Netflix gibt auf: Paramount kann Warner kaufen

Netflix bessert sein Angebot für Warner Bros. nicht nach – damit ist der Weg für Paramount frei, das Medienunternehmen zu kaufen.

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Warner-Bros-Logo auf einem Wasserturm

(Bild: Schager/Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Netflix steigt aus dem Bieterstreit um Warner Bros. Discovery aus: In einer Mitteilung bestätigen die Co-CEOs Ted Sarandos und Greg Peters, dass sie kein weiteres Angebot mehr für Warner abgeben werden. Der Warner-Vorstand hatte zuvor befunden, dass das jüngste Angebot von Paramount dem von Netflix überlegen ist.

Netflix hätte vier Tage Zeit gehabt, um mit einem ebenfalls verstärkten Angebot nachzulegen. Doch der Streaming-Dienst verzichtet: „Wir waren immer diszipliniert“, schreibt Netflix in einer Mitteilung. Der Preis, den Paramount mittlerweile für Warner bietet, sei finanziell für Netflix nicht mehr attraktiv.

„Wir sind überzeugt, dass wir starke Hüter der kultigen Marken von Warner Bros. gewesen wären“, schreibt Netflix weiter. Der Deal hätte die Unterhaltungsindustrie gestärkt und mehr Arbeitsplätze in den USA geschaffen. Aus Sicht von Netflix sei Warner aber stets ein „nice to have“ gewesen – nur dann eine gute Option, wenn der Preis stimmt.

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Nun könnte Warner Bros. also doch von Paramount übernommen werden: Die Medienfirma hat sich mit einem feindlichen Übernahmeangebot zurück ins Rennen gebracht, nachdem vorherige Angebote von Warner ausgeschlagen worden waren. Der Warner-Vorstand hatte sich stattdessen mit Netflix geeinigt und wochenlang daran festgehalten, dass Netflix der bessere Partner wäre.

Über das Paramount-Angebot hatte der Warner-Vorstand Bedenken. Unter anderem machte den Vorstand der geringe Eigenkapitalanteil Paramounts skeptisch. Ein großer Teil des Gelds wird von Private-Equity-Firmen und Staatsfonds aus Saudi-Arabien und Katar gestemmt. Die Private-Equity-Firma von Trump-Schwiegersohn Jared Kushner, die sich am ersten feindlichen Paramount-Angebot beteiligt hatte, hat sich mittlerweile zurückgezogen.

Weil Paramount das Angebot wiederholt verbesserte und sich Warner dem Druck von Aktionären ausgesetzt sah, trat die Medienfirma dann doch in Verhandlungen mit Paramount. Die Anfang der Woche vorgelegte Dealstruktur sieht vor, dass Paramount 31 US-Dollar pro Aktie zahlt. Zudem bietet Paramount 7 Milliarden US-Dollar für den Fall, dass eine beschlossene Übernahme aufgrund regulatorischer Hindernisse nicht zustande kommt. Die Übernahme muss noch von Kartellhütern genehmigt werden.

Auch die US-Medienbehörde FCC hat ein Wort mitzureden. Während Netflix nur an der Unterhaltungssparte inklusive Streaming-Dienst HBO Max interessiert war, will Paramount die komplette Firma übernehmen. Paramount hat also auch Interesse am Nachrichtengeschäft von Warner Bros. Discovery, zu dem CNN und TNT gehören. Paramount-CEO David Ellison ist der Sohn von Larry Ellison, der dem US-Präsidenten Donald Trump nahesteht. Senatoren der republikanischen Partei haben Netflix-CEO Sarandos vor wenigen Wochen in einer Anhörung vorgeworfen, Netflix sei „woke“.

Ein Trostpreis für Netflix: Laut der ursprünglichen Vereinbarung steht dem Streaming-Dienst nun eine Break-up-Fee von 2,8 Milliarden US-Dollar zu, weil der vereinbarte Deal wegen eines Konkurrenzangebots nicht zustande kommt. Paramount hat Warner in seinem jüngsten Angebot zugesichert, diese Summe selbst zu zahlen. Die Aktionäre von Warner Bros. Discovery werden am 20. März über das Übernahmeangebot abstimmen.

(dahe)