„Red Card 2.0“: Großangelegte Razzia gegen Cybercriminalität in Afrika
Eine in vielen Ländern Afrikas durchgeführte Operation gegen Cybercrime-Netzwerke führt zu Hunderten Festnahmen und der Sicherstellung von Millionen US-Dollar.
(Bild: Anelo/Shutterstock.com)
Eine von Interpol koordinierte verdeckte Ermittlung in 16 afrikanischen Ländern hat transnationalen Cyberkriminalitätsnetzwerken einen schweren Schlag versetzt. Die großangelegte Razzia im Dezember 2025 und Januar 2026 führte zur Festnahme von 651 Verdächtigen und zur Beschlagnahmung von mehr als 4,3 Millionen US-Dollar. Die Operation mit dem Namen „Red Card 2.0“ richtete sich gegen kriminelle Netzwerke hinter hochverzinslichen Anlagebetrügereien, Betrug mit mobilem Geld und betrügerischen Kreditgeschäften. Das geht aus einer Erklärung von Interpol hervor.
In acht Wochen intensiver Ermittlungen deckten die Behörden zahlreiche Betrugsfälle im Zusammenhang mit finanziellen Verlusten in Höhe von mehr als 45 Millionen US-Dollar auf. Die Ermittler identifizierten 1.247 Opfer – vorwiegend in afrikanischen Ländern –, beschlagnahmten 2.341 elektronische Geräte und neutralisierten 1.442 bösartige IP-Adressen, Domains und Server, hieß es.
„Diese organisierten Cyberkriminellen-Syndikate fügen Einzelpersonen, Unternehmen und ganzen Gemeinschaften mit ihren falschen Versprechungen verheerenden finanziellen und psychologischen Schaden zu. Die Operation Red Card unterstreicht die Bedeutung der Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der grenzüberschreitenden Cyberkriminalität“, sagte Neal Jetton, Direktor der Interpol-Abteilung für Cyberkriminalität, und forderte die Opfer von Cyberkriminalität auf, Vorfälle den Strafverfolgungsbehörden zu melden.
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Die Operation vom 8. Dezember 2025 bis 30. Januar 2026 wurde im Rahmen der African Joint Operation against Cybercrime (AFJOC) durchgeführt und erhielt Unterstützung vom GLACY-e-Projekt der Europäischen Union und des Europarats. Beteiligt waren Strafverfolgungsbehörden aus sechzehn Ländern: Angola, Benin, Kamerun, Elfenbeinküste, Gabun, Gambia, Ghana, Kenia, Namibia, Nigeria, Ruanda, Senegal, Tschad, Uganda, Sambia und Simbabwe.
Ermittlungserfolge in einzelnen Staaten
In Nigeria wurde ein Netzwerk zerschlagen, das junge Menschen für Cyberkriminalität wie Phishing, Identitätsdiebstahl, Social Engineering und gefälschte Investitionsprogramme für digitale Vermögenswerte rekrutierte. Die Ermittler löschten mehr als 1.000 betrügerische Social-Media-Konten. In einer separaten Operation verhafteten die nigerianischen Behörden sechs Personen, die durch kompromittierte Anmeldedaten von Mitarbeitern in die interne Plattform eines großen Telekommunikationsanbieters eingedrungen waren, um „erhebliche Mengen“ an Gesprächszeit und Daten für den illegalen Weiterverkauf abzuzweigen.
In der Elfenbeinküste wiederum wurden 58 Verdächtige festgenommen. Die Behörden beschlagnahmten in einer Operation gegen Kreditkartenbetrug 240 Mobiltelefone, 25 Laptops und mehr als 300 SIM-Karten. In Kenia wurden 27 Personen inhaftiert, die in Verbindung mit Betrugsmaschen standen, bei denen Messaging-Apps, soziale Medien und gefälschte Erfahrungsberichte genutzt wurden, um Opfer zu falschen Investitionen in renommierte globale Unternehmen zu verleiten.
„Red Card 2.0“ war die zweite große koordinierte Aktion gegen Cybercrime in ganz Afrika innerhalb von sechs Monaten. Bei der Operation „Serengeti 2.0“ in 18 afrikanischen Staaten im August vergangenen Jahres nahmen die Behörden 1.209 Personen fest und stellten fast 100 Millionen US-Dollar sicher.
(akn)