Gescheiterter Starliner-Flug von der NASA als besonders schwerwiegend eingestuft
Die NASA hat den gescheiterten bemannten Starliner-Flug zur ISS als schwerwiegenden Zwischenfall eingestuft. Das entspricht der Columbia-Katastrophe.
Die Starliner-Kapsel an der ISS
(Bild: NASA)
Der gescheiterte bemannte Flug von Boeings Starliner-Raumschiff zur ISS wurde von der NASA als einer der schwersten Zwischenfälle in der eigenen Geschichte eingestuft. Das hat die NASA jetzt publik gemacht und sich dabei ungewohnt selbstkritisch gezeigt. Zwar habe der US-Konzern das Raumschiff gebaut, aber die NASA habe es akzeptiert und damit zwei Menschen ins All geflogen, fasste NASA-Chef Jared Isaacman zusammen. Probleme habe es aber nicht nur mit der Technik gegeben, auch der Rückgriff auf zwei Hersteller habe sich auf operative Entscheidungen ausgewirkt, „insbesondere während und unmittelbar nach der Mission“. Diese Fehler werde man korrigieren, verspricht Isaacman.
Auf einer Stufe mit der Challenger-Katastrophe
Die NASA stuft den Vorfall „aufgrund des Verlusts der Manövrierfähigkeit des Raumschiffs beim Anflug der Besatzung auf die Raumstation und der damit verbundenen finanziellen Schäden“ offiziell als Zwischenfall vom Typ A ein. Das ist die höchste dafür vorhandene Kategorie, so wurden beispielsweise Apollo-1- sowie die Challenger- und die Columbia-Katastrophen eingestuft. Bei all diesen Unglücken kamen Menschen zu Tode, beim Starliner-Test nicht. „Obwohl es keine Verletzten gab und die Mission vor dem Andocken wieder unter Kontrolle gebracht wurde, bestätigt diese höchste Einstufung, dass das Potenzial für einen schwerwiegenden Zwischenfall bestand“, schreibt die NASA.
Mit dem Starliner waren im Juni 2024 die NASA-Astronautin Suni Williams und ihr Kollege Barry Wilmore zur ISS geflogen. Wegen technischer Probleme konnte das Raumschiff sie dann aber nicht zurückfliegen und musste leer zur Erde zurückkehren. Stattdessen schickte die NASA im September 2024 dann nur zwei Raumfahrer mit einer Crew Dragon des Boeing-Konkurrenten SpaceX zur ISS. Zwei Plätze an Bord blieben frei für Williams und Wilmore. Anders als oft behauptet, waren die beiden dort nicht gestrandet, sondern arbeiteten bis zum planmäßigen Rückflug ihrer Raumkapsel. Nach seiner Amtsübernahme hatte US-Präsident Donald Trump das Geschehen zum Politikum gemacht und seinem Vorgänger vorgeworfen, die beiden auf der ISS im Stich gelassen zu haben.
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Williams und Wilmore sind dann im vergangenen März zur Erde zurückgekehrt, einen Monat vorher hatte die NASA eine unabhängige Untersuchung in die Wege geleitet. Deren mehr als 300 Seiten langen Abschlussbericht hat die US-Weltraumagentur nun veröffentlicht. In einem Interview hatte Wilmore schon im vorigen Frühjahr eingestanden, dass die Probleme massiver waren als bis dahin bekannt. Vor dem Andockversuch konnte er das Raumschiff demnach nicht mehr richtig kontrollieren. Das hat dann zwar geklappt, aber trotzdem hat die NASA zumindest öffentlich eine Weile nicht ausgeschlossen, dass die Raumkapsel mit den beiden zur Erde zurückfliegen wird.
Die Ermittlungen dauern an
In dem Untersuchungsbericht heißt es jetzt, dass „ein komplexes Zusammenspiel von Hardwarefehlern, Qualifikationslücken, Führungsfehlern und kulturellen Zusammenbrüchen“ zusammen für „ein inakzeptables Risiko für die Sicherheit der Besatzung“ gesorgt hätten. Die seien „nicht mit den Sicherheitsstandards der NASA für die bemannte Raumfahrt vereinbar“ gewesen. Die US-Weltraumagentur und Boeing würden weiterhin daran arbeiten, die technischen Ursachen der Probleme zu verstehen und die Herausforderungen gemeinsam zu lösen. Wie es mit dem Starliner-Programm weitergeht, ist unklar.
(mho)