Nach Nutzerprotesten: Discord distanziert sich von Partner zur Altersüberprüfung

Die Social-Media-Plattform erklärt, dass ein „begrenzter Test” von Persona in Großbritannien zur Altersverifikation beendet wurde. User hatten sich beklagt.

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Smartphone mit Discord-App darauf, im Hintergrund Controller und Tastatur

(Bild: Shutterstock.com)

Lesezeit: 4 Min.
Von
  • Andreas Knobloch

Der Ärger um die Einführung von Altersprüfungen bei Discord hält an. Nach einer Flut von negativen Reaktionen von Nutzerinnen und Nutzern distanziert sich die Social-Media-Plattform nun von Persona, einem Anbieter für Altersüberprüfungen. Discord habe „einen begrenzten Test von Persona in Großbritannien durchgeführt“. In Australien und Großbritannien war die Altersüberprüfung bereits im vergangenen Jahr eingeführt worden. „(D)ieser Test ist inzwischen abgeschlossen“. Das erklärte die Leiterin der Produktpolitik bei Discord, Savannah Badalich, in einer E-Mail an das US-Tech-Portal The Verge.

Anfang Februar hatte Discord bekannt gegeben, im März auf seiner Plattform eine Altersüberprüfung einzuführen. Dann würden alle neuen und bestehenden Benutzerkonten weltweit automatisch auf „jugendgerechte Erfahrung mit aktualisierten Kommunikationseinstellungen, eingeschränktem Zugang zu altersbegrenzten Bereichen und Inhaltsfiltern“ eingestellt, so das Unternehmen. Für den vollständigen Zugriff auf alle Inhalte der Plattform sei möglicherweise ein Gesichtsscan oder die Vorlage eines Ausweises nötig.

Nach Protesten von Usern ruderte Discord bereits wenige Tage später zurück. Ein Gesichtsscan oder die Vorlage eines Ausweisdokuments werde nur für eine Minderheit von Nutzerinnen und Nutzern notwendig, hieß es nun. Ein KI-Modell werde das Alter der meisten User automatisch schätzen.

Doch der Ärger kochte weiter. Wegen der Partnerschaft mit Persona warfen Nutzerinnen und Nutzer in den sozialen Medien Discord vor, „gelogen“ zu haben, was die Handhabung von Gesichtsscans und ID-Uploads angeht. Laut The Verge hieß es in einer archivierten Version der Support-Seite von Discord, dass User in Großbritannien „Teil eines Experiments sein könnten“, bei dem ihre Altersüberprüfungsdaten über Persona verarbeitet werden. Die aufgebrachten User verwiesen auf die Datenschutzrichtlinie von Persona, in der es heißt, dass das Unternehmen personenbezogene Daten von Nutzern über „Datenbanken von Drittanbietern, Regierungsunterlagen und andere öffentlich zugängliche Quellen“ einholen kann.

Laut einer archivierten Version der Website entfernte Discord die Erwähnung von Persona um den 15. Februar aus seiner Support-Seite, so The Verge weiter. Gegenüber dem Tech-Portal Ars Technica erklärte Rick Song, CEO von Persona, dass sein Unternehmen die im Rahmen des Tests von Discord gesammelten Informationen unmittelbar nach der Überprüfung gelöscht habe.

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Darüber hinaus hat Discord nur die Verwendung von k-ID zur Altersüberprüfung angegeben. k-ID ist eine auf Sicherheits- und Datenschutzlösungen für digitale Plattformen spezialisierte Compliance-Plattform. Sie ermöglicht die Altersschätzung anhand von Gesichtsscans und kann die Überprüfung von Ausweisdokumenten durch ein Unternehmen namens Veratad unterstützen, schreibt The Verge. Discord behauptet, dass die für die Gesichtsscans verwendete Technologie zur Altersschätzung lokal auf dem Gerät der User ausgeführt wird, ohne dass das Video-Selfie hochgeladen wird. Bilder der Ausweisdokumente und ID-Match-Selfies würden direkt nach der Bestätigung der Altersgruppe gelöscht, und das für die Schätzung des Gesichtsalters verwendete Video-Selfie verlasse niemals das Gerät der User. „Wir bewerten regelmäßig unsere Partneranbieter, um unsere Altersüberprüfung zu verbessern und die Optionen für die Nutzer zu erweitern, wobei wir den Datenschutz in den Vordergrund stellen“, so Badalich gegenüber The Verge.

Laut Discord muss die „überwiegende Mehrheit“ der Nutzerinnen und Nutzer ihr Alter auf der Plattform ohnehin nicht verifizieren. Weil entweder das von ihnen verwendete maschinelle Lernmodell zur Altersschätzung auf der Grundlage vorhandener Kontoinformationen, Geräte- und Aktivitätsdaten feststellt, dass dies nicht erforderlich ist, oder weil sie nicht auf Einstellungen oder Inhalte zugreifen, die eine Altersprüfung nötig machen.

(akn)