LibreOffice Online bekommt eine zweite Chance
Die Document Foundation öffnet das 2022 eingefrorene Repository von LibreOffice Online wieder. Die Gründe von damals gelten als überholt.
(Bild: The Document Foundation)
LibreOffice Online wird wieder weiterentwickelt: Die Document Foundation (TDF) hat die 2022 getroffene Entscheidung rückgängig gemacht, das Repository des Projekts einzufrieren. Anfang Februar 2026 beschloss der aktuelle Vorstand unter Vorsitz von Eliane Domingos, das Archiv wieder für Beiträge zu öffnen. Die damaligen Bedenken hinsichtlich fehlender Maintainer und Sicherheitsprobleme sieht die Stiftung mittlerweile als überholt an.
Die ursprüngliche Einfrierung erfolgte auf Initiative früherer Vorstände, darunter Mitglieder mit Interessenkonflikten aus dem kommerziellen Ökosystem. Als Hauptgründe galten unzureichende Wartung, bekannte Sicherheitslücken, die nach einem Fork im Oktober 2020 nicht zurückportiert werden konnten, sowie mangelnde Entwicklungsaktivität. Das Repository wurde damals in einen Read-only-Modus versetzt und sollte ins „Attic“ verschoben werden.
Domingos erklärte die nun erfolgte Wende mit den Worten: „Um den Prozess der Befreiung von LibreOffice Online zu starten und die Reise anzutreten, die zu einer Online-Version von der Community und für die Community führt.“ Die Abstimmung über die Wiedereröffnung dauerte 72 Stunden und fand breite Unterstützung, obwohl es auch kritische Stimmen gab.
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Warnungen bleiben vorerst bestehen
Das Repository wird zunächst mit Warnhinweisen wieder zugänglich gemacht, bis das TDF-Team es als sicher und nutzbar einstuft. Die Stiftung lädt die Community ausdrücklich ein, Code, Technologien und weitere Beiträge beizusteuern. Auch die Zusammenarbeit mit externen Partnern wird gesucht, um eine gemeinsame technische Basis sowie Qualitätssicherung und Marketing voranzutreiben.
LibreOffice Online ist eine webbasierte Version der bekannten Office-Suite für den Eigenbetrieb. Die Software rendert Dokumente serverseitig und streamt die Bedienoberfläche über den Browser. Sie unterstützt Writer, Calc und Impress sowie kollaboratives Bearbeiten in Echtzeit. Der aktuelle Code-Stand gilt allerdings als veraltet und unsicher, bekannte CVEs sind nicht behoben. Bis zur produktionsreifen Version ist es noch ein weiter Weg.
Abgrenzung zu Collabora Online
Von Collabora Online unterscheidet sich LibreOffice Online grundlegend: Während TDFs Projekt als Community-getriebenes Upstream-Projekt konzipiert ist, handelt es sich bei Collabora Online um einen kommerziellen Fork mit Enterprise-Support, signierten Sicherheitsupdates und LTS-Versionen. Collabora hat viel in die Entwicklung investiert und bietet Integrationen für Nextcloud und ownCloud an.
Die Document Foundation stellt explizit klar, dass sie selbst keinen Hosting-Service oder Enterprise-Support für LibreOffice Online anbieten wird. Folglich empfiehlt die Stiftung für produktive Umgebungen wie gehabt das kommerzielle Ökosystem. Einen konkreten Zeitplan für eine produktionsreife Version gibt es nicht. Die weitere Entwicklung hängt von den Beiträgen der Community ab, die sich über Code-Beiträge, QA-Tests und technische Diskussionen beteiligen kann.
Weitere Details zur künftigen Entwicklung hat die Document Foundation in ihrem Blog veröffentlicht.
(fo)