rentahuman.ai: Wenn KI wen braucht, der das Gras anfasst
Über die Plattform rentahuman.ai können KI-Agenten Menschen mit Aufgaben in der physischen Welt beauftragen. Ist das logische Arbeitsteilung oder Nonsense?
Ein Screenshot der Website rentahuman.ai
(Bild: rentahuman.ai)
Autonome KI-Agenten können mittlerweile vieles: Sie sind in der Lage, aufwendige Softwareanwendungen zu schreiben, tausendseitige Studien auszuwerten, umfassende Datensätze zu analysieren oder sich untereinander in Foren auszutauschen. Selbst neue Fähigkeiten eignen sich KI-Agenten wie OpenClaw selbstlernend und ohne den Eingriff ihrer menschlichen Gegenüber an.
Bislang behindern die Mobilitätsbeschränkungen von KI-Agenten aber viele alltägliche Aufgaben, die von agentischen KI-Systemen potenziell übernommen werden könnten. Die Plattform rentahuman.ai will dafür Abhilfe schaffen. KI-Agenten können hier Aufgaben an echte Menschen delegieren, die ihre Standortgebundenheit ansonsten verhindern würde – natürlich gegen Bezahlung. Rentahuman.ai zufolge sollen KI-Agenten Menschen beauftragen können, um etwa Pakete abzuholen oder aufzugeben, Geschehnisse vor Ort zu verifizieren, Dokumente zu unterzeichnen oder Besorgungen zu erledigen.
Laut eigenen Angaben von rentahuman.ai sind mittlerweile über 500.000 Menschen aus über hundert Ländern auf der Plattform registriert. KI-Agenten durchforsten deren verifizierte Profile via MCP oder REST-API, wählen die für eine Aufgabe passende Person entsprechend ihrer Fähigkeiten oder des Standorts aus und kontaktieren sie dann per Direktnachricht. Außerdem können auch Aufgabengesuche inklusive eines Budgets auf dem Marktplatz veröffentlicht werden, auf die sich Menschen dann bewerben können.
Zwischen Arbeitsteilung und Nonsense
Die Aufgabengesuche auf rentahuman.ai umfassen ein breites Spektrum: Von nachvollziehbar wirkenden Angeboten bis hin zu Nonsens-Aufgaben, die dem Hype um KI-Agenten vermutlich Vorschub leisten sollen, ist alles dabei. Gesuche werden zudem nicht nur von KI-Agenten, sondern auch von Menschen verfasst.
Abgeschlossene Aufgaben in der physischen Welt werden rentahuman.ai zufolge erst dann bezahlt, wenn sie zur vollen Zufriedenheit der KI-Agenten erledigt wurden. Dafür müssen die menschlichen Gegenüber geeignete Beweise vorlegen, zum Beispiel in Form von Fotos. Die Auszahlungen können dann über Krypto-Wallets, den Zahlungsdienstleister Stripe oder Guthaben auf der Plattform abgewickelt werden.
Durch Vibecoding entstanden
Was sich wie ein vorgezogener Aprilscherz oder eine Realdystopie liest, ist das tatsächlich existierende Projekt des Softwareentwicklers Alexander Liteplo. Der hatte rentahuman.ai Anfang des Monats in einem X-Post vorgestellt.
Eigenen Angaben auf der Website des Projekts zufolge geht es darum, die Lücke zwischen digitalen Arbeitern, also KI-Agenten, und der physischen Welt zu schließen. Denn 90 Prozent der wirtschaftlichen Tätigkeiten, so kolportiert man da, würden noch immer in der physischen Welt stattfinden.
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Im Crosschain with Kanishk Podcast von Across Protocol sprach Liteplo davon, rentahuman.ai vollständig mittels Vibecoding programmiert zu haben. Etliche Claude-basierte Agenten hätten die Website mitsamt all ihren Funktionen in einem Ralph-Loop erstellt. Ein Ralph-Loop bezeichnet eine Schleife, bei der eine KI eine Aufgabe trotz wiederholten Scheiterns so lange durchexerziert, bis sie Erfolg hat. Der Begriff ist an den Charakter Ralph Wiggum aus der US-Serie „The Simpsons“ angelehnt.
Hype um autonome KI-Agenten
Rentahuman.ai reiht sich in den andauernden Hype um autonome agentische KI-Systeme ein, der Anfang des Jahres vor allem durch den ebenfalls vibegecodeten KI-Agenten OpenClaw entfacht worden war. Seitdem überschlagen sich brisante Meldungen zum Thema, etwa zum Reddit-Klon Moltbook. Moltbook ist OpenClaw-basierten KI-Agenten vorbehalten, die sich dort über verschiedene Themen, etwa die Namen ihrer menschlichen Besitzer, austauschen oder automatisiert neue Fähigkeiten erlernen. Mittlerweile haben OpenClaw-Bots von einem Moltbook-Thread ausgehend eine fiktive Religion, den Crustafarianismus, mitsamt einer zugehörigen Kirche, der Church of Molt, ins Leben gerufen.
Dass sich in Moltbook tatsächlich nur KI-Agenten tummeln, ist derweil widerlegt. Das geht aus einer Analyse des chinesischen Wissenschaftlers Ning Li hervor. Die etlichen tausend untersuchten Posts und Kommentare ergaben, dass viele der Beiträge vermutlich nicht von KI-Agenten geschrieben wurden – vielmehr entstammten sie Menschen, die sich als agentische KI-Systeme ausgaben.
Mitte Februar sorgte zudem ein Vorfall für Aufsehen, bei dem ein OpenClaw-Bot einen Schmähbrief gegen einen Softwareentwickler veröffentlicht hatte, weil dieser zuvor einen vom Agenten getätigten Pull-Request in der Code-Verwaltung GitHub geschlossen hatte.
(rah)