Bundesmarine bekommt Unterwasserdrohne Blue Whale

Die Bundesmarine hat ihre bisher größte eine Unterwasserdrohne in Dienste gestellt. Blue Whale ist für Aufklärungseinsätze in der Ostsee gedacht.

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Unterwasserdrohne Blue Whale

Unterwasserdrohne Blue Whale der Bundesmarine

(Bild: Marcel Kröncke/Bundeswehr)

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Die Bundesmarine hat eine neue Unterwasserdrohne bekommen. Der in Israel entwickelte Blue Whale ist das derzeit größte unbemannte Unterwasserfahrzeug der Marine. Damit beginne der Aufbau einer hybriden Flotte, sagt der Inspekteur der Marine.

Als Large Unmanned Underwater Vehicle (Large UUV) bezeichnet die Bundesmarine den Blue Whale. Der ist knapp 11 Meter lang, hat einen Durchmesser von gut einem Meter und bringt 5,5 Tonnen auf die Waage. Das elektrisch angetriebene Unterwasserfahrzeug bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von etwa 13 km/h und soll zwei- bis vierwöchige Missionen unternehmen.

Entwickelt hat es der israelische Luft- und Raumfahrtkonzern Israel Aerospace Industries (IAI). Einen Teil der technischen Ausstattung hat Atlas Elektronik, eine Tochter des Kieler RĂĽstungsunternehmen ThyssenKrupp Marine System (TKMS), beigesteuert, darunter ein spezielles Sonarsystem.

Blue Whale ist für Aufklärungseinsätze gedacht: Das UUV soll Unterwasserziele, also U-Boote oder andere Unterwasserdrohnen, aufspüren und verfolgen. Dafür ist es unter anderem mit einem „Towed Array Sonar“ ausgestattet. Das ist ein Schleppsonar, das Blue Whale hinter sich herzieht und das Unterwasserobjekte über und unter sogenannten Sprungschichten erfasst und klassifiziert. Es ist passiv, das heißt, es sendet keine Schallimpulse aus, sondern empfängt nur.

Daneben kann Blue Whale auch Ăśberwasserschiffe verfolgen. DafĂĽr ist das unbemannte U-Boot wie ein konventionelles mit einem ausfahrbaren Seerohr ausgestattet, an dem verschiedene Kameras angebracht sind.

Die Beschaffung der Drohne dauerte nach Aussage von Vizeadmiral Jan Christian Kaack nur wenige Monate, was im Bereich des Militärs enorm schnell ist. „Mit der Übernahme des ersten Blue Whale setzen wir den Kurs Marine in Sachen Einführung unbemannter Systeme unter Wasser konsequent um“, sagte der Inspekteur der Marine. „Der Aufbau einer hybriden Flotte startet genau jetzt.“

Diese wird aus konventionellen, bemannten Schiffen bestehen, die zusammen mit unbemannten operieren. Letztere können beispielsweise näher an Gefahrenstellen eingesetzt werden als bemannte und damit das Leben der Besatzungen schützen.

Die Bundesmarine hat das Large UUV Ende 2024 vor Eckernförde getestet. In der dortigen Marinebasis wird es auch stationiert, das Einsatzgebiet wird die Ostsee.

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine vor vier Jahren ist die Ostsee zu einem Krisengebiet geworden. Mehrfach wurden in den vergangenen Jahren Unterseekabel in der Ostsee zerstört. Im Verdacht stand jeweils die russische Schattenflotte.

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Der spektakulärste Zwischenfall war die Sprengung der Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 im September 2022. Hier gehen Ermittler inzwischen davon aus, dass die Tat von Ukrainern verübt wurde. Systeme wie Blue Whale können auch eingesetzt werden, um solche kritischen Infrastrukturen unter Wasser zu überwachen.

(wpl)