Google ändert wohl bald Suchergebnisse - wegen drohender DMA-Strafe der EU

Die EU kritisiert Googles wettbewerbsfeindliche Suchergebnisse. Um einer DMA-GeldbuĂźe zu entgehen, sollen Konkurrenzangebote bald prominenter platziert werden.

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Lupe ĂĽber der Google-Suchmaschine in einem Browser

(Bild: BigTunaOnline/Shutterstock.com)

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Die EU-Kommission wirft Googles Suchmaschine vor, in den Suchergebnissen eigene Dienste vorzuziehen und konkurrierende Angebote damit zu benachteiligen. Das betrifft vor allem vertikale Suchdienste, etwa für Hotels, Flüge und Restaurants. Doch jetzt heißt es, dass die Google-Mutter Alphabet entsprechende Änderungen bei den Suchergebnissen vorbereitet, um einer möglichen EU-Wettbewerbsstrafe aufgrund des Digital Markets Act (DMA) zuvorzukommen.

Bislang stellt Alphabet die EU-Kommission nicht zufrieden, denn nach Ansicht der Hüter des DMA bevorzugt Googles Suchmaschine im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) andere Google-Dienste weiterhin gegenüber Dritten. Die Google-Suche würde eigene Dienste in den Ergebnissen gegenüber Wettbewerbern prominenter platzieren, etwa Google Shopping, Hotelbuchungen oder Verkehrsservices. Das bezeichnet die EU-Kommission als problematisch und könnte gegen den DMA verstoßen.

Doch bevor die Untersuchung der EU abgeschlossen ist, plant Google gegenzusteuern. Der Konzern wird in Kürze Änderungen bei den Suchergebnissen testen, um Konkurrenzangebote dort prominenter zu platzieren. Das berichtet Reuters unter Berufung auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Demnach sollen hochrangige vertikale Suchdienste wie etwa Hotel-Suchmaschinen und -Webportale künftig standardmäßig neben den eigenen Google-Diensten eingeblendet werden.

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Durch die Änderungen der weltweit führenden Suchmaschine würden Hotels, Fluggesellschaften, Restaurants und Transportdienstleistungen mit Echtzeitdaten aus Datenfeeds entweder unterhalb oder oberhalb der Liste der vertikalen Suchdienste angezeigt. Das soll in Kürze innerhalb Europas eingeführt werden, wobei die Änderungen zunächst die Suche nach Unterkünften betrifft. Suchergebnisse zu Flügen und anderen Diensten sollen später geändert werden.

Mit diesen Maßnahmen könnte Alphabet einem Bußgeld der EU-Kommission entgehen. Deren wettbewerbsrechtliche Untersuchung der Google-Suche ist bislang zwar nicht abgeschlossen, aber Verstöße gegen den DMA könnten Strafen in Höhe von bis zu 10 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes nach sich ziehen. Laut Reuters hat die EU seit 2017 bereits Strafzahlungen von insgesamt 9,71 Milliarden Euro wegen verschiedener Kartellrechtsverstöße Googles verhängt.

Das führt immer wieder zu Spannungen zwischen den USA und der EU, denn US-Präsident Donald Trump sieht die großen Big-Tech-Konzerne durch die EU-Gesetze wie den Digital Services Act (DSA) unzulässig behindert. Aber auch der Handelsstreit und die Androhung höherer Zölle halten die EU nicht davon ab, dieses Jahr die Durchsetzung von DSA und DMA zu verschärfen. Auch wenn weitere Sanktionsmaßnahmen gegen US-amerikanische Techunternehmen zu erneuten Konflikten mit der US-Regierung führen könnten.

(fds)