SHIELD VI: Europol geht gegen illegalen Online-Handel mit Medikamenten vor
Im Zuge der Operation SHIELD VI stellte Europol gefälschte Arzneimittel und Dopingstoffe im Wert von 33 Millionen Euro sicher.
(Bild: Europol)
Im Rahmen der europaweit von Europol koordinierten Operation SHIELD VI sind Ermittlungsbehörden zwischen April und November 2025 gegen mehr als 3.000 Personen strafrechtlich vorgegangen. Dabei wurden Waren im Wert von rund 33 Millionen Euro sichergestellt – darunter gefälschte Arzneimittel, Dopingmittel, Nahrungsergänzungsmittel und Medizinprodukte. An der Aktion beteiligten sich 30 Länder, darunter auch das Bundeskriminalamt. Ein Schwerpunkt der Ermittlungen lag auf dem Online-Handel: So wurden 66 Websites abgeschaltet und weitere 233 Plattformen überwacht.
Social Media und Marktplätze als Drehscheibe
Soziale Netzwerke und Online-Marktplätze – sowohl im frei zugänglichen Web als auch im Darknet – sind laut Europol weiterhin zentrale Umschlagplätze für gefälschte Arzneimittel. Die Plattformen ermöglichen es Anbietern, mit vergleichsweise geringem Aufwand ein großes Publikum zu erreichen. Gleichzeitig profitieren Täter von unterschiedlichen Graden an Anonymität, verschleierten Zahlungswegen und international verteilten Infrastrukturen.
Insbesondere geschlossene Gruppen in sozialen Netzwerken, Messenger-Kanäle oder scheinbar seriöse Online-Shops dienen als Einstiegspunkte. Von dort aus werden Käufer teils in Darknet-Shops oder auf verschlüsselte Kommunikationskanäle weitergeleitet. Für Ermittlungsbehörden kommt erschwerend hinzu, dass Server, Zahlungsdienstleister und Logistik oft in unterschiedlichen Ländern sitzen.
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Dabei findet der illegale Handel nicht nur auf obskuren Darknet-Marktplätzen oder in geschlossenen Messenger-Gruppen statt, sondern auch auf offiziell auftretenden, frei zugänglichen Plattformen und etablierten Online-Marktplätzen. Selbst scheinbar reguläre Shops oder Telemedizin-Angebote können als Einfallstor für missbräuchliche Verschreibungen, Weiterleitungen an bestimmte Versandapotheken oder den Vertrieb nicht zugelassener Präparate dienen. Das Bundesgesundheitsministerium hat bisher auf eine Anfrage dazu nicht reagiert.
Gefälschte Abnehm- und Lifestyle-Präparate im Trend
SHIELD VI macht unter anderem auf die Verbreitung gefälschter Semaglutid-Produkte aufmerksam. Weitere Sorge bereite auch „die zunehmende Verfügbarkeit gefälschter Arzneimittel, die starke synthetische Substanzen wie Nitazene enthalten“, heißt es von Europol. Derartige Substanzen, die Opioiden ähneln, erhöhen laut Europol das Potenzial für Vergiftungen und Überdosierungen.
Die Medikamente werden oft zur Leistungssteigerung, zum Muskelaufbau oder zur Gewichtsreduktion missbraucht. Kriminelle Netzwerke greifen diese Trends gezielt auf, indem sie entweder echte Präparate aus legalen Lieferketten abzweigen oder komplett gefälschte Produkte in Umlauf bringen.
In Deutschland ermittelte die „Joint Investigation Team Narcotics“ (GER Mainz) laut Europol gegen eine Gruppe, die legal beschaffte Arzneimittel über Online-Shops und im Darknet weiterverkauft haben soll. Bereits im September 2025 wurden bei Durchsuchungen größere Mengen verschreibungspflichtiger Medikamente sichergestellt, darunter auch Benzodiazepine.
Plattformen als strukturelles Problem
Anders als beim klassischen Straßenhandel sind Anbieter und Käufer räumlich getrennt, Identitäten verschleiert und Zahlungsströme häufig über Kryptowährungen oder Drittanbieter abgewickelt. Zudem wechseln Accounts und Domains schnell, sobald Ermittlungsdruck entsteht.
Unter anderem Europol und die Europäische Arzneimittelagentur setzen deshalb verstärkt auf Aufklärung. Verbraucher sollen sensibilisiert werden, keine verschreibungspflichtigen Medikamente aus unsicheren Online-Quellen zu beziehen. Denn neben gesundheitlichen Risiken finanzieren Käufer unter Umständen organisierte Kriminalität, was sich auch negativ auf legitime Geschäftsmodelle auswirkt. Ein Bericht liefert weitere Erkenntnisse.
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(mack)