„Wir leiden unter völliger Stille“: Jüngste Internetsperrung im Iran dauert an

Seit Beginn der Luftangriffe auf den Iran gibt es in dem Land einmal mehr keinen Internetzugang. Jetzt wird vor den Folgen gewarnt, Berichte klingen dramatisch.

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Iranische Flagge

(Bild: esfera/Shutterstock.com)

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Die jüngste Internetsperrung im Iran dauert jetzt schon wieder über 70 Stunden an und Experten warnen vor den möglicherweise dramatischen Folgen für die rund 87 Millionen Menschen in der Islamischen Republik. Die Organisation Netblocks hat jetzt in Erinnerung gerufen, dass Internetsperren eine „gängige Taktik des Regimes“ in Teheran seien, bei der bislang letzten seien damit „schwere Menschenrechtsverletzungen“ verschleiert worden. Aktuell würden die Menschen dadurch von der Außenwelt abgeschnitten und hätten keinen Zugang zu wichtigen Informationen für ihre Sicherheit und für das Bewusstsein um Vorgänge in ihrer Umgebung. Während der aktuellen Eskalation könnten sie zudem keinen Kontakt zu Angehörigen im Ausland herstellen.

Dass im Iran einmal mehr das Internet komplett gesperrt wurde, hat Netblocks am Samstag beobachtet. Auch bei Cloudflare kann eingesehen werden, dass der Internetverkehr aus dem Land am Samstagmorgen komplett eingebrochen ist. Die Blockade wurde also kurz nach Beginn der israelischen und US-amerikanischen Luftangriffe auf den Iran verhängt. Bei denen wurde unter anderem das Staatsoberhaupt Ali Chamenei getötet, in der Folge hat der Iran begonnen, Staaten in der ganzen Region mit Drohnen und Raketen anzugreifen. Getroffen wurden unter anderem zwei Rechenzentren der Amazon-Tochter AWS, die angerichteten Schäden wurden bislang nicht behoben.

Die Warnungen von Netblocks zu den möglichen Folgen der Internetsperre ruft jetzt vor allem jene Internetblockade aus dem Januar in Erinnerung, die als längste der Islamischen Republik gilt. Sie war nach Massenprotesten gegen das Regime verhängt worden, unmittelbar nach Beginn der Sperrung waren dessen Kräfte mit größter Brutalität gegen die Demonstrierenden vorgegangen. Das gesamte Ausmaß der Gewalt ist weiterhin unklar, aber Berichte aus dem Land haben darauf hingedeutet, dass dort in nur zwei Tagen mehr als 30.000 Menschen getötet wurden. Aktuell gibt es aber keine Hinweise auf massenhafte Proteste, das Regime dürfte mit der jetzigen Blockade vor allem versuchen, mögliche Unruhen nach der Tötung von Chamenei im Keim zu ersticken.

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Auf dem Kurznachrichtendienst X hat jemand vorgeblich aus dem Iran jetzt geschrieben: „Eines der schlimmsten Dinge ist die Ungewissheit. Das Internet ist komplett abgeschaltet. Satellitenempfang wird gestört. Wenn man die staatlichen Sender schaut, hat man das Gefühl, man sei nicht in diesem Land und auf diesem Boden. Wir leiden wirklich unter dem Mangel an verlässlichen Informationen und unter völliger Stille – und ich weiß nicht mehr, was richtig ist und was falsch. Seid unsere Stimme, Freunde im Ausland.“

(mho)