Artemis II: Warum die Mondrückseite Hinweise zur Entstehung der Erde geben kann
Schon bald sollen die Astronauten der Artemis-II-Mission zum Mond aufbrechen und Rückseite des Mondes untersuchen. Welche Erkenntnisse Wissenschaftler erhoffen.
Die Nasa will 2025 wieder Menschen zum Mond schicken. Der Minisatellit Capstone sollte vorgeschickt werden.
(Bild: Elena11/Shutterstock)
Eigentlich sollte die Artemis-II-Mission schon in vollem Gange sein. Die Nasa musste die Mondmission allerdings wegen Problemen beim Abschlusstest verschieben. Die erste bemannte Mondmission seit 1972 soll jetzt frühestens im April 2026 stattfinden – wenn keine weiteren Komplikationen vor dem Start auftauchen. Im Laufe der Mission werden die Astronauten auch hinter den Mond fliegen und die erdabgewandte Seite dokumentieren.
Artemis II bereitet künftige Missionen vor
Wie CNN berichtet, wird das ein Anblick für die Astronauten an Bord des Raumfahrzeugs, den noch nicht einmal die Apollo-Astronauten vor einigen Jahrzehnten zu Gesicht bekommen haben. Sie haben damals vornehmlich die erdzugewandte Seite des Mondes gesehen, weil es ihr Orbit um den Erdtrabanten nicht anders zugelassen hat. Und selbst Gesteinsfunde auf der erdzugewandten Seite dürften laut Wissenschaftler nur wenig darüber verraten, wie die Rückseite des Erdtrabanten beschaffen ist.
Während Orion, die Raumkapsel von Artemis II, zwischen 6.000 und 9.000 Kilometer über dem Mond schwebt, sollen die Astronauten Fotos des Erdtrabanten aufnehmen. Auf der Rückseite sollen dabei vordergründig Krater und Überbleibsel der einstigen Lavaaktivitäten dokumentiert werden. Solange die Astronauten in Kontakt mit der Erde stehen, werden sie ihre Sichtungen an Nasa-Wissenschaftler weitergeben, die sie in Echtzeit analysieren und weitere Beobachtungen durch Artemis-Crew anstoßen sollen.
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Durch diese Aufnahmen und Beschreibungen des gesamten Erdtrabanten könnte die Nasa auch schon erste potenzielle Landeplätze für künftige Artemis-Missionen ausloten, die wieder Menschen auf die Mondoberfläche bringen sollen. Auch bisher unerforschte Ereignisse könnten die Astronauten zu Gesicht bekommen. Dazu zählen etwa helle Lichtblitze, die gelegentlich auftreten, wenn Gesteinsbrocken aus dem All die Mondoberfläche treffen.
Noah Petro, Leiter des Nasa-Labors für Geologie, Geophysik und Geochemie, sagt dazu: „Bei Artemis II konzentrieren wir uns auf spezifische Fragen, die sich daran orientieren, was menschliche Beobachter leisten können. Ein gut trainiertes Paar Augen ist das größte Experiment, das wir ins Universum ausschicken können, weil es mit ihrer eigenen Neugier zusammenhängt.“
Die Rückseite des Mondes könnte auch neue Erkenntnisse über die Entstehung des Erdtrabanten bereithalten. Warum das so wichtig ist, erklärt Jeff Andrews-Hanna, Professor des Lunar and Planetary Laboratory an der Universität von Arizona: „Die Erde wäre heute nicht der Planet, ohne den Einschlag, der den Mond geformt hat. Durch die Existenz des Mondes sind die Erde und unser Klima deutlich stabiler, was essenziell für die Entwicklung von Leben war. Es ist unzweifelhaft, dass ohne die stabilisierende Kraft des Mondes menschliche Evolution nicht möglich gewesen wäre.“
Ob Artemis II schon solche Einblicke in die Ursprünge des Mondes und der Erde hervorbringen kann, ist dabei ungewiss. Möglicherweise werden handfeste Erkenntnisse erst mit Artemis III oder IV auf der Oberfläche möglich sein. Dennoch ist die Vorarbeit von Artemis II laut Petro wichtig: „Es wird Überraschungen geben. Das ist der Grund, warum wir überhaupt forschen. Wenn wir wüssten, was wir finden werden, müssten wir nicht die Reise auf uns nehmen. […] Die Art, wie wir den Mond erkundet haben, ist vielfältig: Landungsmissionen, Orbitalmissionen, bemannte Flüge. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, bis wir ein verständliches Bild des Mondes haben, aber wir ergründen seine Geschichte.“
Dieser Beitrag ist zuerst auf t3n.de erschienen.
(jle)