KI-Technik: Pentagon stellt Anthropic ein Ultimatum und droht mit Kriegsgesetz
Das US-Verteidigungsministerium verlangt einen unbegrenzten Zugang zu Anthropics Claude-KI. Dafür hat das Pentagon der KI-Firma jetzt ein Ultimatum gestellt.
(Bild: Michele Ursi/Shutterstock.com)
Im Streit mit Anthropic hat das US-Verteidigungsministerium jetzt angeblich ein Ultimatum bis Freitag gestellt und dem KI-Unternehmen mit schwerwiegenden Konsequenzen gedroht, wenn es die Forderungen bis dahin nicht erfüllt. Das berichtet jedenfalls das US-Magazin Axios unter Berufung auf eingeweihte Personen nach einem Treffen von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth mit Anthropic-Chef Dario Amodei am Dienstag. Sollte der dem US-Militär keinen uneingeschränkten Zugriff auf die hauseigene KI geben, werde Anthropic entweder zu einem Risiko für die Lieferketten erklärt oder per Defense Production Act (DPA) dazu gezwungen, eine Version fürs Militär freizugeben, zitiert Axios.
Gesetz für die Produktion von Kriegsgütern gedacht
Während das erste Szenario nicht neu ist – auch wenn die Einstufung als Lieferkettenrisiko bislang ausländischen Gegnern vorbehalten war –, ist die Alternative nicht minder außergewöhnlich: Der Defense Production Act soll es der US-Regierung eigentlich ermöglichen, die Produktion kriegswichtiger Güter anzuordnen. Angewandt wurde es in jüngster Vergangenheit aber unter anderem auch im Rahmen der Corona-Pandemie, um die Herstellung medizinischer Geräte und Artikel zu forcieren. Der Einsatz in einem Streit um Grenzen für KI-Systeme wäre eine merkliche Ausweitung der Tragweite des Gesetzes. Die KI-Branche wurde mithilfe des DPA aber bereits auch zu Sicherheitsmaßnahmen beim Training ihrer Modelle verpflichtet.
Trotz dieser Eskalation vonseiten der US-Regierung hat Anthropic bisher nicht erkennen lassen, den Forderungen nachkommen zu wollen. Die KI-Firma will es dem Verteidigungsministerium nicht gestatten, die eigene KI-Technik für die Massenüberwachung der US-Bevölkerung zu nutzen. Zudem dürften damit keine Waffen entwickelt werden, die ohne menschliche Beteiligung feuern. Das Ministerium drängt trotzdem auf die Freigabe, weil es keine vergleichbare Alternative zu Anthropic hat. „Der einzige Grund, warum wir mit diesen Leuten noch reden, ist, dass wir sie brauchen, und zwar jetzt“, zitiert das Magazin jemanden aus dem Ministerium. „Das Problem für diese Leute ist, dass sie so gut sind“, heißt es weiter.
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Anthropic ist eines von vier KI-Unternehmen, denen das Pentagon im Sommer jeweils bis zu 200 Millionen US-Dollar für die Entwicklung agentischer KI-Arbeitsabläufe zugesagt hat. Diesen Vertrag droht das US-Verteidigungsministerium nun zu kippen, sollte die Firma den Forderungen nicht nachkommen. Das wäre für Anthropic deutlich weniger problematisch als die Eskalation. Die Einstufung als Risiko für die Lieferketten würde andere Unternehmen vor die Wahl stellen, entweder mit dem US-Militär oder mit Anthropic Geschäfte zu machen. Diese Entscheidung wäre wahrscheinlich nicht schwer. Gleichzeitig hieß es aus dem US-Verteidigungsministerium aber auch schon, dass Anthropics KI nur enorm mühsam aus den eigenen Systemen zu entfernen wäre.
(mho)