „Dadurch kann die Wirkung gezielt auf kritische Komponenten einer Drohne konzentriert werden, was sehr kurze Abfangzeiten ermöglicht und gleichzeitig die erforderliche Gesamtleistung reduziert.“

Der Prototyp in voller Größe.

(Bild: Inleap Photonics)

Durch die hohe Energiekonzentration am Zielpunkt liege die erforderliche Laser-Ausgangsleistung bei unter 10 Kilowatt. Konventionelle Laser-Abwehrsysteme gegen Drohnen arbeiten dagegen häufig im Bereich von etwa 50 bis 100 Kilowatt, um ausreichend Energie auf größere Distanzen einzubringen. Die Abwehrdistanz liegt, abhängig von Zielgröße und Umgebungsbedingungen, bei bis zu 3 Kilometern, sagt Lammers. Die Energiekosten pro Abschuss sollen unter einem Euro liegen. Ob sich das System am Ende rechnet, hängt jedoch von den Anschaffungskosten und der Einsatzhäufigkeit ab.

Auch in puncto Größe und Mobilität könnte die Laserabwehr von Inleap Photonics Vorteile bieten, da sie laut Lammers „europalettengroß“ sei und sich damit auch für temporäre Einsatzorte und mobile Schutzszenarien eigne. Für die Zielerfassung setzt das Start-up auf KI-gestützte Schwachstellenerkennung. Die Wirkung erfolge in unter einer Sekunde durch gezielte Bestrahlung. Dieser präzise und kontrollierte Ansatz unterscheidet sich Lammers zufolge von bestehenden Systemen, die häufig flächiger und weniger zielgerichtet wirkten.

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Auf seiner Webseite wirbt das Unternehmen mit einer 2.500-fach schnelleren Laserstrahllenkung und einer theoretischen Abwehrleistung von bis zu 300 Drohnen pro Minute. Die tatsächliche Wirksamkeit ist aber auch hier von Sichtbedingungen (Nebel, Rauch, Regen) und einer robusten Zielverfolgung abhängig.

Mit dem Kapital der Pre-Seed-Finanzierung möchte Inleap Photonics seine Infrastruktur ausbauen und den Übergang vom Prototypenbau zur Serienfertigung schaffen, sagt Lammers. Letztere soll nach aktuellen Plänen ab 2027 gewährleistet sein. Der Zeitplan hänge unter anderem von regulatorischen Vorgaben und Anforderungen potenzieller Kunden ab, sagt der CEO. Aus diesem Grund spricht das Start-up bewusst von einem „schrittweisen Markteintritt“.

Laserbasierte Drohnenabwehr wird international bereits erprobt, etwa mit Israels Iron Beam oder dem US-System DE-M-SHORAD. In Europa treiben Konsortien mit Industriepartnern wie Rheinmetall und Leonardo im Projekt TALOS-TWO eine eigene Lösung voran, die allerdings erst gegen Ende des Jahrzehnts verfügbar sein soll. Auch Großbritannien meldete mit DragonFire erfolgreiche Tests, während kommerzielle Anbieter wie EOS bereits Aufträge entgegennehmen.

(tobe)