Rubin Observatory findet 800.000 Veränderungen am Nachthimmel – in einer Nacht

Das neue Vera C. Rubin Observatory verschickt jetzt automatisch Hinweise, wenn sich am Sternenhimmel etwas ändert. In der ersten Nacht waren es 800.000.

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Zeichnung des Teleskops unter dem Sternenhimmel, an dem überall kleine Punkte mit der Beschriftung "Data Alert"

Ein Nachthimmel voller Ereignisse

(Bild: NSF–DOE Vera C. Rubin Observatory/NOIRLab/SLAC/AURA/P. Marenfeld/J. Pinto)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Das neue Vera C. Rubin Observatory verschickt jetzt automatisiert Hinweise auf Veränderungen am Sternenhimmel, allein in der ersten Nacht sind 800.000 dieser Warnmeldungen abgesetzt worden. Damit seien Astronomen und Astronominnen auf bislang unbekannte Asteroiden, explodierende sowie veränderliche Sterne aufmerksam gemacht worden, schreiben die Verantwortlichen. Erwartet wird, dass bald sieben Millionen solcher Hinweise pro Nacht generiert werden, und zwar nur wenige Minuten nach der jeweiligen Entdeckung. Das liegt auch an der immensen Leistungsfähigkeit des Instruments, das allein im ersten Betriebsjahr mehr astronomische Objekte abbilden soll, als alle optischen Teleskope der Menschheitsgeschichte zusammen. Die Erwartungen sind entsprechend groß.

Das Hinweissystem wurde so entwickelt, dass jeder und jede „interessante astronomische Ereignisse rechtzeitig erkennen und zeitkritische Folgebeobachtungen schnell durchführen kann“, erklärt der Chef der dafür verantwortlichen Projektgruppe jetzt. Eric Bellm weist darauf hin, dass das neue Observatorium jede Nacht 10 Terabyte an Bildern des Nachthimmels schießt, aus denen die relevanten Informationen möglichst schnell extrahiert werden müssen. Für die jetzt in Betrieb genommene Pipeline seien Jahre an „technischen Innovationen in den Bereichen Bildverarbeitungsalgorithmen, Datenbanken und Datenorchestrierung erforderlich“ gewesen. Jetzt könne man es kaum erwarten zu sehen, welche spannende Wissenschaft aus diesen Daten entstehe.

Fünf Supernovae, die das Observatorium entdeckt hat

(Bild: NSF–DOE Vera C. Rubin Observatory/NOIRLab/SLAC/AURA Acknowledgement: Alert images with classifications provided by ALeRCE and Lasair.)

Anlässlich des Meilensteins rufen die Verantwortlichen des Teleskops in Erinnerung, dass alle Bilder, die es aufnimmt, automatisch mit einem Vorlagenbild abgeglichen werden. Das wird aus früheren Bildern desselben Himmelsausschnitts erstellt und von der neuen Aufnahme abgezogen. Übrig bleiben lediglich die Veränderungen, jede löst innerhalb von zwei Minuten einen Hinweis aus. Zumeist gehen die auf explodierende Sterne, aktive Galaxienkerne, variable Sterne oder schnell über den Himmel rasende Objekte aus dem Sonnensystem zurück. Anhand der Warnmeldungen können die schnell mit anderen Geräten überprüft werden. Vorher werden sie aber von Algorithmen vorgefiltert, um die wirklich interessanten Signale zu finden. Das machen sogenannte Broker und deren Warnmeldungen sind öffentlich einsehbar.

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Das Vera C. Rubin Observatory steht in Chile, das Herzstück ist die weltweit größte Digitalkamera. Die heißt Legacy Survey of Space and Time (LSST) und hat ein Sensorfeld aus 201 individuellen CCD-Sensoren mit jeweils 16 Megapixeln. In ihrem Observatorium wird die gigantische Digitalkamera von einem Spiegel mit einem Durchmesser von 8,4 Metern und einem besonders großen Sichtfeld profitieren. So wird sie den kompletten Nachthimmel alle drei bis vier Nächte komplett abfotografieren und innerhalb von zehn Jahren den größten Zeitraffer des Sternenhimmels erstellen, den es je gegeben hat. Damit soll sie später im Jahr beginnen, heißt es jetzt noch.

Benannt ist das neue Observatorium nach der Astronomin Vera C. Rubin, die unser Verständnis von Galaxien revolutioniert und entscheidend zur Beschreibung der sogenannten Dunklen Materie beigetragen hat. Sie gehört zu den bedeutendsten Forscherinnen des vergangenen Jahrhunderts. Zudem setzte sie sich entschieden für die Gleichstellung von Frauen in der Wissenschaft ein. Die 2019 verstorbene Astronomin hat eine Reihe renommierter Auszeichnungen bekommen, der Nobelpreis blieb ihr aber verwehrt. Nun lebt ihr Name an einem der wichtigsten Forschungsinstrumente überhaupt weiter.

(mho)