Mond mit einst starkem Magnetfeld? Rätsel aus Apollo-Programm gelöst

Eigentlich gilt es als sicher, dass der Mond auch in seiner Frühzeit kein starkes Magnetfeld hatte. Dem haben aber Proben widersprochen. Jetzt ist klar, warum.

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Ein Mann in einem Raumanzug auf dem Mond, neben ihm ein großer Felsbrocken

Harrison Schmitt (Apollo 17) neben einem großen Stein auf dem Mond

(Bild: NASA)

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Auch wenn die Bodenproben der Apollo-Missionen das Gegenteil nahelegten, hatte der Mond auch nach seiner Entstehung nie für lange Zeit ein starkes Magnetfeld. Das hat eine Forschungsgruppe von der Universität Oxford herausgefunden und damit die Antwort auf eine alte Frage zu unserem Erdtrabanten geliefert. Sie hatte sich an dem Gestein entzündet, das die Astronauten der US-amerikanischen Mondmissionen mitgebracht haben. Diese Proben haben allesamt darauf hingedeutet, dass der Mond einst von einem starken Magnetfeld umhüllt wurde. Das hätte angesichts der Menge an Proben über hunderte Millionen Jahre hinweg Bestand haben müssen – es sei denn, die Proben wären noch viel weniger repräsentativ als angenommen. Aber genau das ist der Fall.

Trotz des starken Magnetismus der Gesteinsproben waren viele Forscher und Forscherinnen sicher, dass der Mond auch in seiner Frühgeschichte gar kein oder nur ein schwaches Magnetfeld hatte. Die Funde hätte man damit aber nicht erklären können. Das liege daran, dass es sich um extreme Ausnahmen handelt, meint die Forschungsgruppe um Studienleiterin Claire Nichols jetzt. Ihren extrem starken Magnetismus haben die Steine demnach in jeweils nur wenigen tausend Jahren langen Zeiträumen erhalten, in denen der Mond ein extrem starkes Magnetfeld hatte – sogar stärker als das der Erde. Aber gerade in jenem Gestein an den Landeorten der Apollo-Missionen waren die Steine aus geologischen Gründen stark überrepräsentiert. Das sollte sich durch künftige bemannte Missionen bestätigen lassen.

Für ihre Arbeit hat die Gruppe die Zusammensetzung eines bestimmten Basalts vom Mond untersucht, aus dem die Gesteinsproben stammten. Jedes Stück mit einem besonders starken Magnetismus hatte demnach auch einen besonders hohen Anteil an Titan und das war des Rätsels Lösung. Die Gruppe meint, dass die Episoden mit einem starken Magnetfeld in Zusammenhang mit dem Schmelzen von Material mit einem hohen Titangehalt im Innern des frühen Mondes zusammenhängen. Dabei wurde dann auch das stark magnetisierte Gestein mit viel Titan in dem Basalt abgelagert. Wo dieser Basalt die Oberfläche bildet, würden aber auch ideale Bedingungen für bemannte Mondlandungen herrschen. Deshalb wurden davon so vergleichsweise viele gefunden.

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Mitautor Jon Wade meint, dass ähnliche Fehler passieren würden, wenn Außerirdische die Erde nur bei sechs kurzen Besuchen an flachen Orten erforschen würden. Wenn die US-Astronauten an anderen Orten gelandet wären, wäre die Debatte über ein möglicherweise viel stärkeres Magnetfeld nie aufgekommen. Dann hätte man aber womöglich nicht herausgefunden, dass es tatsächlich Episoden mit einem starken Magnetfeld gab, nur dass die in geologischen Maßstäben eben sehr kurz waren. Jetzt könne man genau vorhersagen, welche Gesteinsproben diese Episoden konserviert haben dürften. Bei den bemannten Artemis-Missionen könne man das überprüfen und die Geschichte des Mondes noch besser verstehen. Die Arbeit der Forschungsgruppe ist in Nature Geoscience erschienen.

(mho)