Binance-Angestellte finden Hinweise auf illegale Transaktionen – werden gefeuert

Eigentlich muss Binance grĂĽndlich prĂĽfen, dass auf der Plattform keine US-Sanktionen verletzt werden. Als ein Team fĂĽndig wurde, folgten aber Entlassungen.

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Binance-App

(Bild: Grey82/Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Kurz nachdem US-Präsident Donald Trump den Gründer und ehemaligen CEO von Binance begnadigt hat, hat die Kryptowährungsbörse mehrere Angestellte entlassen, die potenziell illegale Transaktionen an iranische Organisationen untersucht haben. Das berichten das Wall Street Journal und die New York Times übereinstimmend unter Berufung auf interne Dokumente. Demnach ging es insgesamt um 1,7 Milliarden US-Dollar in Kryptogeld, die in den vergangenen zwei Jahren auf Konten geflossen sind, die iranischen Organisationen oder vom Iran gestützten sanktionierten Gruppierungen gehören. Bei den Entlassenen hat es sich demnach um Experten für Sanktionen und Terrorismusbekämpfung gehandelt. Mit dem Geld haben chinesische Firmen wohl für iranisches Öl bezahlt.

Das Wall Street Journal erinnert zuerst daran, dass sich Binance gegenüber der US-Regierung verpflichtet hat, Transaktionen genau zu beobachten und solche zu unterbinden, die gegen US-Sanktionen verstoßen. Nach Hinweisen vom FBI und aus Israel sei im vergangenen August intern ein Bericht zu einer Firma aus Hongkong erstellt worden, die für den Iran Geldwäsche betrieben hat. Deren Zugang sei dann gesperrt und das US-Justizministerium informiert worden. Insgesamt sei es dabei um umgerechnet 500 Millionen US-Dollar gegangen. Die Untersuchungen seien dann aber nicht beendet worden. Stattdessen sei ein weiteres Konto aufgespürt worden, das noch deutlich mehr Kryptogeld an iranische Akteure geschleust hat. Die Reaktion auf diese Entdeckung sei dann aber eine ganz andere gewesen.

Das Konto gehörte demnach einer weiteren Hongkonger Firma namens Blessed Trust und anders als die meisten auf Binance sei es als „intern“ markiert gewesen: Der Zugang dazu war stark eingeschränkt. Um es zu überprüfen, habe es eine spezielle Erlaubnis von einem Team gebraucht, das direkt dem CEO unterstellt war. Blessed Trust tauscht demnach für Kunden Geld in Kryptogeld und andersherum. Über das Konto wurden demnach mehr als eine Milliarde US-Dollar an ein Netzwerk von Organisationen überwiesen, die der iranischen Revolutionsgarde unterstehen. Es habe sogar einen Hinweis darauf gegeben, dass Angestellte von Binance Zugriff auf das Konto hatten, schreibt das Wall Street Journal noch.

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Ende September wurde Blessed Trust demnach von Binance kontaktiert und hat versucht, die Transaktionen zu erklären. Später sei die Führungsspitze von Binance über das Vorgehen informiert worden, und am 13. November wurden zwei Angestellte aus dem Ermittlungsteam entlassen. Einige Tage später hätten zwei weitere Personen intern angekündigt, dass die Untersuchungen weitergehen würden, woraufhin sie den Zugang zu ihren Arbeitsplätzen und ebenfalls ihre Jobs verloren hätten. Erst wenige Wochen vorher hatte Trump Changpeng Zhao (auch bekannt als CZ) begnadigt. Der ehemalige Binance-Chef hatte zuvor eine viermonatige Gefängnisstrafe für Vergehen bei seiner Kryptogeldbörse verbüßt. Deren Kooperation mit US-Behörden sei da schon länger wieder zurückgefahren worden, schreibt die Zeitung noch.

Binance hat gegenüber der Zeitung erklärt, dass die Angestellten nicht für die Formulierung von Compliance-Bedenken suspendiert oder entlassen worden seien. Sie hätten das Unternehmen „aufgrund individueller Umstände“ verlassen. Die Ermittlungen seien fortgesetzt und das identifizierte Unternehmen von der Plattform entfernt worden. Überprüfen lässt sich das aber nicht. Gleichzeitig war CZ aber explizit für die Umgehung von Sanktionsgesetzen auf seiner Kryptobörse zu der Gefängnisstrafe verurteilt worden. Nach der Amtsübernahme Trumps hat die US-Börsenaufsicht SEC ein Verfahren gegen Binance eingestellt.

(mho)