S/4HANA: Manche Firmen planen Umstieg erst Ende 2030

SAP bleibt fĂĽr Anwenderunternehmen laut DSAG-Report relevant. Investitionen erfolgen aktuell allerdings gezielter und kritischer.

vorlesen Druckansicht 4 Kommentare lesen
SAP-Buchstaben an einem Glasgebäude

(Bild: Kittyfly / Shutterstock.com)

Lesezeit: 5 Min.
Inhaltsverzeichnis
close notice

This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Der jüngste Investitionsreport der deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) zeigt, dass auch in diesem Jahr viele Unternehmen mehr Geld in ihre SAP-Landschaft investieren. Allerdings sind es weniger als noch in den Vorjahren. Konkret beabsichtigen 43 Prozent der befragten Firmen, ihr SAP-Budget zu steigern, 26 Prozent wollen es unverändert halten und 28 Prozent senken.

Zum Vergleich: 2025 und 2024 wollten 47 Prozent beziehungsweise 46 Prozent mehr Geld in die Hand nehmen. Nach Ansicht von DSAG-Vorstand Jens Hungershausen spiegelt die Entwicklung der Budgets den anhaltenden wirtschaftlichen Druck wider, unter dem viele Unternehmen derzeit stehen.

„Energiepreise, geopolitische Unsicherheiten und ein angespanntes Marktumfeld führen dazu, dass Investitionen kritischer hinterfragt und teilweise verschoben werden – auch im SAP-Umfeld“, beschreibt Hungershausen die Situation. Aus Sicht der Anwendergruppe würden die Unternehmen gezielter investieren, ohne den Walldorfer Softwarekonzern grundsätzlich infrage zu stellen.

Die Antworten auf die Frage nach der Bedeutung von SAP für die künftige Ausrichtung bestätigen jedenfalls die Ergebnisse aus den Vorjahren. 36 Prozent gaben demnach an, dass die Relevanz zunimmt, bei 48 Prozent bleibt sie gleich und bei 16 Prozent nimmt sie ab. Allerdings wird gleichfalls deutlich, dass Investitionen in SAP heute selektiver und stärker unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten priorisiert werden.

(Bild: DSAG)

So führten jeweils 79 Prozent der Befragten die Wirtschaftlichkeit und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als stark beeinflussenden Faktor bei SAP-Investitionsentscheidungen an. 70 Prozent nannten auch SAPs Lizenz- und Vertragsgestaltung als ausschlaggebend. Produktnahe Aspekte wie Komplexität der Systemlandschaft (54 Prozent), SAP-Produktplanung (51 Prozent) oder Komplexität des Portfolios (38 Prozent) wurden dagegen von deutlich weniger Unternehmen genannt.

Der aktuelle DSAG-Report bestätigt zudem die On-Premises-Vorliebe der Anwender in der DACH-Region, die nur bedingt der Produktpolitik ihres Softwarelieferanten entspricht. Hohe und mittlere Investitionen in S/4HANA (on Premises) planen beispielsweise 42 Prozent der Befragten, während 22 Prozent dies für die Private-Cloud-Variante und sechs Prozent für die Public-Cloud-Version vorhaben. Dazu passt, dass sich lediglich 35 Prozent bei der Investitionsplanung stark oder sehr stark an dem Zielbild der „neuen“ SAP Business Suite (Cloud-ERP, Business AI, Business Data Cloud und Business Technology Platform) orientieren. Bei 62 Prozent ist dies weniger stark oder gar nicht der Fall.

Für die betagte ERP-Generation ECC planen übrigens mit zehn Prozent mehr Unternehmen hohe und mittlere Investitionen als für die Public-Cloud-Variante. Fast die Hälfte dieser Gruppe gab an, die Umstellung auf S/4HANA bis Ende 2030 zu planen. Das heißt, sie nehmen den Wechsel nach 2027 in den Extended Maintenance gegen Aufpreis buchstäblich in Kauf. 37 Prozent wollen den Umstieg bis Ende der Mainstream-Wartung gestemmt haben. Vier Prozent avisieren die Umstellung bis Ende 2033 unter Einbezug der SAP ERP, Private Edition, Transition Option. Ein Prozent beabsichtigt, auf die Wartung von Drittanbietern zurückzugreifen.

Dass einige Unternehmen den Umstieg auf S/4HANA erst bis 2030 planen, darf laut Hungershausen nicht mit einer grundsätzlich abwartenden Haltung verwechselt werden. Vielmehr würden die Firmen aufgrund der Komplexität ihrer Systemlandschaften einfach mehr Zeit benötigen. „Auch Fachkräftemangel, parallele Transformationsprojekte und begrenzte Budgets führen dazu, dass Zeitpläne nach hinten geschoben werden – selbst wenn dies höhere Wartungskosten zur Folge hat“, erklärt der DSAG-Vorstand.

KI, genauer KI von SAP, spielt unter den Teilnehmern noch eine vernachlässigbare Rolle. 43 Prozent gaben an, bereits KI-Use-Cases umgesetzt zu haben, während 51 Prozent noch keine realisiert haben. Von den KI-Umsetzern sind 77 Prozent mit Non-SAP-Lösungen in Produktion bzw. Nutzung unterwegs. Lediglich drei Prozent setzen hier auf Produkte der Walldorfer. 65 Prozent befinden sich mit Non-SAP-Lösungen in der Testphase, bei SAP-Lösungen sind es acht Prozent. Und einen Proof-of-Concept führen 62 Prozent mit Non-SAP-Lösungen und 26 Prozent mit SAP-Software durch.

Aus DSAG-Perspektive unterstreichen die Ergebnisse, dass der KI-Einsatz in den Unternehmen im Rahmen von konkreten Use-Cases noch nicht flächendeckend verbreitet ist. Während KI-Lösungen Dritter derzeit häufig den schnelleren Zugang ermöglichen, besteht bei SAP-basierten KI-Szenarien weiterhin Zurückhaltung – nicht zuletzt aufgrund von komplexen Lizenzmodellen und heterogenen Systemlandschaften.

Videos by heise

Zu beachten ist: Der diesjährige Investitionsreport-Fragebogen wurde von der Anwendergruppe DSAG wieder in Eigenregie versendet und nicht wie im Vorjahr von SAP. Dies hat zur Folge, dass nun wieder tendenziell weniger größere Unternehmen zum Adressatenkreis zählten und als Branche die Öffentliche Verwaltung stärker vertreten ist. Dementsprechend ist der aktuelle Investitionsreport eher mit dem von 2024 vergleichbar als mit dem von 2025.

(axk)