Disney+: Jetzt ist sogar HDR weg
Zuerst fiel bei Disney+ im Premiumabo Dolby Vision weg, jetzt bietet der Streamingdienst selbst das HDR-Standardformat HDR10 nicht mehr.
„Predator: Badlands“ bei Disney+ mit Dolby-Atmos-Ton, aber nur in 4K, ohne Dolby Vision oder auch nur HDR10.
(Bild: Disney)
Der Videostreamingdienst Disney+ hat abermals die Leistungen seines Premiumabos reduziert. Bereits seit Ende vergangenen Jahres erhält man in der höchsten Abostufe für 15,99 Euro pro Monat beziehungsweise 159 Euro pro Jahr keinen erhöhten Kontrastumfang im dynamischen Format Dolby Vision mehr, nun ist sogar die statische HDR-Variante HDR10 verschwunden. Somit unterscheidet sich das Premiumabo hinsichtlich der Bildqualität vom Standardabo nur noch dadurch, dass hier eine 4K- statt HD-Auflösung geboten wird und es eine Handvoll Inhalte im sogenannten „IMAX Enhanced“-Format mit einem erweiterten Seitenverhältnis von 1,90:1 gibt.
Es ist auch nicht davon auszugehen, dass HDR bald wieder zurückkehrt: Wie schon beim Wegfall von Dolby Vision (und von 3D-Filmen für die Apple Vision Pro) hat Disney+ auch diesmal bereits die Angaben zu den verfügbaren Videoformaten auf den Hilfeseiten seiner Website entsprechend angepasst. Offenbar kommen die für die Änderungen zuständigen Mitarbeiter schon selbst nicht mehr mit den Löschungen hinterher: Auf der Seite zu Abos und Preisen ist HDR weiterhin als Feature aufgelistet.
Videos by heise
Im Netz geben User zudem an, dass sich bei Disney+ auch allgemein die Bildqualität nach der Umstellung auf Standardkontrast verschlechtert habe. Den berichteten „Pixelbrei“ konnten unsere Stichproben am heutigen Donnerstagmorgen allerdings nicht bestätigen. Dennoch bleibt natürlich die Frage, ob man bei einer reinen 4K-Ausstrahlung ohne HDR tatsächlich noch von einer Premiumqualität sprechen kann, die ja die Bezeichnung des Abos suggeriert.
(Bild:Â heise medien)
Disney+ hat auf den Wegfall von Dolby Vision und HDR bislang nicht mit Preissenkungen oder Rückerstattungen reagiert. Nicht zuletzt, weil Kunden Jahresabos abgeschlossen und im Voraus bezahlt haben, als Disney+ noch mit Dolby Vision und HDR warb, stellt sich mittlerweile jedoch die Frage, ob der Videostreamingdienst mit einer derart drastischen Reduzierung der Bildqualität über das gesamte Film- und Seriensortiment nicht vertragsbrüchig geworden ist.
Weiter Rätselraten
Disney hüllt sich zum Hintergrund der aktuellen Entwicklungen bislang in Schweigen; mehrere Anfragen von heise online zur Verschlechterung der Bildqualität und möglichen Hintergründen blieben bislang unbeantwortet.
Viel deutet aber darauf hin, dass ein Patentrechtsstreit mit dem US-Unternehmen InterDigital Auslöser der aktuellen Entwicklungen ist. So entschied das Landgericht München im vergangenen November, dass Disney+ beim Streaming von Videos mit dynamischem HDR-Bild gegen Rechte von InterDigital verstößt. Das Gericht erließ eine einstweilige Verfügung gegen den Streaming-Dienst, wie aus einer Mitteilung von InterDigital hervorgeht. Disney+ sah sich daher offensichtlich gezwungen, die entsprechenden Inhalte zu entfernen.
(Bild:Â heise medien)
Disney bezeichnet das fehlende Dolby Vision beim Streaming-Dienst Disney+ Anfang Februar in einem Statement gegenüber der Branchenseite FlatpanelsHD als „technische Herausforderungen“. Das Unternehmen ging aber nicht darauf ein, wie diese Herausforderungen zustande kommen. Dass dafür ein Gerichtsstreit mit InterDigital verantwortlich sein könnte, wird weder bestätigt noch abgestritten.
In der Zwischenzeit hatte Disney die dynamischen HDR-Formate auch in anderen europäischen Ländern abgeschaltet. Aktuell führt Disney+ bei anderen Ablegern HDR noch als Feature des Premiumabos auf – weshalb man nun gespannt sein darf, wie lange dies noch der Fall ist. (nij)