Dienstag: Anthropic gegen chinesische KI-Firmen, SPD will Palantir blockieren

Vorwurf der Destillation + SPD positioniert sich + Austausch von Biometriedaten mit den USA + Operation gegen Cybercrime in Afrika + BMW streicht Level 3

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Umriss eines menschlichen Kopfes auf orangem Hintergrund; im Kopf Gekritzel, dazu Text: DIENSTAG Anthropic, Überwachungssoftware, Biometriedaten, Cybercrime & Autonomes Fahren

(Bild: Anthropic / heise online)

Lesezeit: 6 Min.
Von
  • Andreas Knobloch

Der KI-Wettlauf wird immer mehr zum Machtkampf zwischen den Vereinigten Staaten und China. Nach OpenAI beschuldigt nun auch das US-Start-up Anthropic die chinesische Konkurrenz, zur Verbesserung ihrer KI-Modelle „Destillation“ einzusetzen. DeepSeek und andere sollen dafür Anthropics KI-Modell Claude angezapft haben. Die SPD reagiert auf monatelangen Druck aus der Zivilgesellschaft und verspricht, sich gegen den bundesweiten Einsatz der umstrittenen Analyse-Software Palantir starkzumachen. Und ein Entwurf zum Abkommen über Austausch von Biometriedaten zwischen der EU und den USA könnte dazu führen, dass bald eine Software allein über die Einreise entscheidet – die wichtigsten Meldungen im kurzen Überblick.

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Als das chinesische Unternehmen DeepSeek Anfang vergangenen Jahres sein KI-Modell R1 präsentierte, reagierte die Branche geschockt. Zu gerade einmal einem Bruchteil der immensen Kosten der US-Konkurrenz hatte DeepSeek ein konkurrenzfähiges Produkt entwickelt. Schnell kamen Vorwürfe auf – vornehmlich aus den USA – DeepSeek habe für die Entwicklung seiner KI-Modelle Destillation genutzt, eine Technik, bei der ein weniger leistungsfähiges Modell anhand der Ergebnisse eines leistungsstärkeren Modells trainiert wird. OpenAI wirft bis heute DeepSeek vor, seinen Chatbot mittels ChatGPT trainiert zu haben. Nun erhebt das US-amerikanische KI-Start-up Anthropic ähnliche Vorwürfe gegen DeepSeek und andere chinesische Firmen. Anthropic wirft chinesischen Unternehmen unlautere Praktiken vor

Die Software „Gotham“ des US-amerikanischen Technologieunternehmens Palantir, das unter anderem von Tech-Milliardär Peter Thiel mitgegründet wurde, ermöglicht es Sicherheitsbehörden, große Datenmengen aus unterschiedlichen Quellen zusammenzuführen und automatisiert auszuwerten. In mehreren unionsgeführten Bundesländern kommt Palantir bereits zum Einsatz. Kritiker warnen seit Längerem vor weitreichenden Überwachungsmöglichkeiten, mangelnder Transparenz und potenziellen Eingriffen in Grundrechte. Die Abhängigkeit von einem US-Konzern erscheint zudem als ein sicherheitspolitisches Risiko. Zuletzt hatten zivilgesellschaftliche Initiativen gegen den Einsatz von Palantir in Deutschland mobilisiert. Jetzt positioniert sich die SPD. Überwachungssoftware: SPD will Palantir auf Bundesebene blockieren

Zwischen den Vereinigten Staaten und der EU knirscht es derzeit an verschiedenen Stellen – nicht erst seit Donald Trump. Bereits unter der Regierung von Präsident Joe Biden haben die USA mit der sogenannten Enhanced Border Security Partnership (EBSP) neue Anforderungen für die visumfreie Einreise geschaffen. Darin werden EU-Staaten aufgefordert, bilaterale Abkommen mit der US-Regierung zu schließen, um den Zugriff auf nationale biometrische Datenbanken zu ermöglichen. Wer bis Ende dieses Jahres keine Einigung erzielt, riskiert den Ausschluss aus dem Programm für visumfreies Reisen. Um einen Flickenteppich an Einzelverträgen zu vermeiden und ein gewisses Schutzniveau zu wahren, hat die EU-Kommission die Verhandlungen über ein übergeordnetes Rahmenabkommen übernommen. Ein aktueller Entwurf des Abkommens gewährt den US-Sicherheitsbehörden tiefgreifende Befugnisse. US-Algorithmen als Grenzhüter: Automatisierte Urteile über EU-Reisende möglich

Hochverzinsliche Anlagebetrügereien, Betrug mit mobilem Geld und betrügerische Kreditgeschäfte im großen Stil – eine von Interpol koordinierte verdeckte Operation gegen transnationale Cyberkriminalitätsnetzwerke in 16 afrikanischen Ländern hat zur Festnahme von Hunderten Verdächtigen und zur Beschlagnahmung mehrerer Millionen US-Dollar geführt. Die Operation mit dem Namen „Red Card 2.0“ war die zweite große koordinierte Aktion gegen Cybercrime in ganz Afrika innerhalb von sechs Monaten. In zahlreichen Ländern wurden Banden enttarnt und deren Mitglieder festgenommen. „Red Card 2.0“: Großangelegte Razzia gegen Cyberkriminalität in Afrika

Level 3 beschreibt hochautomatisiertes Fahren, bei dem das Auto mit bestimmten Einschränkungen selbstständig fahren kann. Ab dieser Stufe muss der menschliche Fahrer das System nicht mehr permanent beaufsichtigen, sondern darf sich anderen Tätigkeiten widmen. Hochautomatisiertes Fahren auf Level 3 ist in Deutschland bis zu einer Geschwindigkeit von 95 km/h erlaubt. Derzeit bieten nur BMW beim 7er und Mercedes bei seiner S-Klasse und dem EQS diese Option – gegen hohe Aufpreise. Mercedes will bei der überarbeiteten S-Klasse auf Level 3 verzichten. Nun zieht BMW nach. Autonomes Fahren: BMW streicht Level 3 aus 7er-Reihe

Auch noch wichtig:

  • US-Elektroautobauer Tesla will einen Taxidienst aufbauen, der ohne jeglichen menschlichen Eingriff auskommt. Die US-Regulierungsbehörde FCC hat eine wichtige Genehmigung erteilt. Tesla darf Cybercabs drahtlos laden

(akn)