Schweiz: Die E-ID kommt später
Die Einführung der elektronischen Identitätskarte in der Schweiz verschiebt sich vom Sommer auf voraussichtlich Ende des Jahres 2026. Sicherheit soll vorgehen.
(Bild: Shutterstock.com/Kitinut Jinapuck)
Der elektronische Ausweis der Schweiz, die E-ID, kommt Ende dieses Jahres, später als gedacht – dafür aber mit Anpassungen und zusätzlichem Fokus auf Sicherheit und Akzeptanz. Das hat die Schweizer Regierung, der Bundesrat, bekanntgegeben. Im September 2025 entschieden sich die Schweizer Bürgerinnen und Bürger in einer Volksabstimmung mit denkbar knapper Zustimmung für die Einführung der E-ID.
Staat vor Privat
Schon einmal, heute vor fast fünf Jahren, wurde über die Einführung einer staatlichen elektronischen Identitätskarte abgestimmt. Die damalige E-ID Version 1.0 sollte jedoch von Privatunternehmen herausgegeben werden, was von den Stimmbürgern mit über 64 Prozent deutlich abgelehnt wurde. Bei der Abstimmung im vergangenen Jahr hat es mit 50,39 Prozent gerade mal gereicht, doch die Akzeptanz eines elektronischen Ausweises war erneut niedrig: Diverse Kritikpunkte und Bedenken blieben trotz oder eher wegen des verhaltenen Ja zur Bereinigung, etwa hinsichtlich des Datenschutzes und der Sicherheit. Diese sollten, so wollte es der Bundesrat nach der letzten Abstimmung, vom Bundesamt für Justiz (BJ) aus der Welt geschafft werden.
Am Mittwoch lieĂź sich der Bundesrat ĂĽber die bereits ausgefĂĽhrten sowie geplanten Anpassungen informieren und gab anschlieĂźend bekannt, dass die neue E-ID voraussichtlich ab dem 1. Dezember 2026 eingesetzt werden kann. UrsprĂĽnglich war der Sommer 2026 anvisiert worden.
Videos by heise
Die E‑ID basiert auf einem staatlichen Wallet („Swiyu“-App) und soll digitale Identitätsnachweise ermöglichen – etwa für den Zugang zu Online‑Diensten (Altersverifikationen) oder den Bezug von amtlichen Dokumenten. Dementsprechend ist sie auch ein Schlüsselprojekt der digitalen Verwaltung.
SicherheitslĂĽcken und VertrauenswĂĽrdigkeit im Fokus
Im Fokus der zusätzlichen Maßnahmen, die nun zügig angegangen und fortgesetzt werden sollen, stehen das Schließen von Sicherheitslücken sowie die Erhöhung der Vertrauenswürdigkeit bei der Nutzung der E-ID und der dazugehörigen Infrastruktur. So wird es laut aktuellen Plänen des Bundes nur noch für gesetzlich berechtigte Anbieterinnen möglich sein, die AHV-Nummer (Rentenversicherung) der Nutzenden abzufragen. Unautorisierte Anfragen sollen von der Swiyu-Wallet automatisch blockiert werden.
Außerdem würden Anbieter verpflichtet, im Vorhinein ihre gewünschten Datenabfragen und deren Zweck in einem öffentlich zugänglichen Register des Bundes zu hinterlegen, teilt der Bundesrat in einer Medienmitteilung mit. Fehle die Registrierung oder verlange der Anbieter zu viele Informationen über die Nutzenden, erhalten diese in ihrer Swiyu-Wallet eine Warnung und können beim Bundesamt für Justiz eine entsprechende Missbrauchsmeldung machen. Eine „fehlbare Anbieterin“ könne „das BJ als letzte Maßnahme vom E-ID-System und der Vertrauensinfrastruktur ausschließen“, heißt es.
Grundsätzlich soll für die E-ID-Inhaber:innen mehr Transparenz hergestellt werden. Vorgesehen seien auch Hinweise und Warnungen in der Swiyu-Wallet, durch die sich die Nutzenden schnell und unkompliziert über die Vertrauenswürdigkeit der Anbieter informieren könnten, teilt der Bund mit.
Planung und Ausführung mit Schwächen
Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) äußerte Mitte Februar zudem einige Kritik und Bedenken hinsichtlich der sicheren und termingerechten Einführung des digitalen Identitätsausweises. Vor allem gebe es noch Sicherheitslücken, etwa bei der Verschlüsselung der Nutzdaten, die bei der Ausstellung der E-ID zwischen den daran Teilnehmenden übermittelt werden und grundsätzlich Ende-zu-Ende verschlüsselt werden müssten. Die EFK zeigte sich „jedoch überrascht, dass die entsprechende Konzeption der Nutzdatenverschlüsselung bei der E-ID noch nicht abgeschlossen ist“. Beim Projekt „Vertrauensinfrastruktur“ sei noch nicht einmal die Entwicklung einer Verschlüsselungskonzeption konsequent angegangen worden. Die Planungsunterlagen sahen ursprünglich einen Abschluss dieser Aufgaben bis Ende 2025 vor.
Als Vertrauensinfrastruktur wird die technische Plattform bezeichnet, die für die Prozesse beim Einsatz (Ausstellung, Speicherung und Verarbeitung) der E-ID vom Bund zur Verfügung gestellt wird. Die Vertrauensinfrastruktur ist offen gestaltet, sodass auch andere elektronische Nachweise darin abgebildet werden können, wie etwa der elektronische Lernfahrausweis der Schweiz (eLFA) der bereits seit Anfang des Jahres in der Swiyu-App ausgestellt wird.
Aufgrund der noch offenen Aufgaben empfahl das EFK letztlich, die Verschiebung des E-ID-Starttermins in Betracht zu ziehen, was nun auch beschlossen wurde.
(kbe)