Immer mehr Druck auf Telegram: Messenger angeblich Risiko für russische Truppen
Dass der Kreml Telegram am liebsten sperren würde, ist kein Geheimnis, die Kritik an dem Plan ist laut. Jetzt schaltet sich der Inlandsgeheimdienst FSB ein.
(Bild: Viacheslav Lopatin/Shutterstock.com)
Russland hat den Druck auf den beliebten Telegram-Messenger weiter erhöht, am Wochenende hat der Inlandsgeheimdienst FSB gewarnt, dass die Ukraine darüber Informationen über den Standort russischer Truppen erhalten könnte. Das berichtet die staatliche Nachrichtenagentur TASS unter Berufung auf einen Sprecher des KGB-Nachfolgers. Man habe „zuverlässige Informationen, dass die Streitkräfte der Ukraine sowie die Spezialeinheiten auf Telegram geteilte Inhalte sehr schnell empfangen und für militärische Zwecke verwenden können“, heißt es da. Die Verwendung von Telegram durch die russische Armee gefährde deshalb das Leben von Soldaten. Diese Behauptung dürfte jetzt auch dafür gedacht sein, den Boden für eine Sperrung von Telegram zu bereiten.
Telegram bald gesperrt?
Die Kampagne gegen Telegram ist Teil einer Blockadewelle gegen Internetdienste, mit denen der Kreml die Menschen im Land dazu drängen will, auf Angebote umzusteigen, die aus Russland stammen und damit leichter kontrolliert werden können. In dem Zug war vor anderthalb Wochen auch der Zugriff auf WhatsApp komplett unterbunden worden. Der Messenger des Facebook-Konzerns Meta hat danach versichert, alles tun zu wollen, damit die Menschen weiter über den Messenger kommunizieren können. Telegram ist aber ein ganz anderes Kaliber, der Dienst ist in Russland enorm beliebt und wird auch von Medien und Unternehmen für die Kommunikation genutzt. Nach der Abschaltung von Starlink ist er auch für die Koordinierung an der Front in der Ukraine noch wichtiger geworden.
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Der Kreml drängt die Menschen im Land seit Monaten dazu, auf MAX umzusteigen, einen vom russischen Staat geförderten Messenger. Der muss schon seit dem Sommer auf allen verkauften Smartphones und Tablets vorinstalliert sein. Laut Bloomberg haben mehrere der einflussreichen Militärblogger zuletzt davor gewarnt, dass eine Sperrung von Telegram dafür sorgen könnte, dass russischen Truppen in der Ukraine die letzte Kommunikationsmöglichkeit genommen wird. Trotzdem arbeitet die Führung augenscheinlich darauf hin. Erst vor wenigen Tagen hat die Telekommunikationsaufsicht Roskomnadzor Telegram vorgeworfen, Infrastruktur zu unterhalten, über die systematisch personenbezogene Daten abgegriffen würden.
(mho)