Post zum Freitag: Windows zähmen, Hirnzellen rechnen lassen, Casio smart machen

Windows 11 braucht Datenschutz-Nachhilfe, KI-Start-ups boomen, Kultarmbanduhr wird smart. Dies und mehr in der Post zum Freitag.

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heise+ Update Volker Zota
Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Dr. Volker Zota

Kennen Sie das? Sie setzen Windows 11 frisch auf, freuen sich über den sauberen Desktop – und stellen dann fest, dass das Betriebssystem munter Daten nach Redmond funkt, als gäbe es kein Morgen. Diagnose- und Telemetriedaten, Nutzungsprofile, Werbe-IDs: In den Werkseinstellungen ist Microsoft erstaunlich neugierig. Zum Glück lässt sich das eindämmen, und zwar ohne Informatikstudium. Mein Kollege Jan Schüßler hat die wichtigsten Datenschutz-Handgriffe für Windows 11 zusammengetragen – eine Pflichtlektüre für alle, die nicht zwischen Totalüberwachung und Linux-Umstieg wählen möchten.

Doch Datenschutz ist nur ein Aspekt des Dauerprojekts Windows 11. Denn auch wer glaubt, sich nach der Installation gemütlich zurücklehnen zu können, hat die Rechnung ohne Microsoft gemacht: Die Bedienoberfläche ist eine permanente Baustelle, bei der sich Startmenü und Taskleiste gefühlt mit jedem Update verändern. Axel Vahldiek hat deshalb noch einmal eine umfassende Anleitung für die ersten Handgriffe nach dem Umstieg geschrieben. Denn der Umstieg fühlt sich bei Windows 11 ohnehin wie ein Dauerzustand an.

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Wer sich im Unternehmensumfeld fragt, ob man Microsoft-Dienste überhaupt noch ohne Cloud betreiben kann, dem sei gesagt: Ja, das geht. Der Eindruck eines Cloud-Zwangs täuscht, auch wenn Microsoft seine Azure-Welt natürlich intensiv bewirbt. Exchange, SharePoint, die Office-Apps – all das gibt es weiterhin für den Betrieb im eigenen Rechenzentrum. Wir haben einen Überblick über die On-Premises-Optionen bei Microsoft zusammengestellt, der gerade für Unternehmen in sensiblen Bereichen Gold wert sein dürfte. Allerdings: Am Subscription-Modell führt auch dort kein Weg mehr vorbei.

Apropos Infrastruktur – aber dieses Mal die dunkle Seite: Dass das Internet auch eine Schattenwelt hat, ist bekannt. Doch wie dreist manche Akteure dabei vorgehen, hat mich dann doch überrascht. Meine Kollegen Jan Mahn und Christopher Kunz haben in einer aufwendigen Recherche das Firmengeflecht hinter sogenannten Bulletproof-Hostern offengelegt. Das sind Anbieter, die ihre Kunden – darunter Betreiber von Malware-Infrastruktur und DDoS-Angreifer – gezielt vor Strafverfolgern abschirmen. Briefkastenfirmen in Amsterdam und London, ein Internetunternehmer aus Hamburg, ein Dienstleister in der Türkei: Was wie ein Krimi klingt, ist leider real. Besonders ernüchternd: Das RIPE NCC, zuständig für die Verwaltung von Internet-Ressourcen in Europa, macht es den Akteuren offenbar nicht besonders schwer.

Von der dunklen Seite des Netzes zu den hellen Köpfen der deutschen KI-Szene, denn auch die gibt es. Trotz aller Unkenrufe über die doch bestimmt bald platzende KI-Blase gedeiht die hiesige Start-up-Landschaft. Gleich drei deutsche KI-Firmen haben 2025 den begehrten Einhorn-Status erreicht – also eine Bewertung von über einer Milliarde Dollar. Andrea Trinkwalder beleuchtet in ihrem Artikel, wie sich deutsche KI-Start-ups zwischen Milliardeninvestitionen und Blasen-Angst behaupten. Besonders spannend: Firmen wie Black Forest Labs oder DeepL sind mit vergleichsweise bescheidenen Budgets erstaunlich konkurrenzfähig gegenüber den US-Giganten.

Und wo ich schon bei KI bin: Was wäre, wenn die Zukunft der künstlichen Intelligenz gar nicht in immer größeren Rechenzentren liegt, sondern in lebenden Hirnzellen? Klingt nach Science-Fiction, ist aber schon Realität – zumindest im Kleinen. Die Schweizer Firma FinalSpark züchtet Organoide aus menschlichen Neuronen, die sich als lernfähig erweisen und dabei einen Bruchteil der Energie klassischer KI-Systeme verbrauchen. In einem Test hat ein solches Organoid aus 10.000 Neuronen ein Videospiel schneller gelernt als ein herkömmliches KI-Modell. Arne Grävemeyer erklärt, warum lebende Hirnzellen das Energieproblem der KI lösen könnten – und warum man diese biologischen Computer bereits über ein Web-API mieten kann ... irgendwie faszinierend und gruselig zugleich.

Zum Schluss habe ich noch etwas fürs Handgelenk, aber sehr retro. Die Casio F-91W kennt vermutlich jeder: Diese kleine, unverwüstliche für knapp 20 Euro, die seit 1989 geschätzte 120 Millionen Mal über die Ladentheke ging. Smart war sie allerdings nie. Das ändert die Ollee Watch: Ein DIY-Bausatz für rund 50 Euro rüstet Bluetooth, Schrittzähler und Pulsmesser nach. Ob die Kult-Casio damit zur ernsthaften Konkurrenz für die Apple Watch wird? Nun ja, lesen Sie am besten selbst unseren Test der Ollee Watch – ich verrate nur so viel: Für das Feingefühl beim Einbau schadet es nicht, ruhige Hände zu haben.

Passend zur Retro-Uhr könnte ich eigentlich mal wieder meinen alten Telefunken-Miniverstärker MA2 einschalten. Den hatte ich mir vor Jahren bei eBay „neu“ gekauft, nachdem mein Exemplar aus Teenagerzeiten nach meinem Auszug im Elternhaus auf mysteriöse Weise verschwunden war. Der alles andere als lineare Klang bei gedrückter Loudness-Taste weckt bei jedem Ton Erinnerungen an diese Zeit.

Bevor ich einen vollständigen Retroflash bekomme, wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende und eine gute Lesezeit.

Ihr
Volker Zota
(Chefredaktion heise online)

(vza)