Android XR: Googles smarte Brille mit integriertem Display kurz ausprobiert
Smarte Brillen mit Googles Android XR und integriertem Display stehen kurz vor der Einführung. Wir hatten die Möglichkeit, sie auf dem MWC kurz auszuprobieren.
Smarte Brille mit Display und Android XR kurz ausprobiert.
(Bild: Andreas Floemer / heise medien)
Keine Fotos, bitte! Auf dem MWC 2026 in Barcelona lässt Google die Messebesucher Android XR auf einer smarten Brille mit integriertem Bildschirm ausprobieren. Laut dem Unternehmen ist es das erste Mal, dass Google die Brille einer breiteren Masse an Menschen bereitstellt. Die Demo ist zwar kurz – etwa 10 bis 15 Minuten –, sie zeigt aber schon erste Möglichkeiten des neuen Betriebssystems für die Nase auf.
Prototyp
Google stellte gleich vor dem Ausprobieren klar, dass es sich derzeit noch um einen Prototyp handelt und man keine Fotos der Brille machen dĂĽrfe. Die Brille sieht derweil ein wenig so aus wie jene, die der Konzern schon auf der Google I/O im Mai 2025 ausprobieren lieĂź. Die Prototypen damals stammten von Samsung.
(Bild:Â Google)
Das zum Ausprobieren bereitgestellte Gerät besteht aus einem schlichten schwarzen Gestell mit einem Waveguide-Display im rechten Glas, das dazu in der Lage ist, viele Farben anzuzeigen. Im rechten Bügel ist auf der Außenseite zudem eine berührungsempfindliche Bedienoberfläche, mit der man den Chatbot Gemini Live starten kann. Auch Lautsprecher und Mikrofone sind integriert, unter anderem, um die Antworten von Gemini zu hören und gehört zu werden. Zudem ist für die Erfassung der Außenwelt noch eine Kamera integriert.
Eigenständig ist die Brille nicht, sie wird mit einem Android-Smartphone gekoppelt, das Rechenleistung und Datenverbindung liefert. Vorteil dieses Ansatzes ist, dass der kleine integrierte Akku von diesen Aufgaben entlastet wird und länger laufen kann. Konkrete Angaben dazu macht Google nicht, letztlich handelt es sich bei den Brillen mehr um einen Technologieträger als ein finales Produkt. Schwer ist die Brille, die ein wenig an eine Ray Ban Wayfarer oder ähnliche klassische Gestelle anmutet, übrigens nicht, sie sitzt angenehm auf der Nase und drückt auch nicht an den Ohren.
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Nano Banana an Bord
Auf einem Messestand können zwar nicht alle Funktionen der Brille demonstriert werden, die Google sich künftig vorstellt. Der Hersteller hatte bereits vor Monaten ein Video veröffentlicht, das zeigt, was mit der KI-Brille möglich sein soll. Allerdings erhalten wir so zumindest einen Blick auf die reduzierte Bedienoberfläche und darauf, wie es sich anfühlt, mit Gemini über die Außenwelt zu reden.
In einer kleinen Bude auf dem „Android Plaza“, den Google seit Jahren zwischen den Messehallen aufbaut, stehen Requisiten wie Bücher, Plattenspieler und anderes in einem Regal. An der Wand hängt ein Bild von Barcelonas Fußballstadion Camp Nou. Mit Blick auf das Foto frage ich Gemini nach einem längeren Druck auf die Touch-Fläche am Bügel auf Englisch: „Wie viele Besucher passen in das Stadion“ („Whats the capacity?“). Der Chatbot denkt kurz nach und antwortet recht ausführlich, dass es sich um das Stadion Camp Nou handelt und es sich derzeit im Umbau befindet. Geplant ist eine Kapazität von 105.000 Besuchern. Korrekt. Um Gemini zu pausieren, tippt man wiederum auf den Steg und es herrscht Ruhe. Mit Gemini auf der Nase hat man quasi das Wissen des Internets stets griffbereit und muss sein Telefon nicht aus der Tasche holen.
In einem weiteren Beispiel der kurzen Demo geht es um Googles KI-Bildgenerierung Nano Banana: Hiermit können etwa Dinge über Augmented Reality in die reale Welt projiziert und sogar verändert werden. Wie sich in der Demo zeigte, kann man sogar den Anblick von Menschen manipulieren. Ein Google-Mitarbeiter hatte sich dafür zur Verfügung gestellt: Ein entschlossener Befehl: „Mache ein Bild und verwandle die Person in Darth Vader“ funktionierte: Nach einer gewissen Rechenzeit stand plötzlich der Star-Wars-Charakter im Raum. Diese Funktion wirft indes Fragen auf: Ist das nicht schon eine Copyright-Verletzung, und kann ich damit andere Personen nicht einfach einen virtuellen Bikini anziehen lassen? Hier muss Google entsprechende Sicherheitsmechanismen integrieren, damit die Funktion nicht ähnlich wie bei xAIs Grok missbraucht wird.
Laut Google sollen erste Brillen mit Android XR mit und ohne Waveguide noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Google selbst plant zunächst nicht, in den Markt mit eigenen Brillen einzusteigen. Stattdessen sollen neben Samsung Brillenhersteller wie Warby Parker und Gentle Monster entsprechende Produkte anbieten.
Günstig dürften erste Generationen der Android-XR-Brillen mit Waveguide nicht werden: Ein ähnliches Produkt, die X3 Pro, von TCL mit farbigem Bildschirm, könnte um die 1500 Euro kosten – inklusive Korrekturgläsern dürfte der Preis noch höher ausfallen.
(afl)