Heilberufsausweise: „Tauschaktion ist Zeichen für nicht funktionierende Technik“

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung kritisiert den erneuten Massentausch elektronischer Heilberufsausweise und das daraus resultierende Chaos scharf.

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Tastatur mit einem Finger auf der Enter-Taste. Daneben eine schematische Darstellen eines Formularfelds.

(Bild: janews/Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) kritisiert das Chaos rund um den Austausch der elektronischen Heilberufsausweise (eHBA). Ärztinnen und Ärzte benötigen den eHBA, der fünf Jahre gültig ist, unter anderem, um E-Rezepte und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen elektronisch signieren zu können. Nach Sicht von Dr. Sibylle Steiner, Vorstandsmitglied bei der KBV, ist die Tauschaktion „ein Zeichen dafür, dass die Technik der TI nach wie vor nicht reibungslos im Hintergrund läuft“. Bereits die Umstellung des Verschlüsselungsverfahrens sei „ein Riesenakt gewesen“ und habe die Praxen „viel Zeit und Geld gekostet“. Jetzt zeigten sich „immer wieder neue Schwachstellen“, sodass Praxen abermals tätig werden müssten – „ganz abgesehen von den ständigen TI-Ausfällen“.

Konkret betrifft es eHBA der Generation 2.1, die ausgetauscht werden müssen, auch wenn sie teilweise nur wenige Monate alt sind. Die KBV appelliert an die Betroffenen, „der Aufforderung ihres Anbieters nachzukommen und umgehend eine Austauschkarte beziehungsweise Folgekarte zu beantragen“.

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Hintergrund ist unter anderem die Umstellung der Telematikinfrastruktur auf Elliptic Curve Cryptography (ECC). Andere Komponenten wie TI-Konnektoren sind bereits „ECC-ready“. Karten, die das ECC-Verfahren nicht unterstützen, sind ab dem 1. Juli „nicht mehr nutzbar“. Da weiterhin mit einem erhöhten Auftragsaufkommen bei den Herstellern zu rechnen sei, sollten vom Tausch Betroffene nicht länger mit der Bestellung warten.

Aufgrund von Produktions- und Lieferproblemen der Kartenhersteller im vergangenen Jahr hatte die KBV eine Fristverschiebung durchsetzen können. Ursprünglich sollten alle nicht ECC-fähigen Karten bereits Ende 2025 ersetzt werden. Jedoch kamen die Hersteller mit der Produktion nicht hinterher.

Zusätzlich müssen auch bereits ECC-fähige Karten bestimmter Anbieter getauscht werden. Betroffen sind eHBA der Generation 2.1 von D‑Trust und SHC+Care, die auf Karten des Herstellers Idemia mit Infineon-Chips basieren. Für diese Chips war eine Schwachstelle bekannt geworden, die inzwischen geschlossen ist. Betroffene Ausweise sind auf der Rückseite am Schriftzug „Idemia“ zu erkennen. D‑Trust teilt mit, diese Kunden würden direkt per E-Mail informiert und „brauchen nicht selbst aktiv werden“. Zudem entstünden „keine Kosten“, wenn der eHBA in diesem Zusammenhang ausgetauscht werde und keine Änderungen an den Zertifikatsdaten vorgenommen würden. Auch SHC+Care informiert seine Kunden.

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Mitte 2025 gaben die Hersteller noch bald auslaufende Karten aus, um die Versorgung nicht zu gefährden: „Erstens bestand für Nutzer:innen keinerlei Risiko (was uns doppelt gerichtlich bestätigt wurde) und zweitens hätte ein sofortiger, vollständiger und monatelanger Ausgabestopp die Versorgung der Heilberufler:innen mit eHBA und damit den medizinischen Praxisbetrieb massiv gefährdet – insbesondere, da mehrere der lediglich vier zertifizierten Anbieter betroffen waren,“ heißt es von SHC+Care. Wie viele Karten bundesweit konkret getauscht werden müssen, wollen D-Trust und SHC allerdings nicht sagen. Die Ärztekammer Hessen spricht von rund 50.000 Karten und bezieht sich dabei auf Informationen der Bundesärztekammer. Die Bundesärztekammer verweist auf Nachfrage allerdings an die Hersteller.

Vor wenigen Tagen wurde zudem bekannt, dass auch Karten des Anbieters Medisign erneut ausgetauscht werden müssen. Auf Anweisung der Gematik wurde die Ausgabe am 18. Februar 2026 gestoppt. Betroffen sind alle seit dem 1. Januar 2026 ausgegebenen eHBA der Generation 2.1, die als „ECC-only“ deklariert sind. Nach Angaben der Gematik hatte sich Medisign nicht an die Spezifikationen gehalten.

Bei diesen Karten wurde im Personalisierungsprozess zusätzlich ein RSA-Zertifikat erzeugt, obwohl der RSA-Schlüssel nicht wie vorgeschrieben zum 01. Januar 2026 deaktiviert wurde, wie auch die Ärztekammer Hessen informiert. Laut Medisign liegt „kein Sicherheitsproblem“ vor, vielmehr könne es „zu Problemen bzgl. der Interoperabilität mit Konnektoren kommen“. Alle betroffenen Karteninhaber würden per E-Mail über den Austausch informiert, eine erneute Antragstellung und Identifizierung sei nicht erforderlich.

Ärztinnen und Ärzte sind durch Lieferprobleme, Fehlkonfigurationen und Sicherheitslücken verunsichert. Darüber hinaus entsteht ihnen zusätzlicher organisatorischer Aufwand – unter erheblichem Zeitdruck. Ohne funktionsfähigen eHBA lassen sich zentrale Anwendungen der TI wie E‑Rezept oder elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab Juli nicht mehr digital ausstellen.

(mack)