Motorola und GrapheneOS arbeiten für sichere Android-Smartphones zusammen
Nicht mehr nur Pixel-exklusiv: Der Smartphone-Hersteller Motorola und die GrapheneOS-Entwickler machen künftig gemeinsame Sache.
Motorola-Smartphones bald optional mit GrapheneOS.
(Bild: Motorola (bearbeitet))
GrapheneOS wird künftig Smartphones von Motorola unterstützen. Die GrapheneOS-Entwickler sagten schon im Oktober 2025, dass man mit einem großen Hersteller zusammenarbeite, um das sichere Custom-ROM auf Smartphones abseits von Googles Pixel-Geräten anzubieten. Im Zuge des Mobile World Congress in Barcelona 2026 hat Motorola sich als dieser große Hersteller enthüllt.
Bislang konnte GrapheneOS ausschließlich auf Pixel-Smartphones installiert werden, da Googles Geräte am regelmäßigsten mit Sicherheitspatches versorgt werden und sie den weiteren hohen Anforderungen des gehärteten Betriebssystems entsprechen. Google hatte in den vergangenen Monaten die Entwicklung von Android weitgehend umgestellt, was der Custom-ROM-Entwicklung für unabhängige Entwickler große Hürden in den Weg legte. Mit einem Hardwarepartner ist dies wesentlich einfacher.
GrapheneOS für Motorola
Wie Motorola erklärt, will der Hersteller mithilfe von GrapheneOS die Smartphone-Sicherheit neu definieren. Dank des Custom-ROMs erhalten Geräte, die mit GrapheneOS ausgestattet sind, einen „verstärkten Sicherheitskern“ und „Schutz vor komplexen Bedrohungen“. Überdies steht „Privatsphäre an erster Stelle“. Zudem verspricht der Hersteller, dass GrapheneOS eine bessere Kontrolle über Nutzerdaten biete und Nutzerinnen und Nutzer granularer festlegen können, welche Daten das Gerät verlassen.
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Motorola verspricht, dass das Unternehmen durch die Partnerschaft „spezielle hochsichere Geräte“ anbieten könne, die unter anderem auch in Unternehmen, Behörden und Co. eingesetzt werden können.
GrapheneOS ist bekannt dafür, dass es mehr Privatsphäre bietet als reguläre Android-Versionen und gleichzeitig weniger Funktionseinschränkungen mitbringt als andere Systeme: Denn während bei anderen Custom-ROMs unter anderem Homebanking-Apps streiken, Spiele oder Streamingdienste nicht starten, läuft GrapheneOS (fast) wie ein offizielles Android von Google. Hierfür können Nutzer auf Wunsch das ab Werk Google-freie Custom-ROM mit Google-Diensten versehen, aber mit mehr Privatsphäre. Denn GrapheneOS kann die originalen Google-Play-Dienste in einer Sandbox ausführen, wo sie wie normale Apps nur eingeschränkte Rechte haben – kein Systemzugriff, keine Vollmacht über alle Daten.
Erstes Modell mit High-End-Hardware erwartet
Motorola sagt in seiner Ankündigung nichts zur Hardwareausstattung – lediglich, dass man weitere Details erst später verraten möchte. GrapheneOS hatte seine Anforderungen schon im Oktober geäußert. Damals sagte ein GrapheneOS-Moderator in einem Subreddit, dass man hinsichtlich der Hardware auf bereits existierende Geräte setzen werde, wobei diese mit einem High-End-Snapdragon-Chip ausgestattet sein sollen, „um beste Sicherheit und Support-Zeiten zu gewährleisten“. Laut dem Moderator kommt offenbar Qualcomms aktueller Snapdragon 8 Elite Gen 5 zum Einsatz, der erst Ende September 2025 enthüllt wurde. Ein erstes potenzielles Motorola-Gerät mit GrapheneOS könnte daher das im Januar eingeführte Signature sein. Das Gerät ist nicht nur mit besagtem Snapdragon-Chip bestückt, sondern auch das erste von Motorola, das sieben Jahre Softwareupdates erhalten soll.
Weiter sagte der GrapheneOS-Moderator damals, dass die Snapdragon-Chips „eine deutlich bessere CPU- und GPU-Leistung als Pixel-Geräte“ lieferten. Zudem stecke in Snapdragon-SoCs „hochwertige Wi-Fi-, Bluetooth-, GNSS- und Mobilfunkunterstützung“ sowie eSIM-Support und andere Funktionen.
Google erschwert Custom-ROM-Entwicklung
Google erschwert die Entwicklung von Custom-ROMs nicht nur für die Pixel-Geräte seit Monaten: Mit der Veröffentlichung von Android 16 hatte Google zwar den Quellcode der neuen OS-Version auch im Android Open Source Project (AOSP) freigegeben, mit dem unabhängige Entwickler ihre eigenen Forks des Betriebssystems unter der recht freizügigen Apache-2.0-Lizenz kompilieren können. Jedoch hatte der Konzern die bislang gleichzeitig veröffentlichten Device-Trees, Treiber-Binärdateien und die vollständige Kernel-Quellcode-Commit-Historie nicht veröffentlicht. Damit legt Google Android-Entwicklern von Custom-ROMs wie GrapheneOS, /e/OS oder LineageOS Steine in den Weg.
Die neue Partnerschaft zwischen Motorola und GrapheneOS erinnert ein wenig an die Kooperation zwischen OnePlus und dem Custom-ROM CyanogenMod: Die beiden hatten sich zusammengetan, um zunächst das OnePlus One mit dem Custom-ROM auszustatten. Die Kooperation war leider von kurzer Dauer, da unter anderem OnePlus die Entwicklung seiner eigenen Android-Oberfläche OxygenOS priorisierte: Aus Cyanogenmod wurde schließlich vor nunmehr zehn Jahren LineageOS.
(afl)