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Fünfmal schneller als der Vorgänger: Qualcomms neuer Smartwatch-Chip

Qualcomms neuer Smartwatch-Chip verfügt über KI-Coprozessoren, unterstützt Satellitenfunk und ist sparsamer. Seine Bezeichnung könnte aber irritieren.

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Qualcomm-Chip für Smartwatches

(Bild: Qualcomm)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Qualcomm erweitert sein Angebot an Chips für Smartwatches und weitere Wearables um ein neues Topmodell. Der Snapdragon Wear Elite soll deutlich mehr Leistung als seine Vorgänger bieten sowie kürzere Ladezeiten und verbesserte Laufzeiten ermöglichen. Die wichtigste Neuerung ist allerdings der erstmalige Einsatz eines KI-Co-Prozessors.

Insgesamt wird der auf dem MWC 2026 vorgestellte Snapdragon Wear Elite über zwei solcher Co-Prozessoren verfügen. Die Hexagon NPU (Neural Processing Unit) übernimmt KI-Berechnungen, die eine höhere Leistung benötigen. Darunter fallen laut Qualcomm etwa der Einsatz von KI-Agenten (Agentic AI), Text-zu-Sprache-Umwandlungen und Bilderkennung. Zur konkreten Leistung der Hexagon NPU nennt der Hersteller keine Daten. Qualcomm beschränkt sich diesbezüglich auf eine Reaktionszeit von 0,2 Sekunden bis zur Ausführung des ersten Tokens sowie maximal zehn Token pro Sekunde. Die im Gerät verwendeten Sprachmodelle können bis zu zwei Milliarden Parameter umfassen.

Die im Snapdragon Wear Elite verbaute Hexagon NPU soll KI-Berechnungen übernehmen, etwa für Text-zu-Sprache-Umwandlungen und KI-Agenten.

(Bild: Qualcomm)

Die zusätzlich integrierte eNPU übernimmt Aufgaben mit geringerer Last, etwa Geräuschunterdrückung und Klangverbesserungen während Telefonaten. Zudem soll die eNPU im Standby-Betrieb Sprachbefehle verarbeiten und Aktivitäten erkennen.

Bei den Hauptprozessoren weicht Qualcomm vom zuletzt verwendeten Namensschema ab. So war der Zusatz Elite bislang für Chips reserviert, in denen das Unternehmen seine eigenen Oryon-CPUs verbaut. Im Snapdragon Wear Elite stecken allerdings nur von ARM übernommene Kerne: ein Cortex-A78 mit maximal 2,1 GHz sowie vier Cortex-A55 mit bis zu 1,95 GHz. Die Einzelkernleistung (Single Thread) soll bis zu fünfmal so hoch sein wie beim Vorgänger, der in der Google Pixel Watch 4 (Test) zum Einsatz kommt. Welche GPU der neue Chip enthält, verrät Qualcomm nicht. Diese soll allerdings bis zu siebenmal schneller sein.

Auskunftsfreudiger ist man mit Blick auf die Kommunikationsfähigkeiten. So unterstützt der Snapdragon Wear Elite Wi-Fi 6 (802.11ax) und soll dabei weniger Energie als etwa Wi-Fi-Chips in Smartphones benötigen. Qualcomm spricht in diesem Zusammenhang von „Micro-Power Wi-Fi“, behält konkrete Werte zu Verbrauch und Übertragungsraten aber für sich. Per Bluetooth 6.0 sind Verbindungen zu anderen Geräten wie Kopfhörern möglich, Ultra-Wideband (UWB) ermöglicht genaue Ortungen kompatibler Geräte. Mobilfunkverbindungen sind über das integrierte Modem möglich, das 5G RedCap unterstützt. Dabei handelt es sich um eine 5G-Variante, die mit weniger Strom auskommt – allerdings auf Kosten einer reduzierten, nicht näher bezifferten Bandbreite.

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Zusätzlich ist die Kommunikation via Satellit möglich: Via NB-NTN (Narrowband Non-Terrestrial Network) lassen sich Textnachrichten empfangen und verschicken, über GNSS (Global Navigation Satelite System) ist eine präzise Standortbestimmung möglich. Welche Dienste – beispielsweise GPS und Galileo – Qualcomm dafür nutzt, ist unbekannt.

Der in einem 3-Nanometer-Verfahren produzierte Chip soll eine um bis zu 30 Prozent höhere Nutzungsdauer ermöglichen. Dabei bezieht Qualcomm sich auf den tatsächlichen aktiven Einsatz (DoU, Day of Use) des Wearables. Zusätzlich soll das integrierte Power-Management die Ladezeiten reduzieren. Der Sprung von 0 auf 50 Prozent soll in nur zehn Minuten möglich sein. Konzipiert ist der Snapdragon Wear Elite für das Zusammenspiel mit Android, Linux und Wear OS. Erste Endgeräte auf Basis des neuen Chips sollen im Laufe des Jahres 2026 auf den Markt kommen, unter anderem die nächste Generation der Samsung Galaxy Watch. Ebenso stellt Qualcomm den Einsatz in KI-Gadgets wie dem im Januar 2026 von Motorola vorgestellten Project Maxwell in Aussicht.

Hinweis: Qualcomm hat die Kosten für Reise und Unterbringung des Autors zum MWC 2026 übernommen. (pbe)